Der Alltag hat uns wieder


Unser EingangstorDas neue Schuljahr hat inzwischen begonnen, Unser Tag startet somit wieder um 5 Uhr morgens. Die Matrons und je eine der Praktikantinnen wecken die Mädchen und begleiten sie zur sog. Morning Exercise. Das bedeutet: Völlig verschlafen und meist noch unmotiviert einige Runden zum Hoftor zu laufen und später gibt es Gymnastikübungen im Hof. Um diese Uhrzeit sind die Mädels noch auffallend ruhig. Ich kann es gut verstehen, komme ich doch selbst nur schlecht aus dem Bett, ich raffe mich in der Dunkelheit noch für die Runden zum Tor auf,  die Gymnastik verfolge ich auf der Mauer sitzend.

Sportklamotten tragen die Mädels grundsätzlich nicht, egal ob beim Volleyball oder beim Frühsport. Fast immer sind sie in bunten Kleidern oder Röcken unterwegs. Auch Schuhe brauchen wir nicht auf dem Gelände des Angels Home, hier sind alle barfuss unterwegs.

Nach dem Sport geht es zur Gartenarbeit und zum Waschen, danach gibt es ein kleines Frühstück. Das grosse Frühstück wird für die Schule eingepackt.

Fertig machen für die SchuleIch verteile die Zahncreme und Kokosöl für die Haare. Die Mädels sind ganz verrückt nach Kokosöl. Sie reiben ihre Haare komplett damit ein, um anschliessend einen akuraten Scheitel zu ziehen und entweder Zöpfe zu flechten oder mit ein, zwei Clips zu befestigen.

Den kleineren der Mädels helfe bei Bedarf beim Anziehen der Schuluniform. Meist brauchen sie nur Unterstützung beim Befestigen der Krawatte. Bereits am Vorabend machen wir den „Uniform Check“.  Damit stellen wir sicher, das alle Teile der Uniformen vollständig und sauber für den nächsten Tag bereit sind, das vereinfacht morgens den Ablauf.

Um 7:00 Uhr machen sich die Mädchen auf den Weg zur Schule. Wir Praktikantinnen haben dann erstmal etwas Pause.

Beach RoadSara und ich nutzen die Zeit und gehen jeden zweiten Tag zum Laufen. Unsere Laufstrecke geht entlang der Beachroad. Vorbei an vielen Hunden, mitten durch den morgendlichen und recht übersichtlichen Fischmarkt von Marawila. Überholt werden wir von vielen Rollern und Tuk-Tuks. Natürlich wirken wir auf die Einheimischen mit unseren hochroten und verschwitzen Gesichtern sehr sonderbar. Oft bleiben die Leute stehen und starren uns an, obwohl sie uns nach all der Zeit bestimmt schon kennen. Mir fallen inzwischen schon die gleichen Gesichter unterwegs auf. Laufen ist jedenfalls nicht die Disziplin der Singhalesen.

Nach unserem „grossen“ Frühstück, was immer schon einem Mittagessen entspricht, steht der Room Check in den Räumen der Mädels an. Um 10:00 Uhr ist das tägliche Meeting mit Frank und Julia, welche Besonderheiten heute erledigt werden. Dann ist Zeit Vor und Nachbereitung der English Nachhilfe sowie für Öffentlichkeitsarbeit, d.h. wir berichten über das Angels Home for Children für Tageszeitungen aus unserer jeweiligen Heimatregion.  Was nicht ganz so einfach für mich ist, da sehr viele Freiburgerinnen und Freiburger sich in aller Welt in sozialen Projekten engagieren, wird die Messlatte hochgelegt: Mindestens ein Jahr sollte es sein oder das Land muss in Fokus der Weltöffentlichkeit geraten.

Der Rest vom Tag ist klar strukturiert: 13 Uhr Mittagessen mit den Kleinen. 13:45 begrüssen der Grossen mit Unterstützung beim Schuluniform waschen.

Anschliessend beginnt die Hausaufgabenzeit, ab15 Uhr starten verschiedene Nachhilfegruppen mit Englisch und freitags mit Mathe. Um 16 Uhr ist Teatime. Das ist immer ein kleines Highlight des Tages, denn oft gibt es kleine, leckere süsse Teilchen zum Tee.

Nach der Teatime schliesst sich die Gartenarbeit an und gegen 17 Uhr ist dann endlich Playtime für die Kinder. Entweder Volleyball, Spielen auf dem Angels Spielplatz oder Beschäftigung mit Puzzles oder Kartenspielen runden den Mittag ab.

Hier wird gewaschenAb 18 Uhr ist der Washing Place angesagt. Das ist ein quirliges und lautes Vergnügen. Die Mädchen waschen sich und ihre Kleider draussen am Waschplatz. Wir helfen den Kleinen beim Waschen und schöpfen das Wasser in die Wannen, damit sie dort ihre Kleider waschen können. Regelmässig wird von den Kleinen die Seife oder der Wasserbecher gesucht, gedrängelt oder gestritten, wer jetzt endlich beim Abspülen die Nächste ist. Im Eifer des Gefächts werden auch mal Wasserladungen in unsere Richtung platziert. Hinterher sind wir Praktikantinnen ebenfalls patsch-nass, nur eben noch nicht gewaschen! Witzig anzusehen finde ich immer, wenn die Mädchen ihre dunklen Gesichter mit viel weissen Schaum eingeseift haben.

Nach dem Waschen geht es zum Anziehen und Uniform Check. Dann wird gebetet und hinterher gibt es Abendessen. Anschliessend ist wieder Zahncreme auszugeben und auch an so etwas wie Feierabend zu denken. An den Wochenenden schauen die Mädels abends noch fern, ansonsten gehen sie direkt in ihre Zimmer. Ab 20:30 kehrt langsam Ruhe im Angels Home ein.

Herzlichen Gruß aus dem Angels Home,

Sigrid

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