Paradies Sri Lanka?


Palmenmeer rund um das Angels HomeAusblick aufs Meer„Es ist das Paradies, wahrhaftig, es ist das Paradies.“ Dies soll Hermann Hesse gerufen haben als er vor fast hundert Jahren zum ersten mal in Sri Lanka ankam. Und ich muss ihm Recht geben: Meer, Palmen, leckere exotische Fruechte, die Vielzahl der verschiedenen Tierarten, die Sonne (auch wenn diese sich in der letzten Zeit ziemlich oft mit starken Gewittern abwechselt)- das alles traegt dazu bei, das Sri Lanka einfach paradiesisch scheint. Ich habe zwar noch nicht viel von diesem Land gesehen, aber alleine schon der Ausblick von unserer Praktikanten-Terasse im Angels Home ist wunderschoen. Wo man auch hinschaut sieht man gruene Palmen und Voegel die dazwischen herumfliegen. Zur rechten Seite hat man den Blick auf das endlose Meer.

Auch das Angels Home ist ein kleines Paradies fuer Kinder, dies ist der Ort wo sie ganz sie selbst sein koennen und so akzeptiert werden wie sie sind. Die Kinder fuehlen sich sichtlich wohl und haben eine schoene Kindheit hier.

Doch was mir in den erstenTagen hier immer wieder durch den Kopf gegangen ist- wie kann ein Land wie Sri Lanka, das auf den ersten Blick so schoen und friedlich wirkt, gleichzeitig auch von so vielen Problemen betroffen sein?

Unser kleine Gartenteich, ein Platz wo die Mädchen entspannen können.Ungefaehr ein Viertel der singhalesischen Bevölkerung ist unterernaehrt und hat keinen Zugang zu Trinkwasser. Dass es viele Probleme gibt und einige Familien in diesem Land sehr arm sind, spiegelt sich auch darin wieder, dass diese ihre Kinder nicht selbst versorgen koennen und deswegen in Einrichtungen wie das Angels Home schicken. Zum Glueck geht es den Kindern oftmals viel besser hier. Und wie ich schon in ein paar ersten Gespraechen gemerkt habe, vermissen die wenigsten Kinder die hier wohnen ihr eigentliches Zuhause. Trotzdem gibt es, wenn man genauer hinschaut, auch hier viele Probleme. Denn auch im Angels Home ist vieles noch nicht perfekt.Viele Kinder sind natuerlich immer noch gepraegt von den Erfahrungen aus der Vergangenheit. Ausserdem ist die Kleidung ist oftmals loechrig und kaputt, Laeuse und andere Krankheiten wie Mumps verbeiten sich hier wie ein Strohfeuer und kleine Defekte wie Stromausfaelle, kaputte Ventilatoren oder verstopfte Abfluesse sind hier Alltag.

Johanna Kemper mit ein paar der kleinen MädchenEs faellt mir schwer meine Eindrucke aus den ersten Tagen in Worte zu fassen, denn wie gesagt, vieles was hier auf den ersten Blick so paradiesisch wirkt, hat auch seine Kehrseite. Die Probleme des Landes, die sich teilweise auch in den Vergangenheiten der Kinder wiederspiegeln, sind immer praesent. Trotzdem oder gerade wegen der vielen Probleme, gibt es hier auch einen extremen Zusammenhalt der Kinder untereinander. Die groesseren Kinder kuemmern sich liebevoll um die juengeren Kinder und alle Kinder helfen sich gegenseitig, wie zum Beispiel bei den Hausaufgaben.

Sri Lanka, und gerade das Angels Home ist ein Ort der Hoffnung gibt, denn es wird viel getan um diesem Land (und diesen Kindern) wieder auf die Beine zu helfen. Auch wenn es bis zum Paradies noch ein langer Weg ist, die ersten Schritte in die richtige Richtung sind zumindest getan.

Liebe Gruesse aus Marawila,

Johanna