Momente der „Ruhe“?!


Marawila CityRuhe, ein Wort das ich gerade nur schreibe, jedoch nicht ausleben kann. Seit 3 Wochen gibt es keine Ruhe mehr in mir und auch nicht außerhalb von mir. Am 11.02.2012 sollte es nun endlich losgehen. Unser Praktikum. Eine Woche vorher fing das Gefühl des Unruhig seins jedoch schon an. In mir war nun keine Ruhe mehr vorhanden, sondern Fragen die es galt endlich beantwortet zu bekommen und Sachen die es verlangten erledigt zu werden und das noch vor der Abreise.

Nun sitze ich hier und habe ein paar Minuten  Ruhe. Diese sind jedoch die wenigsten Momente, denn schon morgens wird man durch das „Geplapper“ der Mädels geweckt und genau in diesem Moment weiß man, nun ist es vorbei mit der Ruhe und der Tag kann beginnen. Unser Tag hat einen bestimmten Ablauf. Zusammen mit meinen Mitpraktikantinnen haben wir einen Schichtplan entworfen, den es täglich gilt einzuhalten. Jeder hat seine Aufgaben und jeder weiß was er zu tun hat. Wöchentlich wird dann gewechselt, sodass jeder von uns einmal früh arbeiten muss und somit früher Feierabend hat und die anderen später anfangen und dann bis abends arbeiten. Für uns ist dieser Plan eine gute Orientierung und auch für Julia, die die Koordination der Praktikantinnen in der Hand hat, ist es sehr hilfreich. Zusätzlich zu unserem Schichtplan hat jeder von uns 5 Gruppen zugeteilt bekommen, in denen wir dann jeweils Englisch unterrichten. Diese Stunden werden sehr gut von den Mädels angenommen und mir macht es auch viel Spaß zu unterrichten und dadurch auch mein Englisch wieder aufzufrischen.

„Time Table der Mädels“Im Heim selbst hat man wirklich nur in der Nacht Ruhe. Die Mädels haben einen straffen Tagesplan.

Ich bewundere die Mädels dafür, wie gut sie damit umgehen. Das ist eben auch der Unterschied zu Deutschland. Die Mädels haben am Tag eine Stunde zum Spielen. Das Spielen besteht dann aber nicht aus Wii oder X-Box spielen, sondern es werden zahlreiche Ball, Fang- und Brettspiele draußen an der frischen Luft gespielt oder sie gehen einfach an den Strand um sich auszutoben. Es sind wirklich nur Ausnahmen, wenn die Mädels sich mal vor den Fernseher setzen. Ich finde es jeden Tag wieder erstaunlich, wie viel man mit wirklich wenig Mitteln machen kann. Abends gehen die Mädels dann in ihre Zimmer, jedoch nicht ein Zimmer für jedes Mädchen, sondern ein Zimmer für ungefähr 15 – 20 Mädels.

Die Kinder haben hier keine Ruhe, sie sind nie allein und teilen alles zusammen mit den anderen Kindern. Uns als Praktikantinnen geht es da ganz ähnlich. Wir wohnen mit im Heim. Das heißt wir sind tagsüber immer von den Mädels umgeben und abends wenn wir dann frei haben, haben wir zwar unser eigenes Bad und Küche, jedoch müssen wir diese und auch unsere Zimmer je nach Praktikantenanzahl ebenfalls teilen und das heißt Privatsphäre gleich null. Natürlich könnte man jetzt sagen, „Na dann geht doch einfach mal abends raus und chillt euch irgendwo hin!“. Wenn man jedoch selber nicht hier ist/war, weiß man auch nichts von den Zuständen in einer ländlichen Gegend und wie gefährlich es sein kann hier Nachts allein draußen rumzulaufen. Solche Dinge und Erfahrungen bekommen wir dann beim Essen mit Julia und Frank erklärt. Diese Gespräche bringen mich dann oft zum Nachdenken und auch wieder auf dem Boden der Tatsachen zurück.

Wir waren schon oft in der Stadt, auf den Märkten und auch am Strand und Restaurants, jedoch waren wir nie allein und hatten somit auch bisher nie mal unsere ganz persönliche Ruhe. Für mich ist dieser Zustand ein sehr ungewöhnlicher und manchmal auch echt schwerer. Es geht einfach nicht, dass man mal die Tür zu macht und dann einfach das tut was man will. Man ist immer mit anderen umgeben. Hierbei ist es oftmals wichtig, dass über gewisse Dinge offen geredet wird und vor allem auch Rücksicht auf den anderen genommen wird. Das dies nicht immer gelingen kann ist auch einfach menschlich.

„Lisa, Anne und ich (die Praktikantinnen) am Strand“Wenn man dann einmal Momente der Ruhe hat, sei es mit den anderen Praktikantenmädels zusammen oder auch allein, werden diese auch genossen. So genieße ich die Tage und Momente, in denen wir einfach mal am Strand liegen, mit dem Tuk Tuk durch die Gegend fahren oder irgendwo gemütlich essen gehen.

Heute nach genau 2 Wochen hatte ich dann nochmal eine emotionale Unruhe in mir. Heute war Besuchstag im Heim. Das bedeutet, dass die Eltern oder auch Angehörigen kommen können um die Kinder zu besuchen. Einerseits war es echt schön mit anzusehen, wie sich die Kinder freuten und auf ihre Familien zuliefen, aber es gab auch„Sashini, Udenika und ich“ viele Kinder von denen niemand erschienen ist. Diese Traurigkeit und auch das Enttäuscht sein konnte man in vielen Gesichtern am heutigen Tag beobachten.  Es ist auch hart mit anzusehen, wenn dann wirklich eine Mutter kommt, aber das Kind diese überhaupt nicht beachtet, weil es zu Hause viele schlimme Dinge erlebt hat. So etwas mit anzusehen mach mich emotional unruhig und auch ziemlich traurig. Man macht sich viele Gedanken darüber, was die Kinder in ihrer Vergangenheit erfahren haben könnten. Jedoch werden wir die ganze Wahrheit nie erfahren.

Es ist schön zu wissen, dass hier niemand allein gelassen wird und alle darum bemüht sind, dass es den Kindern gut geht. Diese Bemühungen zerren oftmals an den Nerven und an der Ruhe von einem selbst, aber meine bisherigen Erfahrungen und Eindrücke zeigen, dass es sich jeden Tag lohnt die manchmal gewollte Ruhe zurückzustellen um einfach für die Kinder da sein zu können.

Eure Kerrin

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