Eine Praktikantin von vielen


Eine von vielenDa stand ich nun am Flughafen in Colombo, angekommen mit sechs Stunden Verspätung und die Sonne scheint mir ins Gesicht. Vor ein paar Stunden noch, stapfte ich mit dicken Schuhen durch den Schnee, nun sehe ich übera ll Palmen und alle laufen mit Flip Flops herum. Mein Abenteuer in Sri Lanka sollte beginnen.

Ich komme um ungefähr 11:00 Uhr im Angels Home an, alle Kinder sind noch in der Schule und die Praktikantinnen Leonie und Lizzy nehmen mich in Empfang. Da ich nun seit fast 24 Stunden auf den Beinen bin, zeigt mir Julia noch kurz den Wohnbereich der Praktikantinnen und ich lege mich etwas hin.
Als ich zum Mittagessen geweckt werde, gehe ich die Treppen herunter Richtung Esstisch und da sitzen sie, 49 Mädchen, die mich mit ihren unglaublich großen und neugierigen Augen anschauen. „This is Melina, our new student“, sagt Julia und ich höre, wie die Mädchen meinen Namen nachmurmeln. Ich lächel sie an, sie lächeln verlegen zurück.

Wippen mit Achini„The new student“, das war nun also ich. Eine Praktikantin von vielen, die eine bestimmte Zeit in die Welt des Angels Home eintaucht und anschließend wieder weit weit weg fliegen wird, in eine Welt, die so ganz anders ist. Selbst für mich ist das eine komische Vorstellung aber was bedeutet es für die Kinder, wenn sie immer und immer wieder neue Gesichter und Menschen kennenlernen, die sie schon nach kurzer Zeit wieder verlassen und an deren Stelle jemand Neues tritt? Wenn ich mich für einen Moment in die Lage eines der Mädchen hier versetze und die Gewissheit habe, dass die Praktikantin, mit der ich gerade spiele in einigen Wochen schon nicht mehr da sein wird, würde es mir schwer fallen, Vertrauen zu ihr aufzubauen und mich ihr zu öffnen. In meinen ersten Tagen hier erlebe ich jedoch etwas komplett anderes. Die Mädchen begegnen mir mit einer so unglaublichen Herzlichkeit und Offenheit, das ist der Wahnsinn! Ein Kind nach dem anderen möchte meinen Namen erfahren, nimmt meine Hand, möchte mir etwas zeigen oder lächelt mich einfach nur an. Hand in HandSie geben mir ganz und gar nicht das Gefühl, eine Praktikantin von vielen zu sein, im Gegenteil, durch ihre liebe Art fühle ich mich herzlich willkommen. Ich weiß natürlich nicht, was in ihren Köpfen vorgeht und in wie weit ihnen der ständige Praktikantinnen-Wechsel gedanklich präsent ist aber ich weiß, dass ich mich durch sie hier genau richtig fühle, obwohl ich gerade in einer Welt lebe, die für mich ganz neu ist, die unzählige Eindrücke mit sich bringt und die ich wahrscheinlich noch nicht ganz verstehen kann.

Liebe Grüße aus Marawila,

Melina