Nähe suchen Nähe geben


Wertvolle NäheWie gibt man den Maedchen im Angels Home die Naehe und Zuwendung, die sie brauchen?

Ihr erinnert euch doch sicherlich: Ihr liegt im Kindesalter abends im Bett, habt ein kleines Ziehen im Bauch und Eure Mutter sitzt neben euch und krault Euch mit sanftem Bauchstreicheln in den Schlaf. Und die Mamas wussten immer genau, welche Bewegung sie machen müssen, damit es euch so richtig gut geht! Smile

Nur wer krault im Angels Home 52 Bäuchlein?

Die letzten zwei Abende zog mich Sandiya energisch hinter sich her, sie krabbelte ins Bett und wollte, dass ich neben ihr Platz nehme. Sie kraulte meinen Arm und wollte, dass ich genau dasselbe auch bei ihr tue. Irgendwann gab sie mir zu verstehen, ihr über den Bauch zu streicheln, da sie etwas Bauchschmerzen hätte. Dann sollte ich sie in ihr Bettuch einwickelt, auch eine typische Mama-Tätigkeit. Sie fühlte sich sichtlich wohl und auch wenn sie später noch einmal aufstand, konnte ich ihr doch einen Teil der so wichtigen Zärtlichkeiten geben.

Zärtlichkeiten auszutauschen, bringt Nähe und Sicherheit, die einen im Normalfall die Mutter gibt. Im Heim übernehmen diese Aufgabe die Matron oder Praktikantinnen. Besonders abends spürt man die körperlichen Bedürfnisse der etwas jüngeren Mädchen, einen perfekten Ersatz für eine Mama gibt es aber leider nicht, da können wir uns noch so sehr bemühen.

Hand in HandAuch tagsüber wird nach körperlicher Nähe gesucht, bei einigen Mädchen mehr, bei anderen weniger. Wenn man über das Gelände geht und die Kinder gerade am Spielen oder bei der Gartenarbeit sind, dauert es nicht lange und ein Kind greift nach meiner Hand. Da wird aber nicht nur die Hand genommen, sondern sich meistens an den ganzen Arm gehangen und sich zusätzlich hinten am T-Shirt festgehalten. Viel inniger, als man es vom normalen „Händchenhalten“ gewöhnt ist.

Ich versuche, den Mädchen im Alltag viel Nähe entgegen zu bringen, so wie sie es ja auch bei mir machen. Das geht von einem Klaps auf die Schulter bis zu einem „Über die Wange streicheln“. Und wenn ein Mädchen weint, drücke ich es ein bisschen an mich, das hilft in Deutschland, in Sri Lanka und auf der ganzen Welt, Krokodilstränen zu trocknen! Smile

Erstaunlicherweise bettelt aber nur noch die sehr kleine Bodika, auf den Arm genommen zu werden, die anderen wissen wohl schon, dass sie das unseren Rücken nicht mehr antun können…

Spielerisches NähesuchenIm Moment spüre ich die Nähe vor allem von den Kleinen, aber auch die Großen brauchen diese. Ganz gut zu beobachten war das in den letzten zwei Wochen bei Sewandi und Theekshani. Da Sewandi nur noch auf ihre Ergebnisse des O-Levels wartet, ist ihre Zeit wohl im Angels Home gezählt. Umso deutlicher wird dann die Nähe zu Theekshani, unserer Matron. Da wird sich an die Schulter der anderen gelehnt und viel miteinander gesprochen.  Mir werden immer die Hände von den Großen entgegen gestreckt, wenn ich abends noch einmal zu den Betten gehe. Die Zuneigung der Großen spürt man aber auch im Laufe des Tages durch ihre Unterstützung bei verschiedenen Aufgaben. Wohlfühlen und glücklich seinDa wird mir gesagt, wo ich gerade dieses und jenes Mädchen finde, Übersetzungsarbeit geleistet oder beim Uniform-Check die halbe Arbeit abgenommen. Natürlich sind die großen Mädchen vorerst etwas skeptischer gegenüber einer neuen Praktikantin, jedoch hätte ich mir die Gewöhnungszeit langwieriger vorgestellt: Nach anfänglichem Ignorieren wird jetzt viel geredet und gelacht. Die älteren Mädchen nehmen aber nicht nur Zärtlichkeiten, sie geben ihren kleinen Schützlingen auch viel. Gegenseitiges Halten und Lausen ist hier an der Tagesordnung.

Ich hoffe, allen die Aufmerksamkeit und Nähe zu schenken und zu zeigen, die sie brauchen, ohne jemanden zu bevorzugen. Aber während meines dreimonatigen Aufenthalts werde ich sicherlich jedes Kind mal an meinem Arm hängen haben und zumindest von den Kleinen jeden Bauch gekrault haben! Smile

Jetzt fühlt Euch alle mal geknuddelt, ich werde es hier ausreichend Smile,

Isabell