Der Weg ist das Ziel


Gläubiger mit Lotusblüten am Sir Maha BodhiVergangene Woche hatte ich meinen Bruder in der Früh am Bandaranaike Flughafen abgeholt. Nach 30-minütiger Beratung über der vor uns ausgebreiteten Karte Sri Lankas hinsichtlich der Reiseroute ging unser 9-tägiger Trip über die Insel los. Mit dem landestypischen Tuk Tuk ging es zum nächsten Zugbahnhof, der an der Strecke von Colombo nach Anuradhapura, der uralten und zwischenzeitlich vergessenen Königsstadt,  liegt. Am Bahnhof angekommen wurde uns von einem anderen Reisenenden ein Frohes Neues Jahr gewünscht, da am Tag zuvor das buddhistische Neujahrfest gefeiert wurde. Selbiger begleitete uns zum Ticketschalter, wo wir für € 1,50 die Tickets für die ca. 5-stündiger Zugfahrt erstanden. Wir hatten Glück und es fuhr gerade ein Zug in unsere Richtung ein. Von unserem neuen „Bekannten“ wurden wir auch noch direkt an den Zug begleitet. Ich war skeptisch was er jetzt noch von uns will. Ohne Hintergedanken so freundlich zu sein, erschien mir zunächst fragwürdig, vor allem nach anderen Erfahrungen die hier bereits gemacht wurden. Aber es kam nichts mehr. Als Weißer (die ersten 2 ½ Tage haben wir auch keinen einzigen anderen Weißen gesehen) fällst du hier einfach auf wie ein bunter Hund und ziehst sofort die Aufmerksamkeit auf dich. Wie sich über die 9-Tage für uns zeigen sollte, aber meistens im Positiven. Auf der Zugfahrt habe ich meinen Bruder mit Rottis, so eine Art gefüllter Pfannenkuchen bekannt gemacht, die neben Limonen, Erdnüssen, Joghurt, Ananas und anderem aus Körben verkauft wurden. Der war ziemlich von den Socken, dass ich die Rottis ohne mit der Wimper zu zucken oder auch nur ein Wort über ihre Schärfe zu verlieren verputzt habe. Naja, ich bin schließlich schon einige Wochen hier und scheine mich an das scharfe Essen gewöhnt zu haben. Nachdem wir den Halt für Anuradhapura nicht gleich als solchen erkannt hatten, musste ich aus dem fahrenden Zug springen, um nicht ungewollt weiter durchs Land zu fahren. Nach der Gepäckablage haben wir uns sofort zum über 2000 Jahre alten Sir Maha Bodhi, dem heiligen Bodhibaum aufgemacht. Der Baum ist ein Ableger des originalen Bodhibaums unter dem Siddhartha Gautama „erwachte“ und so zum Buddha wurde. Ich kam mir zunächst fehl am Platz vor, denn neben uns hatten einige Gläubiger den Ort zum Gebet und zur Opfergabe wunderschöner und wohlduftender Lotusblüten aufgesucht. Als ein Mönch uns zu sich winkte und ein weißes Band um das Handgelenk knotet, kam ich mir an diesem ehrfürchtigen Ort nicht mehr ganz so fremd vor. Am nächsten Tag haben wir uns beim Besuch einer Dagoba (Teil eines ehemaligen Klosters) die Fußsohlen verbrannt, die alte Ruinenstadt im Wald mit Fahrrädern erkundet, zusammen mit einem Hund zwei Stunden in einem Blechunterschlupf den Starkregen abgewartet und sind schließlich mit dem Tuk Tuk gut zwei Stunden über Schotterpisten und der Schlaglöcher übersäten „Autobahn“ nach Dambulla gerumpelt.

Von dort sind wir über Kräuter- und Gewürzgärten weiter nach Matale. Selbstverständlich habe ich mir vom Kräuterdoktor die Wirksamkeiten aller möglichen Pflanzen erklären lassen. Ich fand das ziemlich abgefahren und habe entsprechend einige Produkte gekauft. Ich bin gespannt, ob die in Zellophan verpackten, unbeschrifteten Fläschchen halten was versprochen wurde... Obwohl uns unser Tuk Tuk-Fahrer auch mal ans Steuer ließ, sind wir heil in Matale, der Gewürzstadt, angekommen. Von dort ging es mit dem Zug erst nach Kandy und dann die Reise noch weiter ins Hochland, nach Nuwara Eliya, der höchst gelegensten Stadt der Insel. Zugfahrt mit singhalesischer FamilieDie Zugfahrt dorthin war wieder ein Erlebnis. Das Landschaftsbild und die Vegetation veränderten sich zunehmend, bis sich schließlich links und rechts der Gleise nur noch Teefelder über die bergige Landschaft erstreckten. Zwischendrin mussten wir bei manchen Steigungen anhalten, da die Räder des Zuges aufgrund des Regens durchdrehten und wir nicht weiterkamen. Die Gelegenheit wurde genutzt den Zug durch die ohnehin nicht vorhandenen Türen zu verlassen, um sich die Beine zu vertreten und Regenwasser zum Trinken zu sammeln. Da wir auf dieser Reise keine Sitzplatz ergattern konnten, hatte sich gleich zu Beginn, eine singhalesische Familie darum gekümmert, dass ich meinen Rucksack nicht halten musste. Später wurde ein Platz für mich  frei gemacht. Dann hat sich die Familie aus dem anderen Abteil um mich gekümmert und mich mit Selbstgebackenem versorgt oder mir Nüsse und Mangos gekauft. Ihre Kinder habe ich zum Dank auf meinem Schoß herumtollen lassen.

Im regnerischen Nuwara Eliya angekommen, haben wir auf dem Spuren der englischen Kolonialherren in einem alten Jagdhaus zu Abend gegessen. Fortgesetzt hat sich die Reise auf den Spuren des britischen Erbe (Tee wurde erst durch die Briten auf der Insel eingeführt)  als wir früh am Morgen eine Teeplantage besuchten und uns über die Teeproduktion aufklären ließen. Anschließend ging es ab in den Süden. Nach 240 km und 11 Stunden Fahrt (!! – gut 1.5 Stunden gingen für Mittagessen und Besuch weitere Sehenswürdigkeiten entlang der Strecke drauf...) sind wir im Paradies östlich von Matara angekommen. Da haben wir das Ziel für knapp drei Tage auch einfach mal Ziel sein lassen und uns dort in einer traumhaften Bucht entspannt. Fischer im Süden präsentiert seine BeuteÜber die Westküste führte uns die Reise als letztes nach Colombo, wo wir uns auf dem Markt von Pettah mit verschiedenen Gewürzen eindeckten, nachdem uns der Händler geduldig alle in gebrochenem englisch erklärt hatte. Ein anschließender Besuch des Stadtteil Cinnamon Gardens, ließ ein ganz anderes Bild auf die Stadt werfen. Wo sich vor 100 Jahren noch Zimtplantagen befanden, finden sich jetzt schicke Herrenhäuser. Im Cafe, das genauso gut in einer europäischen Metropole hätte stehen können, schlürften westlich gekleidete Singhalesen ihren Latte Macchiato.

Festzustellen bleibt, dass Sri Lanka eine unglaublich abwechslungsreiche Insel ist von deren Schönheit auch ihre Einwohner überzeugt sind (unablässig fragen sie „Sir Lanka  nice?“ – „Yes, very nice!“) – Hochland neben Urwald, steppenähnliche Landschaft neben tropischen Stränden. Und die Reise, sie wird mit ihren Begegnungen, Begebenheiten und Bildern unvergesslich bleiben.

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