Meine erste „Perahera“


Unsere Mädchen in blauen SarisLetzte Woche fand in Marawila eine „Perahera“, ein buddhistisches Festival, statt. Der Buddhismus ist die in Sri Lanka meist verbreitete Religion bzw. Lebensanschauung. Bei dieser „Perahera“ handelte es sich um die „Devale Perahera“, die jedes Jahr um diese Zeit stattfindet. Sie wurde vom lokalen Tempel in Marawila organisiert, der nahe dem Angels Home gelegen ist. Nachdem zwei der Mädchen in traditioneller Kleidung, also Saris, an dem Umzug teilnahmen, war es Anlass genug für alle älteren Mädchen des Heims, sich Ihnen anzuschließen und den Umzug durch die Strassen Marawilas zu begleiten. Ich habe mir die Gelegenheit auch nicht entgehen lassen diesem Fest beizuwohnen und bin ebenfalls mitgekommnen. Treffpunkt war zunächst an der Schule. An der Schule angekommen, fiel mir direkt auf, dass der Schulhof mit Stacheldraht eingezäunt war – an einer ausgebeutelten Stelle musste ich nämlich durchsteigen, um auf das Gelände zu kommen. Ein merkwürdiger Anblick. Jedenfalls sind wir dort auf die Klassenkameradinnen gestoßen, die bereits hektisch damit beschäftigt waren, sich zu schminken, ihre blau-weißen Gewänder geradezurücken und die letzte Blüte im Haar zu befestigen. Die „Kostümierten“ wurden mit dem Bus abgeholt und an den Startpunkt des Umzugs gefahren.

Wir Übrigen liefen dorthin. Als wir nach relativ kurzem Spaziergang am Startpunkt ankamen, war ich schweißgebadet. Im Schatten eines ziemlich auffälligen Baumes der schon uralt sein musste und durch viele Luftwurzeln beeindruckte, haben wir zwar Schatten gefunden, ich aber keine Abkühlung. Naja, dachte ich für mich, der Umzug geht gleich los und die Sonne geht auch bald unter... Falsch gedacht; die Sonne ging natürlich irgendwann unter, aber der Umzug nicht los. Dass wir uns die Beine in den Bauch standen war schon in Ordnung, vor allem, da ich immer wieder durch neu anrückende „kostümierte“ Kinder abgelenkt wurde. Hauptsächlich wurde weiß getragen, das durch viel Plastik und viel Kitsch unterstrichen wurde. Eine Gruppe beim Perahera Umzug in Marawila Was mich aber zunehmend irritierte, war dass wir doch um halb sechs bereits am Tempel, dem Zielpunkt des Umzugs, hätten ankommen sollen um von der Matron des Angels  Homes in Empfang genommen werden zu können. Es ging mittlerweile aber schon stramm auf sechs zu... Wenigstens waren die Mädchen entspannt. Die Tatsache, dass der Zug einfach nicht starten wollte und dass wir zu spät zum Treffpunkt am Tempel gelangen würden hat sie nicht interessiert. Ihr Interesse galt nur den Jungs. Na prima, mit sieben pubertierenden Mädels unterwegs und ich keinen Plan... Nachdem mir meine Sorge wohl anzusehen war beruhigte mich die Älteste, dass Matron das schon wisse, dass wir später kommen, das sei immer so. Aha. Dass sie damit bei mir als Deutsche, geübt in Organisation und Verlässlichkeit, auf Unverständnis stieß, konnte sie nicht ahnen. Nun gut, irgendwann setzte sich der Umzug zu meiner Erleichterung endlich in Bewegung. Die Kinder fingen an sich zu einer aus dem Lautsprecher eines mitfahrenden Transporters ertönenden Musik zu bewegen. Manche Gruppen hatten auch ihre eigenen Trommeln oder Rasseln dabei. Bis zum Schluss, war mir nicht klar, ob sie zu der aus dem Lautsprecher schallenden Musik trommelten oder jeder sein eigenes „Lied“ spielte. Für mich war es so oder so sehr unterhaltsam, die einstudierten Schrittfolgen zu beobachten. Auch die Menschen, die mittlerweile die Strasse säumten schienen Gefallen an der Parade zu finden.

Kaum im Tempel angekommen, begegneten wir Matron mit einer Horde jüngerer Mädchen aus dem Angels Home. Von im Tempel ausgegebenen Saft und Keksen gestärkt, wurden wir von Trommlern ins Innere der Tempelanlage gelockt, um uns zum gemeinsamen Gebet unter dem Bodhi-Baum niederzulassen. Trommler im buddhistischen Tempel Gemäß der buddhistischen Überlieferung erlebte Siddharta Gautama unter einem Bodhi-Baum sitzend das „Erwachen“ und wurde damit zum Buddha. Deshalb ist diese Art von Baum in buddhistischen Tempelanlagen zu finden. Während hinter ihm ein paar Kerzen brannten, begann der Priester mit dem Gebet. Ich empfand die Stimmung als unheimlich angenehm und meditativ. Nach dem Gebet zogen wir weiter in einen anderen Teil des Tempels. Dort wurde begleitet von Trommlern ein spiritueller Tanz von zwei Männern aufgeführt. Die Feierlichkeiten dauerten wohl noch bis tief in die Nacht. Doch zur Enttäuschung der Mädchen, wohnten wir diesen nicht mehr bis zum Ende bei. Matron hatte irgendwann genug und so begaben wir uns unter klarem Sternenhimmel auf den kurzen Weg zurück ins Heim. Dass uns ein Haufen Jungs auf ihren Fahrrädern zum Heim eskortierten war für die Mädels wohl nur ein schwacher Trost. Die Tatsache, dass im Frühjahr noch so das ein oder andere Fest ansteht, dürfte sie allerdings wieder positiver stimmen.

Auch wenn ich mich über die Literatur in meinem Reiseführer hinaus noch wenig mit dem Buddhismus beschäftigt habe und mir natürlich auch nach dieser „Perahera“ seine größeren und kleineren Zusammenhänge verschlossen blieben, so hat es auf jeden Fall dazu beigetragen, mich neugierig auf diesen Lebensweg zu machen.