Ferien!


Harisha mit Kopfbedeckung in der KircheAm Karfreitag begannen auch für die letzten Mädchen des Angels Home die Ferien. Für einige mehrfacher Grund zur Freude. Nicht nur eine Pause vom lästigen Schulbesuch, sondern einige sollten das Heim verlassen, um die freien Tage bei Ihren Angehörigen zu verbringen. Am Karfreitag waren wir allerdings alle noch beisammen. Die buddhistischen Mädchen sind gleich morgens in den Tempel. Nachmittags bin ich mit den Katholiken in die Kirche marschiert. Der Gottesdienst fand zunächst im Freien statt und gestaltete sich als eine Art Mini-Prozession, wobei wir an Ort und Stelle blieben und nur die Ministranten ein riesiges Holzkreuz um die Kirche trugen. Auffällig war noch, dass alle in vornehmlich weiß, die Männer auch viel in schwarz, gekleidet waren. Viele Frauen hatten sich Kopftücher aus Spitze (oder so etwas ähnlichem) ums Haupt gelegt. Sonst gab es außer mir – als Weiße – keine nennenswerten Auffälligkeiten. Zur Halbzeit wurde die Open-Air-Veranstaltung beendet und ins Kircheninnere verlegt. Spätestens dann begann ich mich zu langweilen. Denn der Gottesdienst hatte bereits 1 ½ Stunden angedauert und auch in den zweiten 1 ½ Stunden verstand ich außer vielen „Jesus“ und einigen „Amen“ nicht viel. Nach dem Gottesdienst, versammelten wir uns vor der Kirche und liefen in der Dämmerung am Meer entlang zurück zum Heim. Dort traute ich meinen Augen kaum, als sich die Mädchen direkt nach der Ankunft im Heim wieder zum Beten niederließen. Waren sie nicht bereits den ganzen Nachmittag damit beschäftigt? Mir war schon gleich von Beginn meines Aufenthalts in Sri Lanka aufgefallen, dass Religion hier einen anderen Platz im Leben der Menschen einnimmt als bei uns. Ich saß hier schon in Tuk Tuks, die dermaßen mit Heiligenbildern und religiösen Schnickschnack ausgestattet waren, dass der Fahrer kaum noch durch die Scheibe gucken konnte. Die Mädchen des Heims begeistern sich ebenfalls für jede Veranstaltung ihrer und auch der anderen Glaubensrichtung. Ich vermute, dass religiös initiierte Feste und Messen am Ende des Tages einfach gesellschaftliche Ereignisse darstellen, die die Möglichkeit des Austauschs bieten und sich auch deshalb so großer Beliebtheit bei den Mädchen erfreuen.

OstereierbemalenAm Ostersonntag hatten wir im Heim dann auch ein kleines Ereignis: Ostereierbemalen! Anfänglich hatte es uHöchste Konzentration bei Asitha!ns noch Probleme bereitet, die 50 Eier auszublasen. Aber irgendwann hatten wir den Dreh raus und dann ging es ziemlich fix, vor allem auch wegen der Unterstützung einiger Mädchen. Als wir sie am Nachmittag bemalen wollten, mussten wir enttäuscht feststellen, dass mindestens ein Drittel der Eier, die wir zum Trocknen in die Sonne gestellt hatten von Vögeln zerhackt waren. Lisa hat sich erbarmt und noch ein paar weitere Eier ausgeblasen, damit auch wirklich jedes Kind eines bemalen konnte. Nachdem sich die Mädchen über uns beim Eierausblasen amüsiert hatten, waren sie nun selbst an der Reihe.Einige haben sich an den Eiern geradezu verkünstelt, die meisten waren jedoch einfach zu ungeduldig, die Farbe trocknen zu lassen, bevor sie die nächste Farbe auftrugen. Julia, Lisa und ich freuten uns als für uns schließlich auch noch je ein Ei übrig blieb. Da fühlte man sich direkt an die eigenen Kindertage zurückerinnert. Nach einem weiteren Trockendurchgang wurden die Eier auf Fäden aufgereiht und dekorieren nun das Treppenhaus des Angels Home. Gelegentlich halten mich die Mädchen auf und weisen mich stolz auf „ihr“ Ei hin.Das Endprodukt

Nachdem die Mädchen, wie gesagt, gerade Ferien haben und somit mehr Zeit für Ausflüge und sonstige Aktionen bleibt und man schließlich den im Heim Gebliebenen mehr Aufmerksamkeit schenken möchte, sind wir am Mittwoch ins Kino in den Nachbarort gefahren. Um wenigstens den Hauch einer Ahnung zu haben, was da nun gezeigt werden würde, haben wir Praktikantinnen uns die Handlung vorab kurz erklären lassen.„Bild 5: Warten vor dem Kino“ Gerade als ich in den Kinosaal eintreten wollte, klingelte mein Telephon und ein Freund aus London informierte mich über das Seebeben, das sich eben vor Sumatra ereignet hatte. Die Rede war von einer Stärke von 9,0. Puh, dachte ich, das ist ganz schön heftig. So wie damals, 2004. War aber dennoch entspannt. Ich war tatsächlich so entspannt, dass ich im Kino erst mal eingedöst bin. Irgendwann hatte das Personal aus dem Heim dann panisch angerufen, Anrufe aus Deutschland häuften sich und auf dem Handy gab es die Benachrichtigung einer Tsunami Warnung. So langsam wurde ich doch etwas unruhiger. Nachdem wir uns damit trösten konnten, an der Westküste zu sein, haben wir uns diesen grauenhaften Film weiter reingezogen. War irgendwie eine absurde Situation. Nach dem Film haben wir uns noch mal mit Deutschland kurzgeschlossen. Entwarnung gab es zwar noch nicht, aber keine weitere Bestärkung von Tsunamiwellen. Julia und die anderen Praktikantinnen waren dann wieder ziemlich entspannt. Ich war immer noch angespannt. Nun galt es aber zunächst die Busfahrt zurück nach Marawila zu überstehen. Der Bus hielt. Rappelvoll. Aber kein Problem, wir 26 Mann bzw. Frau wurden bedenkenlos heran gewunken. Quetsch, quetsch, quetsch und alle waren drinnen. Nach kurzer Fahrt, Ausstieg und ab Richtung Heim, Richtung Meer. Auf dem Weg kommen uns etliche Menschen entgegen, die ihre Häuser an der Beach Road verlassen haben, um ein paar Schritte ins Landesinnere zu gehen. Nicht panisch, aber sie gingen. Unsere Mädels haben rumgealbert, wahrscheinlich um ihre Sorge zu überspielen. Ich habe mich schließlich selbst an den Computer gesetzt und die letzten Berichte im Netz gelesen. Daraufhin hatte sich meine Unruhe dann auch wieder gelegt. Die Panikwelle sollte größer bleiben als die Meereswelle. Irgendwie konnte ich das aber auch verstehen. Sri Lanka und die anderen Länder rund um den Indischen Ozean sind schließlich gebrandmarkt. Nachdem ich, wie gesagt, auch wieder runter gekommen war, sind wir Mädels planmäßig in unsere „Stammkneipe“ um auf Lindas Ankunft und den Nicht-Tsunami anzustoßen.

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