Ein Stück Erde für Jeden


PassionsfruchtAuch wenn die Mädels hier im Heim nicht massig Barbiepuppen, Mahlbücher oder anderen Krimskrams besitzen, so besitzen sie etwas viel wertvolleres, nämlich ein Stück Erde, um das sie sich jeden Tag kümmern.

Der Garten des Angels Home ist nämlich neben Spielplatz auch noch ein richtiger Garten, wie aus dem Bilderbuch, hier werden einheimisches Gemüse, Obst, Nüsse und Kräuter angebaut.

Er ist durch selbstgebaute Zäune in drei Abschnitte eingeteilt, in welchen zwar in etwa das Selbe angebaut wird, aber um jeden Abschnitt kümmert sich jeweils eine andere Gruppe, die von der Matron, Premalattha und Catherine betreut werden. Innerhalb der Gruppe gibt es immer zwei ältere Mädchen, die die Gruppenleiterinnen sind.

Die Bete sind in jedem Abschnitt sehr liebevoll gestaltet, vereinzelte Steine aber vor allem Kokosnussschalen trennen die einzelnen Bete voneinander, diese werden so mehr oder weniger recycelt und es muss kein Geld für viele Steine ausgegeben werden, ganz davon abgesehen, sehen die Schalen auch sehr dekorativ aus.

Liebevoll gestaltete kleine BeteAuch Premalatha packt mit anZudem formen die Mädchen aus den Schalen nicht nur langweilige eckige Beetbegrenzungen, sondern es gibt neben runden und eckigen auch stern- und mondförmige und viele andere kreative Muster.

Wie schon gesagt, steht die Gartenarbeit auf dem Tagesprogramm der Kinder, dann wird gepflückt und gegossen, was das Zeug hält. Jeder weiß, was er zu tun hat und alle helfen mit.  Nebenbei gesagt Pestizide, Insektizide oder ähnliches werden gar nicht verwendet!

Als ich mir von den Kindern den Garten hab zeigen lassen, war ich schon beeindruckt, was sich alles so anpflanzen lässt. Schön fand ich auch, wie stolz die Kinder auf ihren Garten sind.

Stolz zeigt Imasha uns ein paar der Pflanzen In Deutschland hat Begriff Gartenarbeit für die meisten wohl einen negativen Beigeschmack, ganz anders ist es hier bei den Mädchen im Angels Home.

Im Garten des Angels Homes werden vor allem bzw. eigentlich ausschließlich Sachen angebaut, die die Kinder später auch essen können, hier wachsen zum Beispiel Süßkartoffeln, die die Mädchen gerne zu ihrem Reis in einer Currysoße essen, passender Weise wachsen auch einige Curry Trees auf der Anlage, dessen Blätter man eigentlich in jedem Currygericht findet, sie verleihen jedem Gericht ein besondern scharfen und aromatischen Geschmack.

Ein noch sehr junger CurrybaumDie Currybäume hier sind noch sehr jung und dementsprechend klein aber ein ausgewachsener Currybaum kann bis zu 6 m hoch werden und eine bis zu 4 m breite Krone haben.

Imasha, Madushika,Schashikala und Subani Eine weitere Pflanze die von den Mädchen angebaut wird ist der Okrastrauch, dieses Gewächs zählt zu den Malvengewächsen und kann im ausgewachsenen Zustand ebenfalls eine imposante Größe von 3 Metern erreichen, imposant sind bei diesem Gewächs auch die Blüten, welche in der Blütezeit aussehen wie große gelbe Trichter.

Etwas langweilig dagegen sehen die essbaren Okraschoten aus, sie sind grün, fingerförmig und haben eine pelzige Außenhülle. Ihre Form verleiht der Okraschote auch einen ihren Spitznamen:„Ladyfinger“.   

Eine weitere Pflanze mit einem lustigen Spitznamen ist der Murungabaum, die Früchte, die dieser trägt, werden entweder Plots oder Drumsticks genannt, das liegt auch hier unverkennbar an ihrer Form.

Sie schmecken gekocht ein bisschen wie Spargel, man kann sie aber auch roh essen.

Der Murungabaum ist ein echter Wunderbaum, er wächst im Jahr bis zu 30 cm und man kann nahezu alle seine Bestandteile verwerten, sei es als Nahrung, wie zum Beispiel die Blätter, Früchte und Rinde oder als Medizin, wie zum Beispiel die Blüten und Wurzeln.

Abgesehen von dieser Vielschichtigkeit ist Murunga die vitaminreichste Pflanze der Welt, sie darf also auf keinen Fall im Garten des Angels Homes fehlen.

Strauch des Murungawunderbaumes Geerntete Drumsticks

Neben den vielen exotischen Gemüsesorten finden sich aber auch ein paar bekannte Pflanzen, die man mit Sicherheit auch in dem ein oder anderen deutschen Gemüsegarten finden würde. Es werden Tomaten, Kohl, rote Zwiebeln, Radieschen, Gurken und auch Kürbis angebaut. Der Kürbis und der Kohl werden ähnlich wie die Süßkartoffeln als Currygericht zubereitet.

Subani und ein Reihe RadieschenpflanzenAuch ältere Mädchen, wie Sodi, macht die Arbeit in ihrem Garten SpaßTomaten

Außerdem wachsen auf dem Gelände des Angels Homes neben zahlreichen Gemüse- auch noch einige Obstbäume, so können die Mädels im Laufe eines Jahres Bananen, Roseapple, Papayas, Guava und Rambutan ernten.

Was wäre ein guter Gemüsegarten ohne eine Kräuterabteilung?

Madushika hat Pfeffer unter dem HinternAuch die gibt’s im Angels Home. Neben Curryleaves, wachsen Ingwerbäume, Pfefferpflanzen und jetzt gerade waren die Mädchen wieder damit beschäftigt neue Erde zu beschaffen, um später dort Chili anzupflanzen.

Chili bringt beim Kochen neben dem scharfen Geschmack auch noch den Vorteil, dass es keimtötend wirkt.

Außerhalb der eingezäunten Gartenabschnitte gibt es außerdem nach zahlreiche Kokosnusspalmen, Jackfruitbäume, Chashewbäume.

Der Kokosnusspflücker bei seiner schwindelerregenden ArbeitVor circa 2 Wochen waren viele der Kokosnüsse auf den Palmen reif und nach und nach viel immer mal wieder eine auf den Boden. Das hört sich erstmal harmlos an, ist es aber nicht. Bekommt man nämlich so eine Nuss auf den Kopf, so kann das ganz schön schlimme Folgen haben. Aber die Kokoskusspflücker sind zum Glück, wenn auch mit ein bisschen Verspätung gekommen und haben die reifen Nüsse heruntergeholt. Dabei klettern die Männer ohne jede Hilfsmittel, geschweige den Sicherungsmaßnahmen, allein mit einem Band aus Kokosnussfasern zwischen den Füßen, auf die 20 Meter hohen Palmen.

Ich finde, dass der Garten eine tolle Sache für die Kinder ist, da sie zum einen schon früh lernen Verantwortung für etwas zu übernehmen, zum anderen, weil es toll ist und auch in gewissermaßen geldsparend ist, ein Teil seiner Nahrungsmittel selbst anzubauen, aber was noch viel wichtiger ist, ist, dass die Gartenarbeit den Kindern viel Vergnügen bereitet.

Viele Grüße aus dem grünen Sri Lanka , Marie