Ich fühle mich gefesselt – wo ist meine Freiheit?


Blick von den PraktikantenwohnungenIch sitze in der Küche mit dem Blick nach draußen. Was ich sehe, möchte ich nicht sehen. Häuser, Straßen, viele Menschen, Autos, Straßenbahnen…Wo ist mein Blick zum Meer, in die Freiheit? …Er wurde mir genommen und die endlose „Freiheit“ in einem neu kennengelernten Land auch.

Nun bin ich seit 3 Wochen wieder hier und habe das Gefühl nie weggewesen zu sein. Ich hatte immer Angst, dass mich mein altes Leben so schnell wieder einholt und mein Aufenthalt in Sri Lanka, im Angels Home so schnell in den Hintergrund gedrückt wird. Das Leben im Angels Home war für mich eine sehr wichtige Zeit, die mich in meinen Gefühlen, meinen Gedanken und meiner Persönlichkeit gestärkt und weitergebracht hat. Ich kann mich noch sehr genau an die Zeit vor Sri Lanka erinnern. Viele Freunde haben mich gefragt, wie ich mich darauf vorbereite, meine Familie wollte mich bei all den Erledigungen (Reiseapotheke, Mückenspray, Sonnencreme etc. ) unterstützen und meine Arbeitskollegen fragten mich mehrmals, was ich mir für ein Ziel bei diesem Aufenthalt gesetzt habe.

Mir wurden viele Fragen gestellt, die ich in der Zeit leider nicht befriedigend beantworten konnte, da ich in einer persönlichen Krise steckte, beruflich sehr gestresst war und einfach nur weg wollte. Natürlich habe ich mir auch ein paar Gedanken über meinen Aufenthalt gemacht und wie es wohl werden wird, aber ich hatte leider nicht die Kraft mich mit dem Land und dem Angels Home wirklich auseinander zu setzen. Jetzt kann ich sagen, dass ich das sehr bereue und es ein Fehler war, so hinzufahren wie ich es auch gemacht habe. Ich hätte nie gedacht, dass mich das Leben in Sri Lanka und im Angels Home so fesseln würde.

Die Anfangszeit war nicht sehr leicht für mich, da ich ein Mensch bin, der gerne und sofort seine Aufgaben bekommt und beginnt. Ich bekam eine Woche Eingewöhnungszeit, um mir alles anzuschauen und erstmal anzukommen. In der Zeit fragte ich mich immer wieder. „Wo soll ich denn ankommen, ich bin doch jetzt hier.“ Jetzt im Nachhinein weiß ich, warum Julia Fischer, Linda und Caro mir die Zeit gegeben haben. Das Leben im Heim und in Sri Lanka ist nicht mit dem in Deutschland zu vergleichen. Es beginnt beim Klima, dem Essen, der Wohnsituation und dem gesamten Alltag. Bevor ich nach Sri Lanka ging, lebte ich mit einer Freundin zusammen. Doch nun hieß es: „Janine, du wirst jetzt mit ca. 50 Mädchen und zwei anderen Praktikantinnen zusammenleben.“ fEinige der über 50 Mädchen aus dem Angels HomeDas war für mich alles sehr aufregend und ich wollte schnell alle Namen lernen, was natürlich nicht so funktioniert hat. Am Anfang hatte ich oft mit den gleichen Mädchen Kontakt, wodurch ich ihre Namen schnell gelernt habe. Bei den Größeren war es etwas schwieriger. Es dauerte eine längere Zeit bis wir eine freundschaftliche Beziehung aufgebaut haben und sie wussten, dass sie mir vertrauen können und ich eine Freundin für sie sein möchte.

In meiner Eingewöhnungswoche habe ich mir Gedanken über meine persönlichen Ziele in Sri Lanka gemacht. „Warum bin ich gerade in Sri Lanka?“, „Wieso wollte ich gerne in das Angels Home?“, „Was ist mein Ziel in Bezug auf die Mädchen?“ usw. Ich entwickelte viele Fragen und begann Antworten darauf zu finden. Es ist irgendwie schon sehr interessant wie ort.- und situationsbezogen der Mensch ist. In Deutschland konnte ich diese Fragen nicht beantworten. Kaum war ich paar Tage in Sri Lanka, begann mein innerer Körper sich auf Sri Lanka und das Heim einzustellen und Antworten zu finden. Das Land, das Heim und vor allem die Mädchen haben es geschafft, mit ihrer Anwesenheit und ihrem Strahlen, meine alten Gedanken und Gefühle verschwinden zu lassen und mir neue Energie gegeben, um für sie da zu sein und eine tolle Zeit zu erleben.Shanika und Kumari Ich wusste warum ich da bin und welche Intention ich habe. Ich wollte eine Freundin für die Mädchen sein, mit der sie Spaß haben und über Probleme reden können, mit der sie zusammen das Abendbrot vorbereiten können oder für die Schule die Hausaufgaben vollenden, mit der sie in Bücher wälzen oder ihre Kleidung waschen.Malstunde Ich wollte an ihrem ganzen Alltag teilnehmen und immer für sie da sein. Wenn ich mich jetzt versuche an die gesamte Zeit zurück zu erinnern, ist es mir auch sehr gut gelungen. Natürlich habe ich nicht mit allen Mädchen über private Probleme geredet aber durch die doch recht lange Zeit die ich da war, haben mir viele Mädchen von alleine ihre Gefühle, Gedanken und Probleme erzählt, soweit sie es denn auf Englisch konnten. Die Barriere der Sprache kam selbstverständlich oft hinzu. Dennoch finde ich es sehr gut, dass Julia und Frank soviel Wert darauf legen, dass ihre Mädchen mit uns Englisch reden, so wie wir mit ihnen und jedes Mädchen einmal die Woche zur Englischnachhilfe geht. Diesen Bonus haben nicht viele Kinder in Sri Lanka und unsere Mädchen müssten sich glücklich schätzen, dass das für sie ermöglicht wird und sie bessere Chancen für die Zukunft haben. Ich würde behaupten, dass die meisten Mädchen über die Englischnachhilfe glücklich sind, aber dennoch hatten sie natürlich nicht immer Lust nach einem langen Schultag noch eine Stunde die Bank im Heim zu drücken um Englisch zu lernen. Wiederrum sind es ja auch nur kleine Mädchen, und wir waren alle mal jung und wissen wie unsere Schulzeit war. Grinsen

Die Zeit in Sri Lanka hat mich von vielen negativen Gedanken befreit und mir neue Lebenswege ermöglicht. Ich habe gelernt viele Dinge gelassener anzugehen, obwohl ich vorher ein Mensch von Aktivität und Unruhe war. Es gibt viele Erinnerungen und Erfahrungen, die ich mitgenommen habe und versuche in mein altes, deutsches Leben zu integrieren. Es sind viele kleine Momente, die ich schätzen gelernt habe und mich dort glücklich gemacht. Ich hätte vorher nie gedacht, dass die Mädchen mich mit einem einfachen Lächeln, Anfassen oder einem kleinen Küsschen so glücklich machen können. Janine und AsadiIch weiß nicht woran es liegt, doch bislang funktioniert es alles nicht so wie ich es mir gewünscht habe. Mein Leben in Deutschland hat mich zurückgeholt und viele meiner gewünschten Veränderungen verdrängt und meine Freiheit genommen. Ich versuche immer wieder, bestimmte Dinge mir bewusst zu machen und in diesen Momenten an die schöne, prägende, für mich wichtige Zeit in Sri Lanka und dem Angels Home zu denken. Doch leider sind es nur wenige Momente, was mich sehr traurig macht. Ich möchte so gerne meine dort gelernte Gelassenheit, meine Freiheit, meine Zeit für mich, meine doch recht einfache Lebensweise mit meinem Leben hier verbinden. Ich hoffe, dass ich nach meinenRelaxen im Garten zurzeit sehr stressigen Veranstaltungen wieder mehr Zeit für mich habe und ich wirklich so leben kann, wie ich es gerne möchte. Ich sehne mich nach dem Tag, an dem ich meinen Freunden/meiner Familie die Bilder zeigen und meine Fotoalben machen kann, die Mitbringsel in meiner Wohnung plazieren kann, sowie auch über die Mädchen und ihr Leben und auch mein Leben nachdenken kann. Denn ich weiß, mein Aufenthalt in Sri Lanka und im Angels Home hat mich in einer sehr großen und tiefen Weise bewegt, verändert bzw. gestärkt. Ich brauche nur die Zeit um diesen Punkt zu finden, aber ich freue mich darauf, denn ich werde diese wunderschöne Zeit, die die Mädchen mir geschenkt haben nie vergessen. All meine Erinnerungen, Erfahrungen und Gefühle werde ich in meinem Herzen bewahren und von mir wichtigen Menschen weitergeben. Ich möchte mich nochmal bei euch allen für die letzten 2 Monate bedanken. Die Mädchen können sehr froh sein, dass sie Euch (Julia und Frank) haben.

Eure Janine

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