Lisa Thomsen. Vom Kulturschock zum heimischen feeling – Ende der dritten Woche. 19.08.2011


Die dritte Woche hat sehr schön für mich angefangen, da ich nach 3 Wochen Stillstand endlich wieder ein Lebenszeichen von Lennart bekommen hatte. Der  seiner staubigen Miene und den `netten` Männen  im Nationalpark von Queensland entflohen ist. Schön,  dass du wieder da bist Grinsen
Rückweg vom Kino nach HauseDiese Woche warteten gleich 3 Kulturschocks auf mich. Als erstes gingen die Mädchen am Freitag in die katholische Kirche  und ich dachte mir, bei Gelegenheit könnte ich da ja auch mal hineinluschern. Doch irgendwie war mir auf dem Weg zur Kirche schon nicht ganz gut, da die Mädels alle herausgeputzt aussahen und die schönsten Röcke herausgesucht hatten für dieses Highlight. Als ich an mir hinuntersah musste ich feststellen, dass ich nicht besonders festlich gekleidet war. Schlabber-Tshirt und Leggings gehören glaube ich nicht zu den Kirchenoutfits der Singhalesen. Nun gut, dachte ich mir, geh ich doch trotzdem mal mit rein und gucke, was passiert. Als ich in der Kirche war, war ich nach einer halben Stunde von Blicken erschlagen und fühlte mich sehr unwohl,  sodass ich dann bei einer Gebetspause meine Chance ergriff und flüchtet. Unsere Matron hier im Heim sagte mir, dass sei in Ordnung.  Mein Fazit daraus ist, dass die katholische Kirche in Sri Lanka noch einmal einen ganz anderen Stellenwert hat, als die in Deutschland oder Europa. Ich kenne viele Katholiken, die mir mal etwas von ihren Gottesdienten erzählen (wenn sie denn hingehen), doch das klang nie so streng wie hier in Sri Lanka. Ich selber bin ja jetzt auch nicht wirklich der Kirchengänger, außer an Weihnachten, deswegen fand ich die katholische Kirche nicht so aufregend. Doch die Mädchen finden das total toll und dann findet man so einen Ausflug auch schön, wenn man sieht,  wie sehr sich die Mädels freuen.
HarishaEin paar Tage später wurde ich von der Matron gefragt, ob ich heute mit in den buddhistischen Tempel möchte. Ich war  total begeistert, weil das ja etwas völlig anderes ist, weg von Jesus und der Bibel. Doch wieder einmal musste ich feststellen, dass die Mädels um einiges schicker aussahen als ich und die Buddhisten unter ihnen weiß gekleidet waren. Ich hingegen hatte eine schwarze (zum Glück lange) Hose  und ein graues Tshirt mit bunter Aufschrift an haha. Vorsichtshalber habe ich dann die Matron gefragt, ob ich so denn überhaupt angemessen aussehe für einen Besuch bei Buddha, aber sie meinte, ich sehe gut aus. Gut, also ging es ab in den Tempel der genau wie die Kirche nicht weit vom Heim entfernt lag. Dort angekommen musste man seine Schuhe vor dem Tempelgelände ausziehen und wir fingen an, alle hintereinandergereiht zuerst zu verschiedenen kleinen Buddhas zu gehen und uns zu verbeugen und danach schreiteten  wir zum  MEGABUDDHA. Der war bestimmt 25 Meter groß und vegetierte auf einem Hochsitz. Ich fand das irgendwie cool, das war sehr beeindruckend. Na klar, beim evangelischen Gottesdienst betet man auch das Kreuz an,  an dem auch manchmal Jesus hängt, doch nie ist Jesus 25 Meter groß und wirkt einschüchternd. Nachdem die buddhistischen Mädels gebetet hatten, zudendeten wir alle eine ölkerze an und danach zeigten mir die Mädels den Baum mit den Blüten, von denen man sagt, dass Buddha in einer geboren wurde. Sehr interessante Vorstellung, aber da sind die Christen mit der unbefleckten Empfängnis auch gar nicht so weit weg. Am Ende erzählte mir Dinesha noch, was es damit auf sich hat, wenn man einen Krug Wasser in die Hand nimmt und 7 mal um Buddha herum läuft. Wenn man dies macht,  wünscht man sich dabei durchgehen etwas und gießt das Wasser danach in den Brunnen. Dinesha hat mir verraten, dass sie sich gewünscht hat gut in der Schule zu sein. Eine sehr interessante Erfahrung so ein Tempelbesuch. Zum Schluss haben alle Mädels und ich noch ein kleines weißes Bändchen um das Handgelenk bekommen, wenn dieses abfällt, wird es höchste Zeit wieder Buddha zu besuchen.
Kino in MadampeAls letzten Ausflug kam das singhalesische Kino. Ich wollte natürlich gerne mit, weil zu diesem Ausflug auch das erste Mal busfahren gehörte. Wir machten uns gegen 14 Uhr auf den Weg zur Bushaltestelle und als schließliche der Mini-Bus kam, war er schon bis oben hin voll, doch der Busfahrer grinste nur freundlich und winkte uns 20 fröhlich hinein. Nun gut, zur Not gibt es ja noch ein Dach. Während der chaotischen Busfahrt machten wir ungefähr 3 Vollbremsungen, weil Leute von hinten riefen, sie müssten jetzt raus, oder weil der Bus fast ein Tuktuk gerammt hätte. Das hat Spaß gemacht. Im Kino angekommen musste ich erst mal ein bisschen schmunzeln, sah nicht so aus wie ein deutsches Kino, eher wie eine Art Tempel, aber ich habe mich sehr auf den Film gefreut. Als dann auch endlich alle Mädels einen Platz gefunden hatten, begann auch der Film. Nawanjena im KinoZu dem Film kann ich, aufgrund meines nicht vorhandenen Singhalesisch nur sagen, dass er anscheinend der Lacher schlecht hin war. Udeshika hinter mir ist fast von ihrem Kinostuhl gefallen. War auf jeden Fall witzig, einen 3 stündigen Film zu gucken der ca 10 mal seine Handlung ändert. Zwischendurch gab es eine Pause, in der uns die Matron was zum Knabbern besorgte und ich feststellen musste, dass mich beim Getränkefenster niemand bedienen wollte sondern mich alle anstarrten und dann die Person hinter mir bedienten. Schliesslich habe ich dann doch noch mein Wasser bekommen. Nach dem Film ging es nach Hause und ich muss sagen, dass diese Woche eine sehr aufregende war. Nicht nur für mich, sondern auch für die Mädels, die viele Ausflüge gemacht haben, bei denen sie viel Spaß hatten.
Nach diesem `Kulturschock` diese Woche, habe ich mich heute sehr gefreut, als ich mein Paket von der Marawila Post abgeholt habe, wo leckere Salami und auch Frühstücksfleich, sowie eine Rindersuppe, Gummibärchen und 2 Bücher drin waren, danke Mami! Das gab mir dann ein heimisches Gefühl. Alles in allem war das eine wunderschöne Woche und ich hoffe es folgen noch viele weitere dieser Sorte!
Lisa  in der Bibo
Liebe Grüße aus Sri Lanka
Lisi