Lisa Thomsen. Heute keine Palmen, Sonne und die lustige Lisa. 12.09.2010


Lisa ThomsenHallöchen meine lieben Leser.

Ich wollte euch heute einfach mal eine andere Seite, die ich hier so mitbekomme, aufzeigen. Wenn man hier ist, merkt man schnell, dass das Projekt nicht nur Sonnenschein mit sich bringt, sondern in erster Linie verdammt harte Arbeit ist. Frank und Julia verbringen fast ihren ganzen Tag mit Büroarbeit, ständig bemüht das Projekt  voranzutreiben, zu verbessern, immer erreichbar für alle, natürlich besonders für die Pateneltern der Mädchen. Das alles machen sie mit viel Hingabe, die in Deutschland nur wenige ehrenamtlich tun würden. Julia und Franks Lohn ist ein anderer. Ihr Anliegen ist ganz allein das Wohl der Mädels, ständig besorgt um Sie, immer nur für das ‚Angels Home‘ da. Ein aktuelles Beispiel, damit ihr versteht was meine: Frank fragte mich ob man sich bei den von mir ausgedachten Spielen verletzen kann? Ich dachte an das ‚Eierlaufen‘ und schmunzelte, aber so ist er halt, einfach ständig besorgt!

Viele Leute in Deutschland haben keine Ahnung, was es bedeutet jeden Tag nach Werbemöglichkeiten für das eigene Projekt zu suchen, ohne Lobby sich ständig die Nase zu stoßen, nicht aufzugeben, immer überall versuchen präsent zu sein und dann parallel mit den Gegebenheiten eines dritte Weltlandes zu kämpfen. Das ‚Jugendamt‘ hier entscheidet ob die Kinder schwimmen gehen dürfen und welches Kind in den Ferien nach Hause darf, aber eine finanzielle Unterstützung gibt es nicht. Ich habe einfach aufgelistet, was mir grade so in Kopf kam und das ist nur ein ganz kleiner Teil der Aufgaben und Herausforderungen die Frank und Julia sich jeden Tag stellen. Ich frage mich …Wieso unterstützen die Singhalesen, Menschen wie Frank und Julia nicht, obwohl diese ihre Kinder von der Straße aufsammeln oder aus schlimmen Familienverhältnissen zu sich aufnehmen und versuchen ihnen eine Perspektive zu schaffen?

Zu meiner Tätigkeit hier wollte ich euch erzählen, dass es nicht immer nur einfach ist die Mädchen um sich herum zu haben. Plötzlich zeigt ein Mädchen während des Spielens ihre Arme mit riesigen Brandmalen, die ihr ihre Mutter zugefügt hat. Sie erzählt, dass die Mutter nachts betrunken auf sie eingeprügelt hat und ihre Zigarettenstummel an ihr ausgedrückt hat. Ihre kleine Schwester konnte kaum sprechen als sie ins Heim kam, weil sich niemand um sie gekümmert hat und ihr keiner das Sprechen beibrachte. Ein Mädchen, das erst ein tolles Geschenk von ihrem Stiefvater bekommt, der sie wenig später in die Garage lockt und sie auszieht.  Sie erzählt,  dass er das immer mach wenn sie in den Ferien zu Hause ist.  Ein Kind, die aus den Ferien wiederkommt und auf die Frage  `Wie waren die Ferien?`  ganz nebensächlich antwortet, dass ihr Vater sie nur am ersten Tag geschlagen hat und dann war alles gut. Ein Kind das erst 4 Jahre alt ist und blaue Flecken und Brandnarben der Eltern am Körper aufweist, dich anlächelt und fragt ob du ihr Anschwung auf der Schaukel geben kannst. Ein Mädchen das Besuch von ihrer Tante und Oma bekommt, die ihr ausrichten, dass ihre Mutter nicht mehr kommt, da sie neu geheiratet hat... Ich könnte diesen Text noch lange fortführen. Ich wollte euch damit nur sagen, dass viele die auf meinen Blog und auf der Seite von Dry Lands nach den schönen Bildern suchen und sich auf tolle Texte über Kinderfeste freuen und das ist auch gut so. Aber vergesst bitte nicht, wo ich hier bin und dass es eigentlich nicht um mich geht, um Palmen, Strand und Meer, sondern darum, was es bedeutet sich mit diesen Schicksalen auseinander zu setzen und ihnen ein besseres Leben, als bei ihren eigenen Angehörigen bieten zu können.

Nachdenkliche Grüße,

Lisa