Kulturelle Entwicklungen prägen ein Land


Fischverkäuferin in MarawilaStraßenverkäufer MarawilaSri Lanka – ein Entwicklungsland, im indischen Ozean gelegen gehört das Land zu dem bevölkerungsreichsten Kontinent Asien. Der Unterschied zu den westlichen Industrieländern besteht darin, dass eine wachsende Bevölkerung zeitgleich eine Entwicklung des Landes bedeutet. Historische Hintergründe, wie Zerstörung statt Aufbau durch langjährige Bürgerkriege, territoriale Begebenheiten, wie das tropische Klima, das Baumaßnahmen enorm beeinträchtigen sowie charakteristisch kulturelle Hintergründe verhindern oftmals infrastrukturelle Veränderungen eines Landes.

Bevor ich auf kulturelle Auffälligkeiten und Besonderheiten aus meinen jetzigen Erfahrungen eingehe, hinterfrage ich den multikulturelle Lebensstil in Deutschland. Ein- und Auswanderungen vieler Nationen geschehen aus unterschiedlichen Gründen. Ethische, religiöse und kulturelle Differenzen sorgen mal mehr, mal weniger für Spannungen. Akzeptanz und Toleranz sollten zur Normalität gehören; aber nicht alle Menschen bringen diese Charaktereigenschaften mit. Auch in Deutschland erlebe ich unterschiedliche Umgangsweisen mit anderen Nationalitäten, die sowohl bei Ausländern als auch bei Einheimischen stark differieren.

Kokosnussernte im Angels HomeIn Sri Lanka bin ich eine Ausländerin, die nicht als Tourist sondern als kurzzeitige Bewohnerin in einem fremden Land mit einer fremden Kultur leben möchte. Ich möchte aber nicht nur leben, ich möchte integriert und akzeptiert werden.

Vor meinem Abflug habe ich mich intensiv mit dem Land und seiner Kultur auseinander gesetzt. Mir war bewusst, dass ich in Sri Lanka eine andere Lebensweise führe: vor Abflug lag meine Kleidungswahl eher auf bedeckten Sachen und das Handwaschmittel wurde ebenfalls eingepackt. Nun lebe ich in Sri Lanka, bemerke wie meine Erwartungen erfüllt oder überrascht werden. Mir fällt es oft schwer mit den Eigenarten einer anderen Kultur umzugehen und brauche einen Moment um sie zu verstehen.

An einem freien Tag bin ich zu einem naheliegenden Strand gefahren. Aufgrund des anliegenden Hotels war es in Ordnung sich mit Bikini zu sonnen. Bei uns Praktikantinnen und den Projektleitern kam schon mehrmals die Diskussion auf, in wie fern die Kinder oder auch die Einheimischen mit westlichen Begebenheiten konfrontiert werden sollten. Das Fischerdorf Marawila, in dem das Angels Home steht, ist nicht vom Tourismus geprägt. Besonders Weiße werden beobachtet, begutachtet, teils bestaunt, teils angestarrt. Als ich mit den Mädchen aus dem Angels Home am Strand war, sind wir an mehreren nur in Bikini bekleideten Weißen vorbei gekommen. Die herablassenden Blicke sprachen für sich. Im Heim und in der Öffentlichkeit tragen wir ausschließlich Kleidung, die Schultern und Knie bedecken.

Zugfahrt nach HikkaduwaFreizügigkeit, Tätowierungen und andere Auffälligkeiten werden besonders bei Frauen in Sri Lanka mit einem negativen Beigeschmack betrachtet. In westlichen Industrieländern sind Werbungen, Plakate, Filme sowie Videos mit jeglicher Unvoreingenommenheit nicht mehr wegzudenken; neutral und ohne einen Gedanken an Minderwertigkeit nehmen wir die Bilder in unserem Unterbewusstsein wahr. In Sri Lanka gibt es ebenfalls Werbeplakate oder Hollywoodfilme, die auch die Mädchen im Heim sehen; missbilligendes Kopfschütteln sowie langes Schweigen verrät ihre persönlich negative Abneigung dem gegenüber.

Strand HikkaduwaSri Lanka – nicht nur ein Entwicklungsland, das sich teils immer noch von den schweren Folgen des Tsunamis 2004 erholen muss. Genauso wie andere Länder im indischen Ozean leben auch auf dieser Insel viele Menschen vom Tourismus. Am Wochenende startete ich einen Trip in den Südwesten, in die kleine von Surfern geprägte Stadt Hikkaduwa. Aufgrund der aktuellen Nebensaison im Westen des Landes sind mir nur wenig Touristen begegnet. Trotzdem war der gefühlsmäßige Unterschied zwischen Marawila und Hikkaduwa enorm.Strand Hikkaduwa Meine Hautfarbe, meine Kleidung, meine Sprache bedeutete den Bewohnern nicht viel; Freundlichkeit und das Bemühen meinen „Urlaub“ so angenehm wie möglich zu gestalten, waren Auffälligkeiten, die mich positiv berührt haben. Ich möchte nicht von einer anderen Kultur sprechen, die mir am Strand von Hikkaduwa begegnet ist, trotzdem konnte ich Anpassungen an die westliche Kultur erkennen. Nach dem Trip fragte ich mich, ob dass das Ziel des Reisens sei. Möchte ich in einem anderen Land, mit einer anderen Kultur so leben wie in Deutschland? Oder möchte ich mich der fremden Kultur anpassen? Heißt Anpassen gleichzeitig Abschirmen und Unterordnen meines eigenen Lebensstils? Oder heißt Anpassen Akzeptieren und sein Verhalten versuchen der fremden Kultur anzunähern?

In vielen Momenten denke ich darüber nach, was der Sri Lanka Aufenthalt alles für mich bedeutet. Egal in welchem Land ich zukünftig reisen werde, weiß ich, dass ich mich vorher für den kulturellen Hintergrund interessiere und nach Normen recherchiere, die ich meinem Verhalten anpasse. Natürlich möchte ich nicht auf meinen Bikini am Strand verzichten, jedoch weiß ich, dass ich im Bikini auf der Straße von Marawila auch keinen Fisch kaufen werde…

 

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