Upside down


Österreichische Nebelsuppe"Upside down, Sri Lanka you turn me, baby inside out round and round." Und der Subtext dieser einen Zeile ist wohl so zu verstehen, dass dieses Land, dieser Ort und dieses Heim meine Weltanschauung so wie meine Selbstwahrnehmung wirklich verändern vielleicht diese auch schärfen.

Wenn man meine bisherigen Postings und Tagebucheinträge liest, dann könnte man wohl meinen, das Leben hier hat im Vergleich zu dem im dauernebeligen, griesgrämigen Österreich unheimlich viele Vorteile. Es hat viele schöne Seiten, das Leben als Praktikantin, das streite ich keines Falls ab und das weiß und schätze ich, aber nach genau einem Monat nagt der Alltag ab und an schon etwas an meinen Nerven. Denn das Leben hier ist manchmal echt nervenaufreibend, schwierig und echt anstrengend. Sri Lanka lehrt mich in diesem Sinne geduldiger zu werden, die Dinge nur halb so kompliziert zu sehen wie sie sind, oder sie einfach zu akzeptieren und von meinem organisiertem und verplanten Denken Abstand zu nehmen und einfach mal runterzukommen.Roomsharing mit Sigrid

Rückzugsmöglichkeiten muss man kinderheimalltagshalber aber auch aus Räumlichkeitsgründen suchen, und vor allem muss man sich selbst auch zugestehen können, dass man einfach mal nichts hören will und niemanden sehen möchte. Schwierig wird es dann, wenn man eigentlich so veranlagt ist, immer überall dabei sein zu wollen, immer das Gefühl hat man könnte etwas verpassen. Dann steht man in der "Pause" in der Küche und hilft beim Kochen, weil man hier ja echt ne Menge lernen kann, man quatscht hier und da noch eine Zusatzrunde mit den großen Mädels und dem Staff, man nimmt andere Praktikantinnen zum Laufen mit, weil alleine nicht jedermanns Sache ist und es ja eigentlich zu zweit echt Spaß macht.

Ja, mir macht es hier Spaß und Freude. Das Kochen, die Zuwendung und Aufmerksamkeit die ich geschenkt krieg und schenken darf, die Zeit die ich mit meinen zwei Mädels (Sigrid und Maggi) verbringe. Jedoch ist Spaß eben nicht alles, und so brauchts eben doch mal Sigrids Aufforderung, "geh doch mal allein Laufen, ich glaub das tut dir gut" und Margrets Ermutigung "zieh dich ruhig zurück, wenn du allein sein magst" um zu realisieren "ja, genau das hab ich gebraucht". Das zu meiner Selbstwahrnehmung und mein Gespür für meine Bedürfnisse, bei denen ich manchmal echt Unterstützung brauch, um diese zu schärfen.

Das Tor zu den (B)EngelnAber vor allem ist das Leben außerhalb unseres blauen Eingangstores keines Falls ein Zuckerschlecken. So denkt man anfangs, ach die ganzen Singhalesen sind doch einfach unheimlich freundlich, doch nach 30 Tagen joggen an der Beachroad, bekommen höchstens noch die Frauen und Kinder ein Lächeln oder "Good Morning" retour. Und eigentlich gehen mir sogar des Öfteren die Quietschestimmen der Kleinen, die mir alle lauthals "Bye, Bye, Bye" entgegen rufen, auf den Zeiger. Und so hat letzte Woche ein junger Mann meinen ersten Wutanfall, seit ich kann mich gar nicht mehr erinnern wann, ertragen dürfen. Aber mich mit dem Fahrrad beim Laufen zu begleiten und mir dumme Sprüche entgegen zu rufen, kann das Fass echt zum Überlaufen bringen.Stop sagen und vertreten verlangt auch Mut

Man muss hier oft knallhart Grenzen setzten, "nein" und "stop" sagen, ansonsten kommt man vom Einkaufen mit 10X mehr heim als geplant und alles hat mindestens auch doppelt so viel gekostet, wie für eine Frau mit dunkler Haut, man hat 5 Einladungen für den nächsten freien Tag, und plötzlich sitzt der Mann der dir den Weg zum Busbahnhof erklärt neben dir im Bus und steigt solang nicht aus, bis du ihm versprichst ihn heute Abend anzurufen.

Also wie eigentlich schon angenommen, komm ich hier an meine Grenzen und werde die übrige Zeit auch dafür nützen über diese hinauszuwachsen. Denn ja, ich bin wahnsinnig dankbar und ich freue mich eigentlich jeden Frühschichtmorgen darauf die Mädels zu wecken, sie nach der Schule zu empfangen und zu fragen was denn los wahr, mit ihnen am Nachmittag Volleyball zu spielen und am Washingplace beim Baden zu helfen... Ich finde es Krabbenschäl-Kurs bei Sunithatoll mich mit Sigrid und Margret auszutauschen, mit ihnen am Strand zu frühstücken, mit Sigrid Laufen gehen zu, ab und an eine Movienight mit ihnen zu veranstalten. Ich bin happy wenn ich Gemüse schnippelt, beim Krabbenschälen helfen darf, Kokosnüsse aufbreche und rasple, beim Vegtable-Roti-Machen mitten im Geschehen bin. Und eines werde ich Sri Lanka auf alle Fälle immer gut heißen, wenn ich hier jemanden lächelnd begegne, krieg ich eigentlich immer ein Strahlen zurück.

Bis bald, eure Sara

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