Und endlich bin ich angekommen…


Eine Freundin sein, weil jedes Mädchen hier etwas Besonderes istAngekommen heißt für mich, endlich die Namen aller Mädchen zu können, zu jedem Kind ein Gesicht und eine Geschichte zu haben, mit jeder schon mal ein Wort gewechselt zu haben. Ist es unter diesen Voraussetzungen nicht wirklich eine Freude sagen zu können: “ Ja, auch ich bin angekommen!“?

Diese kleine aber entscheidende Tatsache bringt im Alltag viele Freuden mit sich. Die Kinder wenden sich vermehrt an einen, öffnen sich, albern herum und schenken einem ihr strahlendes Lächeln, für das es sich tatsächlich lohnt, jeden Tag um viertel vor 5 aufzustehen Wink.

Genauso stark merkt man aber auch die andere Seite. Angekommen sein heißt zwangsläufig auch, mitten drin zu sein. Mitten drin in Konflikten, die man plötzlich selbst schlichten soll, am besten sofort entscheidend wer Recht hat und wer nicht. Oder aber ein Kind fängt aus einem Grund an zu weinen, der für einen zunächst nicht ersichtlich ist, wie soll man es also trösten? Sich öffnen heißt, mehr Gefühle zeigen und die sind nun mal nicht immer positiv. Kann ja auch gar nicht sein, wenn 50 verschiedene Mädchen mit unterschiedlichsten Charaktern tagtäglich aufeinander treffen. Zum Glück lernt man schnell, wer empfindlicher ist, wer laut und robuster auftritt oder wer nur gerade Krokodilstränchen verdrückt, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Es braucht allerdings eine Weile, mit alledem umgehen zu können. Aber je mehr man hier involviert ist, je mehr man all die Geschichten kennt, die hinter den Mädchen stehen, desto mehr versteht man sie auch. Fragen, warum manche Mädchen sich nicht gerne umarmen lassen, wieso andere manchmal nachdenklich da hocken und wieder andere so verdammt viel Aufmerksamkeit brauchen, erklären sich langsam von selbst. Jeder hier hat sein Päckchen zu tragen, jeder hier hat eine Vorgeschichte die ihn geprägt hat. Wir sind dazu da, die nun vorhandene Gegenwart so glücklich wie möglich zu gestalten und viel zusätzliche Freude zu verbreiten.

Eine Unterstützung sein, wie hier beim Schminken der Mädchen für den TanzwettbewerbUnd hier will ich nun anknüpfen, nach meinem ersten Monat im Angels Home. Ich will auch die ruhigeren Kinder verstehen und denen, die empfindlich sind, eine Stütze sein. Das klappt nicht immer, so ist das eben mit den Gefühlen. Aber man kann sein bestes geben und jedes Mädchen, das mir von Tag zu Tag aufs Neue ein Lächeln schenkt, macht es die Mühe wert.

Vielleicht sind wir nicht lange genug hier um eine wirklich familiäre Bindung aufzubauen, aber die Zeit reicht um zu vermitteln: Mir geht es um dich als Mädchen, du kannst mir vertrauen und ich schätze dich genauso wie du bist, als Individuum, das ebenso wie alle anderen wahnsinnig viel wert ist.

Wünscht mir Glück dabei, dieses Vorhaben umzusetzen - ich gebe auf jeden Fall mein bestes Smile

Liebe Grüße von Marlena

 

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