Ein Kinderleben in Sri Lanka .


Chethana ist auch schon am frühen Morgen fitEin Kinderleben in Sri Lanka ist mit dem Leben eines deutschen Kindes nicht ansatzweise zu vergleichen.Vindiya beim Waschen Natürlich kann ich nur von den Kindern sprechen, die im Angels Home leben. Trotzdem fallen mir viele Unterschiede auf.

5.00Uhr: die Glocke zum Aufstehen läutet. Annähernd 50 Kinder tapern langsam, mit Schlaf in den Augen, die Treppe hinunter, während ich die noch liegen gebliebenen Kinder versuche vorsichtig aus ihren Träumen zu ziehen. Bei dem ein oder anderen ist das gar nicht so leicht und ich muss meine Stimme heben um sie aus ihrem Schlaf zu reißen.

Am Anfang habe ich mich nach dem Grund gefragt, jetzt weiß ich, warum  der erste Tagespunkt „morning-exercise“ heißt. Damit nicht jedes Kind so freundlich und sanft aus dem Schlaf geweckt werden muss, wie ich das manchmal mache, werden drei bis vier Runden auf dem Grundstück gelaufen und ein paar Stretch Übungen absolviert, damit auch wirklich jeder richtig in den Tag starten kann. Der weitere alltägliche Rhythmus ist mit dem eines jeden Schulkindes zu vergleichen: gemeinsames Beten sowie Teetrinken, Brotdosen packen, Zähne putzen, waschen und sich zur Schule fertig machen, sind keine Besonderheiten. Die Mädchen tragen alle eine weiße Uniform; diese sowie die restlichen ebenfalls weißen Kleidungsstücke müssen jeden Tag sorgfältig gereinigt und gebügelt werden.

Die Mädchen starten ihren SchulwegDie Kinder beim „Frühsport“Aus Erzählungen sind die kontrollierenden, strafenden Gegenmaßnahmen in der Schule streng. Das Personal und auch ich haben gemeinsam die Aufgabe sowohl abends als auch morgens nach der Vollständigkeit, Sauberkeit und nach dem angemessenen Erscheinungsbild der Kinder zu achten. Besonders die Kleinen bleiben beim Anziehen schon mal in ihrem Kleid stecken, so dass öfter ein Hilferuf zu mir herüber schallt. Mal früher, mal später, machen sich die Kinder gemeinsam um 7.00Uhr auf den Weg zur Schule.

Es ist nicht leicht ein deutsches Kinderheim in Sri Lanka zu führen. Sowohl die skeptischen Mitarbeiter des Jugendamtes als auch immer wieder nachforschende Blicke der Schulbehörden verraten ihr Misstrauen. Kontinuierlich müssen sich die Projektleiter, Frank und Julia, für Anschaffungen, Ausflüge oder andere Vorkommnisse rechtfertigen. Die Ungewissheit Deutschen gegenüber kommt nicht von ungefähr. Besonders nach zahlreichen Spendengeldern des Tsunamiunglücks 2004 wurden viele Institutionen jeglicher Art errichtet. Von Spendengeldern finanziert wurde aus der sozialen Einrichtung bald eine Gewinn bringende Hotel- oder Sportanlage. Diese Umbaumaßnahme verschafft zwar Arbeitsplätze und Umsätze für ein Land, sollte aber nicht von ursprünglichen Spendengeldern bezahlt werden.

Lehrer besuchNichtsdestotrotz waren vier Lehrer sowie der Direktor einer der Schulen unserer Mädchen, nach etlichen Einladungen, letzte Woche im Kinderheim. Für sie war es nicht das erste Kinderheim, das sie in Sri Lanka besucht haben. Aber nach ihrem Staunen zu beurteilen das erste, das ihren Vorstellungen eines Kinderheimes und darüber hinaus entspricht. Das Vertrauen in Frank und Julias Arbeit wurde damit gefestigt und das Ansehen des Angels Home gestärkt. Ziel ist es auch andere offizielle Behörden vollständig von ihrem Projekt zu überzeugen um in Zukunft mehr Entscheidungen als Heimleitung und als Deutsche in Sri Lanka treffen zu dürfen. Bis dahin heißt es weiterhin für alle Vorhaben zu kämpfen und viel Geduld mitbringen.

Piumi bei der NachhilfeAus der Schule kommend werden alle Uniformen sowie Socken und Schuhe ausgiebig gewaschen, bevor das Mittagessen auf den Tisch kommt. Die Erstklässler kommen gegen 12.30Uhr aus der Schule; die älteren erreichen gemeinsam gegen 14Uhr das Angels Home. Das Nachmittagsprogramm besteht in erster Linie aus Hausaufgaben, wobei mehrere Kindermädchen vom Personal die Mädchen unterstützen. In Mathe und Englisch bin auch ich jederzeit bereit zu helfen. Aufgrund der kleinen aber dennoch existierenden Sprachbarriere finde ich es erstaunlich, wie viel Englisch die Mädchen bei meinen Erklärungen verstehen. Aufgrund der Praktikantinnen wachsen sie alle mit der englischen Sprache auf, was ihnen gegenüber anderen singhalesischen Kindern einen Vorteil verschafft. Leider wird das Fach Englisch in der Schule nicht als wichtig angesehen und es wird oft vernachlässigt; nicht zuletzt aufgrund mangelnder Lehrer.

Achini und Asadi genießen ihren TeeUm 16.00 Uhr läutet die Glocke: teatime. Gestärkt geht es weiter zur alltäglichen Gartenarbeit und für manche Kinder in die Englischnachhilfe, die von den Praktikantinnen übernommen wird. Jedes Kind hat einmal in der Woche Nachhilfe, um bestimmte Wortfelder und alltägliche Vokabeln aufzuarbeiten. Aber nicht nur Englisch sondern auch die Kernfächer Mathe und Singhalesisch werden durch externe Nachhilfelehrer unterstützt. Dazu kommen das Erlernen von Nähen sowie das Schulen im Umgang mit dem Computer. Nach einem durchdachten und strikten Tagesablauf findet im Anschluss der Gartenarbeit die lang ersehnte Spielzeit statt.Bowling, Shakina beim Wurf Zwischen Mangobäumen und Palmen wurde ich schnell in Elle eingeweiht; das ist das singhalesische Cricket. Diverse Ballspiele, Seilchenspringen oder einfach nur Relaxen kommen in dieser Stunde auch nicht zu kurz. Leider sind meine Füße ohne Schuhe nicht an diesen Boden gewöhnt, so dass ich mir beim Zusammenprall mit einem Mädchen den Zeh an einem Stein aufgehauen habe. Aufgrund der hohen Luftfeuchtigkeit heilen offene Wunden schlecht. Nach langem Hoffen und Warten habe ich auf Empfehlung der Heimmutter mich doch entschlossen ein Antibiotikum zu nehmen. Mir geht’s immer noch gut und meine Wunde ist verheilt!

Beginnend mit der Waschzeit, dem gemeinsamen Beten sowie dem Abendessen findet der Tag langsam sein Ende. Das ein oder andere Mädchen hat noch eine Frage zu seinen Hausaufgaben, die ich natürlich nicht abstreiten kann. Aber auch danach heißt es für mich Abschalten und ins Bett gehen. Schließlich weiß ich, wann am nächsten Morgen mein Wecker wieder klingelt…

 

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