Ein Wochentag der Mädchen


In meinem heutigen Bericht möchte ich euch einen kleinen Einblick in den Alltag der Mädchen geben, da ich doch sehr erstaunt war, wie durchorganisiert er ist.

Der Morgen – „good morning“

Die Glocke zum Aufstehen wird geläutet.Zähneputzen, waschen und hophophopDer Tag beginnt für alle, wenn um 5:30 Uhr das erste Mal an diesem Tag die Glocke geläutet wird. Alle wachen langsam auf, machen ihr Bett und putzen sich die Zähne.

Über den anschließenden Frühsport sind die Mädels nicht sehr begeistert, wie ich an den nicht wirklich freudigen Gesichtern erkennen konnte.

Um ca. 6:00 Uhr beten die Buddhisten und Katholiken jeweils getrennt auf verschiedenen Stockwerken. Der anschließende heiße Tee wird noch einmal in Ruhe genossen, bevor die Brotbüchsen mit dem Frühstück verteilt werden.

Immer diese Seife!Einige sind vom Frühsport nicht so begeistert ;-)So jetzt noch gaaaaaaaaaaaaaanz langsam in Ruhe den Tee trinken :-)

Danach richtigen sich alle für die Schule. Ziehen ihre Schuluniformen an, flechten ihre Haare und packen die letzten Sachen für die Schule ein. Wie überall sonst auch, gibt es die flinken Kinder und die Bummler. Doch die Matron (Kindermädchen) hält alle auf Trab, so dass jedes Mädchen pünktlich um 7:00 Uhr fertig ist.

7 Uhr treten die Mädchen ihren Schulweg anMit dem Fahrrad oder zu FußEin Teil der Mädels geht zu Fuß in die ca. 10 Minuten entfernte Schule. Eine andere Gruppe fährt in die etwas weiter entferntere Schule mit dem Fahrrad. Drei weitere Mädchen werden mit dem Tuk Tuk gefahren, da sie zum einen zu klein sind und zum anderen eine zu große Strecke mit dem Fahrrad fahren müssten. Nur die kleine Sashini bleibt uns die ganze Zeit im Heim erhalten und beschäftigt uns.

 

 

Memory, das Lieblingsspiel unserer Kleinen

Der Nachmittag – „good afternoon“

Endlich was zu Essen!!!Die ersten Kinder werden um 12:30 Uhr aus der Schule abgeholt. Sie ziehen sich rasch um und haben eine Stunde Zeit ihr Lieblingsspiel Memory zu spielen, bis dann 13:30 Uhr die anderen Mädels von der Schule kommen.

Wenn alle da sind und ihre Brotbüchsen abgewaschen haben, klingelt erneut die Glocke und gibt das Zeichen, es ist 14:00 Uhr und damit Lunch-Time.

Nach dem Mittagessen werden die Schuluniformen, Socken gewaschen und Schuhe geputzt. Dabei spielt das Alter der Mädchen keine Rolle. Natürlich werden die jüngeren Mädchen von mir und dem Personal unterstützt, aber sie müssen lernen eigenständig ihre Aufgaben zu erfüllen.

Um 15:00 Uhr beginnt auch schon die geliebte Hausaufgabenzeit. Hier sitzen alle zusammen, lesen, schreiben und lernen. Es ist schön zu beobachten, wie die größeren Mädels sich untereinander sowie den kleinen Mädchen helfen.  

Nun wird es Zeit für die HausaufgabenGemeinsam die Hausaufgaben machen

Für einige verschiebt sich die Hausaufgabenzeit, da sie die Englisch-Nachhilfe besuchen. Sie haben die Möglichkeit vor dem Abendessen ihre Schulaufgaben in Ruhe zu erledigen.

Der Abend – „good evening“

Teatime ist um 16:00 Uhr. Hier sammeln sich alle Mädchen an der gemeinsamen Tafel um ihren Tee zu trinken und einen Keks zu essen. Anschließend geht es weiter mit der Gartenarbeit. Die Rasenflächen werden von Unkraut befreit, die Pflanzen gegossen und das Gelände gefegt. Auch hiervon sind an den Wochentagen immer wieder Kinder befreit, da sie von 16:00 -17:00 Uhr Englisch lernen.

Ab 17:00 Uhr ist Freizeit und spielt angesagt. Ich finde es großartig, wie sich alle gemeinsam beschäftigen können. Die großen Mädchen beziehen die kleinen immer mit ein und geben ihnen die Chance, am Spiel teilzuhaben. Seit dem ich hier bin gab es noch nie die Situation, dass ein Kind zu mir kam und meinte, es wäre ihm langweilig. Und das ohne Computerspiele und Fernsehen!

18:00 Uhr, wenn die Glocke läutet, ist es Zeit duschen zu gehen. Die Freude die sie beim herumspritzen und plantschen haben ist ungebremst, nur die kleine Sashini hat noch etwas Angst vor Wasser.

19:00 Uhr versammeln sich alle Kinder vor den Altaren und beginnen heilige Lieder zu singen und Gebete aufzusagen. Das Ritual des Betens ist ein fester und wichtiger Bestandteil im Tag und Leben der Mädchen. Sie nehmen es sehr ernst, lesen die Lieder und Texte schon im Vorhinein, so dass während des Betens keine Versprecher passieren. Dass es Menschen in Deutschland gibt, die keiner Religion angehören ist für sie unvorstellbar.

AbendbrotzeitVorbereitungen für das AbendbrotIm Anschluss gibt es Abendessen, natürlich Reis mit Curry. Der wöchentlich wechselnde Küchendienst putzt danach den Ess- und Küchenbereich. Wenn alles fertig ist, bringe ich die kleinen Kinder ins Bett,  wir unterhalten uns, spielen ein kurzes Spiel und dann wünsche ich allen eine gute Nacht.

Die älteren Mädchen sitzen noch ein wenig zusammen, unterhalten sich, hören Musik und freuen sich jedes Mal, wenn ich ihnen noch ein englisches Märchen von Walt Disney vorlese. Damit alle die Handlung der Geschichte verstehen, fassen wir gemeinsam alles zusammen, schauen die Bilder an und teilweise übersetzen die Mädchen noch einmal ins singhalesische, so dass wirklich nichts unverstanden bleibt. Das derzeitige Lieblingsbuch ist Cinderella (Aschenputtel).

Nun wird aber geschlafen :-)Um 21:00 Uhr ist der Tag zu Ende. Jeder liegt in seinem Bettchen, so manche Erlebnisse vom Tag werden noch geschwind mit der Bettnachbarin ausgetauscht, bevor die letzten Lichter ausgeknipst werden. Es ist erstaunlich, wie unkompliziert das zu Bett bringen sein kann, wenn Kinder ausgelastet sind. Keine Quengelei und kein diskutieren. Nein, hier gehen die Kinder von allein schlafen!

Ja, der Tag der Mädchen ist sehr voll und ganz anders als ein Tag eines deutschen Schulkindes. Ich finde es klasse, wie die Mädchen in die täglichen Aufgaben einbezogen werden. Sie lernen sich untereinander abzustimmen, sich gegenseitig zu helfen und erlernen somit viele wichtige soziale Fähigkeiten und Fertigkeiten, die ihnen im späteren Leben von großem Nutzen sein werden. Ich staune und bin der Meinung, dass auch die deutschen Kinder mehr in den Alltag einbezogen werden sollten. Für Computerspiele wäre kaum noch Zeit, die Langeweile nimmt ab und damit auch die Lust für negative Handlungen. Es ist wichtig, Kindern das Gefühl zu geben, ich habe etwas geschafft und geleistet worauf ich stolz sein kann, ich werde gebraucht, ich bin wichtig. Dies ist von hoher Bedeutung für ein gesundes Selbstbewusstsein. Und ein gesundes Selbstbewusstsein ist wichtig für ein zufriedenes Leben!

 

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