Alles andere als nur ein kleiner Funke


Ausgelassenheit beim SpielenEs ist mein erster Tag im Angels Home. Ich ziehe mir zum ersten Mal die blaue Uniform an, die sich noch etwas fremd anfühlt und gehe die Treppen herunter Richtung Esstisch. So wirklich wach bin ich noch nicht. Als ich zum ersten Mal die 49 fremden Mädchen sehe, die mich mit ihren unglaublich großen und neugierigen Augen anschauen, ist mein träumerischer Zustand von einer Sekunde auf die andere verflogen. Das ist ein Moment, der auch schon in meinem zweiten Tagebucheintrag Platz gefunden hat, ein Moment, an den ich mich gern zurückerinnere. Es ist der Moment, mit dem für mich alles anfing.

Seitdem sind nun drei Monate vergangen und während ich hier in meinem Zimmer in Deutschland sitze, schaue ich auf die Uhr und denke an die Mädchen im Angels Home, die sich wahrscheinlich gerade ihre Zähne putzen. Ich bin nicht mehr mittendrin und nicht mehr diejenige, die den mittlerweile 51 Stupsnasen die Zahnpasta ausgibt oder den Englischunterricht vorbereitet. Auch bin ich nicht mehr beim Fireball spielen dabei oder begrüße die Mädchen, wenn sie aus der Schule kommen. Gedanklich bin ich jedoch jeden Tag in Marawila und auf diese Weise habe ich das Gefühl, doch noch irgendwie ein Teil des Ganzen zu sein. Stöbern in der BibliothekTrotzdem ist das nicht dasselbe und schon während meiner zweiwöchigen Reise durch Sri Lanka, die nach dem Praktikum stattfand, war es ein komisches und befremdliches Gefühl aufzuwachen und zu wissen, gleich nicht von den vielen Stupsnasen umgeben zu sein. Schließlich habe ich zwei Monate mit ihnen verbracht, mit ihnen unter einem Dach gelebt. Zwei Monate. Auf das Leben gerechnet keine lange Zeit, nur ein ganz kleiner Teil von dem großen, ein kleiner Funke. Für mich war es alles andere als ein kleiner Funke. Für mich waren es zwei Monate voller Freude, Aufregung, Ängsten, Nachdenklichkeit, Zweifel, SpaAm Strand von Marawilaß, Unbeschwertheit, Staunen, Glück, Geborgenheit… und so viel anderen Dingen. Zwei Monate, in denen ich in eine komplett andere Welt abgetaucht bin, auf die ich mich voll und ganz eingelassen habe und die ich mit einer so unglaublichen Intensität erlebt habe, die die Zeit zu etwas ganz Besonderem macht, jedoch nur schwer zu beschreiben ist. Wahrscheinlich ist auch das der Grund dafür, dass ich gedanklich noch immer in Sri Lanka unterwegs bin und weniger hier in Deutschland. Im Angels Home habe ich mich von Anfang an genau richtig gefühlt. Die blaue Uniform wurde schnell ein Teil von mir und die vielen Gesichter und Namen der Kinder waren mir schon nach kurzer Zeit sehr vertraut. Auf der einen Seite freue ich mich sehr, wieder in meiner Heimat zu sein, auf der anderen Seite fällt mir das Ankommen hier um einiges schwerer, als ich erwartet habe. Das macht mir jedoch nur nochmal bewusst, wie intensiv die vergangene Zeit war und dass es hier eben nicht um nur einen kleinen Funken geht.

Danke für die schöne ZeitEs ist nicht zu übersehen, dass jedes einzelne Mädchen im Angels Home die Sonne im Herzen trägt und ich wünsche mir, dass sie diese niemals verlieren und durch sie in ihrem Leben begleitet werden. In meinem Herzen haben die vielen Stupsnasen ihre Sonnenstrahlen für die Ewigkeit hinterlassen.