Komfortzonen


das Angel's Home für SaraNach eineinhalb Monaten Angel's Home für Sara hab ich, so würde ich behaupten, doch schon eine kleine, große Menge erlebt und so unglaublich gut es mir hier auch geht, würde ich sagen, ich bestreite meine Alltag hier, denn immer wieder aufs Neue muss ich aus meiner Komfortzone heraus und mich auf all das hier - Sri Lanka, Land, Leute zu bewegen und auch einlassen.

Besonders bewusst dessen, dass ich in einem so fernem Land bin, bin ich mir vor allem am letzten Freitag geworden, als ich mich gemeinsam mit Sigrid auf dem Weg nach Colombo gemacht hab und zwar via Bus und Tuktuk. Es war noch vor sieben Uhr und mit knurrendem Magen als wir zwei in den gut gefüllten Bus mit unserem Frühstück in der Tasche gestiegen sind. Banane und Kokosbällchen während der zwei stündigen Fahrt nach Colombo genießen? Das war wohl die falsche Annahme, denn schon wenige Haltestellen später war der Bus so rappel voll, dass mir nicht klar war, wie denn beispielsweise jemand der  weit weg von der Tür, sich den Weg durch die gefühlten 1000 Menschen in dem kleinen Bus zum Ausgang bahnen könne. Während wir Europäer gekonnt jeder Berührung, sogar oft jedem Blickkontakt aus dem Weg gehen, wird hier nahezu gekuschelt und das mit wildfremden Menschen.Busfahrten in Sri Lanka immer wieder ein Abenteuer

Man schmiegt sich mit einem charmanten "excuse me" vorbei und wenn auch es unmöglich erscheint, hier findet auch der größte Bauchumfang schlussendlich an der richtigen Haltestelle seinen Weg nach draußen - um einmal tief Luft zu holen, was ich persönlich aber nicht empfehlen kann. Denn mein Näschen ist gute, frische Landluft gewöhnt und wird hier es alle paar Meter mit andern Geruchsexplosionen, häufig der eher weniger angenehmen Art, überrascht.

Colombo, eine Hauptstadt wie aus dem BilderbuchUnd so war auch mein erster Endruck von Sri Lankas Hauptstadt - stinkig, schnell gefolgt von laut und überfüllt. Und so sprangen wir direkt vom Bus in das nächste Tuktuk zum Immigration and Emmigration Office, mit Ausnahme des Restaurants in dem wir lecker zu Mittag gegessen haben, das Einzige was wir von Colombo sehen durften.

Der verrückte Tuktuk-Fahrer Brian, der nicht zu wissen schien ob er nun Jesus oder Michael Jackson anbeten soll, lernt uns auf Singalhesisch ein Wort, dass den Aufenthalt in dem auf frische 20 Grad temperierte Office gut wiederbringt: "lesi" was so viel bedeutet wie "easy", denn es lies sich wirklich gut aushalten da drin.

Wer nun meine, man könne hier etwas Sarkasmus raus lesen, der irrt sich natürlich, denn ich muss sagen ich hab wohl hier erst so richtig meine Vorfreude aufs Reisen durch dieses Land angeheizt bzw. anheizen lassen. Denn nach mehrstündigem Warten in der selben Schlange beginnt der Smalltalk ganz von selbst und ob nun Italiener, Engländer, Deutsche oder Österreicher alle hier wollen eben noch ein Stückchen länger bleiben, haben glänzende Augen und strahlen bis über beide Ohren, das Land und vor allem auch die Menschen hier haben sie verzaubert und so verzaubern auch sie mich mit ihren Erzählungen.Sigrids und mein Ausflug :-)

Als wir wieder retour in die schwüle Hitze kommen, müssen wir uns auch schon auf dem Weg nach Hause machen. Meine Vorfreude hält sich in Grenzen, ich bin müde und hab eigentlich keine Lust auf nochmal 2 Stunden Hin und Hergequetsche. Doch wir haben Glück, erwischen in dem klimatisierten Bus noch 2 Sitzplätze und können unsere Augen für einen Moment schließen. Auf halber Strecke steigt ein Frau mit zwei kleinen Mädels zu uns und schon beim Einsteigen schau ich mich um nach einem Sitzplatz für die drei, doch ohne Erfolg und so landet eine der beiden zuerst auf meinem Schoß, als ihr durch das "sanfte" Ruckeln die Augen zu fallen auch schon in meinem Armen. Und so komme ich zu dem Genuss, das kleine Mäuschen über eine Stunde an mich gedrückt zu halten und merke ganz stark, dass so etwas in Österreich nicht möglich wäre. Welche Mutter gibt bei uns ihr Kind einer Fremden  und lächelt sie dabei noch seelenruhig an? Ich bin so unwahrscheinlich Dankbar genau solche Momente hier erleben zu dürfen, darf aber nicht blind gegenüber anderen Dingen werden, was mir klar wird, als ich die Hand der Schwester an meiner Tasche entlang fahren sehe.

Refreshingly Sri Lanka, Refreshingly DifferentDoch dieser Moment verliert für mich nicht an Bedeutung, ich stell mir meine Tasche auf den Schoß und genieß einfach weiter. Und ich denke so werde ich meine restliche Zeit hier handhaben. Aufmerksam gegenüber der Herzlichkeit der Menschen sowie ihrer Frechheit glauben zu können sich an mir bereichern zu dürfen, allein deshalb weil ich ja auch weiß bin, der Schönheit der Landschaft und Natur sowie der wahnsinnigen Verschmutzung deren man hier einfach Überall begegnet. Sri Lanka ist ein Land der Gegensätze, und genau diese sind es die meinen Auslandsaufenthalt hier zu einem echten Abenteuer machen.

Grüße aus dem Angels Home,

Sara

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