Ein Tropfen auf den heißen Stein.


Anne beim Bericht schreibenIch sitze grade auf der Terrasse des Heims und versuche meinen dritten Bericht zu schreiben, ein Tropfen auf den heißen Stein. Das heißt ich denke darüber nach was ich schreiben könnte. Eigentlich ist einiges passiert in der letzten Woche, immerhin haben wir einen Wochenendausflug nach Negombo gemacht. Aber nichts davon erscheint mir als schreibwürdig...

Außer ein Thema. Es beschäftigt mich aber seit ein paar Tagen.

Als wir unseren Trip nach Negombo beendet haben und mit dem Tuk Tuk von der Bushaltestelle zurück ins Angels Home fahren wollten, haben wir einen toten Mann am Straßenrand liegen sehen.

Zuerst wollte keiner von uns dreien so richtig glauben, dass er nicht mehr lebt. Viellicht wussten wir das, wollten es aber nicht wahr haben.

Das schlimmste ist eigentlich, dass vor dem dort liegenden Mann die fünf Tuk-Tuk- Fahrer in ihren Gefährten saßen, als wäre nichts. Ich glaube das war auch der wesentliche Auslöser warum mich diese Situation so sehr nachdenklich gemacht hat.

Es ist in Sri Lanka so, dass wenn ein Mensch auf offener Straße stirbt, jemand die Polizei verständigen muss, um ihn abholen zu lassen. Das kostet sehr viel Geld und deshalb ruft selten jemand die Polizei.

Aber hätte man nicht wenigstens ein Tuch über den Mann legen können? Ich meine ist das nicht menschenunwürdig, sich einfach ignorant in sein Tuk-Tuk zu setzen als wäre nichts?

Die Kinder beim betenIch finde es ist respektlos und inhuman. Ich bin auch verwundert über diese Gleichgültigkeit, denn immerhin sind die Singhalesen hier sehr religiös. In Marawila gibt es sehr viele Katholiken und Buddhisten. Auch unsere Mädchen sind stark gläubig.

Auf der anderen Seite muss ich mich diesbezüglich aber auch fragen, ob die Menschen hier nicht schon abgestumpft gegenüber solchen Zuständen sind.

Dabei fällt mir eine Situation ein, die wir dieses Wochenende in Negombo erlebt haben. Lisa, Kerrin und ich sind vom Strand gekommen, wo wir uns übrigens alle drei einen starken Sonnenbrand eingefangen haben.

Am Strand von NegomboAuf dem Weg zurück in unser Gasthaus, haben wir vier kleine Babykatzen in einer Seitengasse liegen sehen. Wir hatten natürlich sofort Mitleid und hätten die Tiere am liebsten sofort mitgenommen. Wir haben ihnen einen weichen Untergrund gesucht, ihnen etwas Wasser und unsere letzten Kekse gegeben, die sie wahrscheinlich eh nicht gegessen haben.

Die ausgesetzten KatzenbabysIn diesem Moment sind ein paar einheimische Jungen und Mädchen etwa in unserem Alter vorbeigekommen. Sie sahen uns dort knien und haben uns ausgelacht. Wahrscheinlich deshalb, weil die Einwohner es hier gar nicht anders kennen. Vielleicht denken sie über solche Situationen nicht mehr nach oder nehmen sie nicht mehr wahr. Ich weiß es nicht.

Man könnte denken es ist sinnlos zu helfen Man kann eh nicht jedem helfen. Es ist letztendlich nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Aber was ist, wenn alle so denken würden?

Vielleicht wäre ich dann gar nicht hier, wenn ich das auch denken würde.

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