Man lernt nie aus, man lernt nur dazu!


Mädchen beim FrühsportUnsere dritte Woche sollte sich sehr abwechslungsreich und bunt gestalten, was wir jedoch am Wochenanfang noch nicht wussten. Insofern begann unsere Woche mit einem Schichtwechsel. Das heißt, ich war diese Woche mit dem Frühaufstehen an der Reihe und übernahm somit die morgendlichen Aufgaben. Für mich als Langschläfer war es erst einmal sehr ungewohnt um 5 Uhr morgens aufzustehen. Ich hatte dann zunächst einmal die Aufgabe die Mädels zu wecken. Glücklich darüber war ich, dass ich sie wecken konnte und nicht, sie mich. Um dann in Form für den Tag zu kommen, begannen sie mit Frühsport und einer Tasse Milch. Ich finde es erstaunlich, wie schnell die Mädels fit sind und dabei auch noch ein Lächeln auf dem Gesicht haben. Davon sollte ich mir an manchen Tagen echt eine Scheibe abschneiden, denn ich kann wirklich nicht abstreiten, dass ich ein Morgenmuffel bin. Wenn dann alle Mädels ihre Schuluniformen anhaben und ihre Haare bis auf die letzten Strähnen geflochten sind, geht’s los in die Schule. Die meisten Kinder im Heim besuchen die katholische Schule. Hier trägt man wie schon erwähnt die Schuluniform. Die Mädels tragen weiße Blusenkleider und dazu rote Krawatten mit dem Wappen der Schule.

Warten auf die anderen bevor es zur Schule gehtFrühaufstehen hin oder her. Am Ende war es nur halb so schlimm und ich hatte zwischendurch auch Momente in denen ich dachte, öfter mal früh aufzustehen, wenn ich zurück in Deutschland bin. Ich bin gespannt, ob ich mein Vorhaben auch umsetzen werde und somit mehr vom Tag habe.

Am Dienstag bekamen wir Besuch von den Pateneltern von Sashini. Die 2 waren dann Dienstag und Mittwoch mit Heim und haben uns auch viel über Land und Leute erzählt. Für mich ist es immer wieder interessant, wenn Leute, die schon oft vor Ort waren, von ihren Erlebnissen, Eindrücken und Erfahrungen erzählen. Im Endeffekt können wir viel daraus mitnehmen und auch davon profitieren, wenn wir selbst umherreisen.

Eine kleine Reise unternahmen wir dann auch am Mittwoch. Halb 7 Uhr morgens begaben wir uns auf den Weg nach Colombo, um unser Visa zu verlängern. Wir fuhren in einem total überfüllten Bus, der noch dazu von lauter Musik beschallt wurde. Wer vorher nicht wach war, war es jetzt! In Sri Lanka Bus zu fahren, ist ein Erlebnis für sich. In diesem Moment dachte ich mir, dass es interessant wäre, wenn man die Gedanken der Leute lesen könnte.  Man wird angestarrt und es wird getuschelt. Jedoch sind die Singhalesen immer freundlich gewesen und haben uns sobald es irgendwie möglich war, Plätze zum Setzen angeboten. Ich persönlich hatte viel Spaß und es gab eine Menge zu lachen.

Stadtrand von ColomboDas Lachen verging mir jedoch etwas, als wir in Colombo einfuhren. Ich habe schon so einiges gesehen, da ich schon oft und viel gereist bin, jedoch kann ich von Überzeugung behaupten, dass Colombo einer der dreckigsten Städte ist, die ich je gesehen habe. Allein die Geruchskulisse lässt so Manchem die Blässe ins Gesicht steigen. Ich würde behaupten, dass mein Kulturschock just in diesem Moment eingetreten war. Dabei wollten wir doch nur „schnell“ unser Visa verlängern lassen. Das Wort „schnell“ sollte man hier jedoch mit Vorsicht genießen, denn aus dem Schnell, können langsam  vergehende Stunden werden. Man muss überall Geduld und vor allem eine hohe Toleranzgrenze mitbringen. An dieser Stelle wurde mir dann wieder bewusst, was Julia und Frank oftmals „auszuhalten“ haben und dulden müssen, wenn sie behördentechnisch tätig sind. Die Frustrationsbarriere muss sehr hoch sein, damit man das auf Dauer durchhält. Respekt an euch!

Alles in allem haben wir dann 4 Stunden damit zugebracht um einen Stempel in unseren Pass zu bekommen. Jetzt könnte man denken, „gut geschafft!“, aber nein eine kleine Stresssituation entwickelte sich dann doch noch, nachdem wir aus der Behörde herauskamen. 6 Tuk Tuk Fahrer strömten hektisch auf und zu und wollten unbedingt die drei weißen Frauen fahren. Es ist hier wie schon erwähnt keine Seltenheit, dass man als weiße Frau überall auffällt und vor allem von Männern angeredet wird. Teilweise können hier sogar kleine Mutproben innerhalb des Freundeskreises entstehen. Nach dem Motto: „ Wer sie jetzt zuerst anspricht hat gewonnen!“

Zurück nach Colombo. Da standen wir also. Überfordert mit der Situation, welcher Tuk Tuk Fahrer uns nun zum Bahnhof begleiten dürfe. Nachdem wir „eine Wahl“ getroffen hatten begann erst einmal ein kleiner Smalltalk auf dem Weg zum Tuk Tuk. Das übliche, „Where are you from, „What´s your name?“ usw. Wenn darauf immer freundlich und mit einem Lächeln geantwortet wird, wird weiter gegangen. Im nächsten Schritt kommen sie auf die Familie und den Freund zu sprechen um dann überzugehen, ob man verheiratet sei. Anne und ich haben einen Weg gefunden um von uns abzulenken. Die Verlobungsringe unserer Mütter. Sie sind sehr hilfreich, denn sobald wir diese vorzeigen und sagen, dass wir verheiratet seien, wenden sie sich ab und machen einfach nur noch ihren Job (im Falle eines Tuk Tuk Fahrers) oder laufen weiter. Im Falle des Tuk Tuk Fahrers in Colombo war dies teilweise so. Man konnte ihm die Enttäuschung im Gesicht ansehen. Er versuchte immer wieder zu überzeugen und ließ nicht wirklich locker. Als er dann sogar mit seinen Kollegen minutenlang diskutierte und nicht losfahren wollte, überkam mich ein sehr ungutes Gefühl. Anne und Lisa versuchten mich zu beruhigen. Einerlei war mir diese Situation jedoch nicht. Es gibt oft Momente in denen ich mir wünsche einfach einmal allein zu sein, dies war jedoch ein Moment, in dem ich dankbar war, dass die beiden Mädels bei mir waren.

Am Wochenende unserer dritten Woche waren wir Mädels ebenfalls vereint und  haben uns spontan auf den Weg nach Negombo begeben, um hier ein paar Tage am Strand zu verbringen und einfach mal abzuschalten. Es war ein sehr schöner Trip, der aber auch so einige Up´s and Down´s mit sich brachte. Ich sage nur so viel wie Flöhe im Bett, Kakerlaken im Schrank und schlimme Sonnenbrände, jedoch sehr gutes Essen und ein super Strand zum Ausgleich.

Des Weiteren haben wir an diesem Ort auch einmal das Touristentreiben verfolgen können. Es herrschte ein ganz anderes Flair. Die Leute zeigten sich freizügiger, es war kein Problem, dass wir 3 Mädels allein ins Restaurant gingen ohne männliche Begleitung und wir konnten einfach einmal abschalten und ohne Verpflichtungen sein. Einerseits haben wir Mädels es schon genossen, aber andererseits waren wir oftmals schockiert, wie sich die Touristen teilweise gegenüber den Einheimischen benehmen. Völlig respektlos deren Kultur und Normen gegenüber.

Ich habe aus dieser Woche wieder einiges für mich persönlich mitnehmen und lernen können. Man sollte nicht zu skeptisch und pessimistisch gegenüber bestimmten Dingen sein und man sollte sich immer wieder vor Augen führen, dass man in einem fremden Land ist, in dem andere Regeln und Werte gelten, die es zu respektieren gilt. Und das frühe Aufstehen nicht zu vergessen. Manchmal lohnt es sich!

Eure Kerrin