Schulstart, Regengüsse, Kauderwelsch und Allerlei.


SchuluniformenDa ist sie schon fast rum, meine siebte Woche und meine Zeit im Angels Home neigt sich langsam dem Ende zu. Seit dieser Woche sind die Kinder (endlich!) wieder in der Schule und die Ganztagsbetreuung ist auf eine kurze Morgen- und eine lange Nachmittags/Abendschicht zusammen geschrumpft SmileDie Mädchen sind davon bei weitem nicht so begeistert wie unsereins, aber wenn man sie fragt, wie der Schultag so war, bekommt man doch steht es ein strahlendes „Gut“ entgegen gerufen.

Es ist interessant nach der Windpockenzeit und den Ferien nun einmal den wirklichen Tagesablauf im Heim mit annähernd 50 Kindern mitzubekommen. Und am aller interessantesten überhaupt: die fragen alle nach der Englisch-Nachhilfe! Nachdem sie um 5 Uhr morgens aufgestanden sind und um 14 Uhr von der Schule kommen, stehen sie standhaft wie ein Kornfeld im Wind vor einem und verlangen praktisch danach, sich noch mehr Wissen zuführen zu können. Da Klingeln doch meine Ohren! Was für eine Wonne! Ja, gerne, immer doch, dafür bin ich doch hier! Um kleine, singhalesische Köpfe mit all den englischen Wörtern und grammatikalischen Widrigkeiten auszustatten, damit wir endlich mal unsere Gespräche auf die Energiewende und die bevorstehenden Wahlen lenken können.

Aber nicht mehr diese Woche. Nein, leider auch nicht nächste Woche. Wieso denn bloß nicht?! - Wird einem dann empört erwidert. Enttäuschte Kindergesichter, die es kaum erwarten konnten, das Alphabet auch noch ein drittes oder viertes Mal zu lernen oder die endlich verstehen wollten, was denn überhaupt eine Zeitform ist. Da grämt es einem selber, dass man in den Ferien nicht doch schneller und öfter an dem neuen Lehrplan gesessen hat.

TestUnd wenn man diesen wie Kai Pflaume sein DSDS in einer Vorschau anpreist und versucht Spannung und Erwartung aufzubauen, wird man nur mit großen Augen angeschaut. Und die Augen werden nur noch größer, wenn man erzählt, dass nun jedes Mädchen zuerst einen Test machen muss, damit wir es seinen Leistungen entsprechend in die jeweilige Einheit einstufen können. Also, stellen wir uns ab der Hausaufgabenzeit ans Tischende vor den 50 Kindern, wie Fischer mit einer Angel und holen einzelne Mädchen zum Testen. Besonders bei den Kleinen ist das noch ganz schön schwer und man ertappt sich selbst dabei, wie man ihnen am liebsten die Antwort zuflüstern möchte. Ach ja, englische Sprache, schwere Sprache. Die Kinder haben leider des Öfteren sowieso Satzverdreher, Wortverwechseler und Grammatik-Befremdnisse, die einem die Zehennägel kräuseln lässen. Und das schlimmste: man gewöhnt sich das selber an! Erst letztens habe ich mich dabei ertappt, wie ich lauthals rief „This one, I no!“ als mich jemand scherzhaft beschuldigte einen Stift fallen gelassen zu haben. Auch die kurze, aber knackige Formulierung „Not have“, anstatt des schickeren „I don't have“ ist hier leider Gang und Gebe. Und wenn mir 20 Kinder nach der Schrankkontrolle entgegen laufen und schreien: „I cupboard good?!“ läuft es mir aufgrund der fehlenden Grammatik eiskalt den Rücken runter. Wie lange ich schon versuche, den Kindern den Satz „Can I have a game, please?“ einzutrichtern, kann ich gar nicht beschreiben (naja, um die sieben Wochen werden es wohl sein ;) Auch unsere Namen gehen leider des  Öfteren in der Kindereuphorie flöten. Da werd ich „Helena“ gerufen, die Nina heißt dann „Lisa“ und bei Magdalena suchen sie sich dann einfach einen der anderen drei Namen aus. Aber am allerliebsten nennen sie uns Isabell! Also liebe Isabell, wo auch immer du sein magst und wenn du das liest: du hast hier einen Wahnsinns Job gemacht! Smile

Wenn man von diesen sprachlichen und schulischen Widrigkeiten absieht, ist die Stimmung momentan sehr Weltuntergangsmäßig. Was hauptsächlich daran liegt, dass die Welt hier tatsächlich unter geht. Dem lieben Wettergott scheint die Schulzeit auch nicht besonders zu gefallen, denn seit Montag regnet es. Ab und zu, nicht andauernd, aber immer öfter, immer lauter, immer mehr. Und das sind keine Gießkannen, die dort ausgeschüttet werden, sondern mindestens ganze Schwimmbäder. Die Großen, nicht die Kleinen. Schön, dass der Klimawandel auch in Sri Lanka angekommen ist. Wäre ja blöd, wenn nur die reichen Industrieländer, die das CO2 in die Luft stoßen von der Erderwärmung betroffen werden – wir sind doch eine Welt! Und so.

Gruß aus dem Angels Home, Lisa.