Anika Baumann. 10 Tage durch Sri Lanka. 09.09.2011


Annika und ein Mönch aus Kandy der ihr viel über den Buddhismus erklärte er2 ½ Monate Sri Lanka – zurück in Deutschland, wo man sich beim Autofahren anschnallt, die Bustüren beim Fahren geschlossen sind und alles irgendwie geordnet von statten geht, kommt mir meine Zeit im chaotischen, aber liebenswerten Sri Lanka plötzlich ganz irreal vor.

Nach meiner Verabschiedung von den Mädchen Ende Juli entpuppte sich die anschließende Reise durch Sri Lanka nicht nur als ein perfekter Abschluss einer prägenden Zeit, sondern auch als guter Weg, etwas Abstand zu dem Erlebten zu gewinnen und nicht voller Wehmut die Heimreise anzutreten. Die zehn Tage, in denen ich mit Reisetasche bewaffnet durch Sri Lanka tourte, waren noch einmal so beeindruckend, ereignisreich und wunderbar, dass mir kaum Zeit blieb im Abschiedsschmerz zu vergehen. Jeder Tag war anders und aufregend, sodass ich im Nachhinein kaum glauben kann, dass es nur zehn Tage waren, in denen ich so viel vom Land sah und so viel erlebte.

Zu Beginn meiner Zeit in Marawila war mir noch etwas mulmig zumute geworden, wenn ich daran gedacht hatte, das Land mit seiner fremden Kultur und der unverständlichen Sprache nach meinem Praktikum ohne Begleitung zu bereisen. Einmal die Reise gestartet merkte ich aber, dass sämtliche Befürchtungen umsonst gewesen waren. Nun genoss ich das Gefühl, in den mit Buddha-Figuren geschmückten Bussen, in denen stets ein Sitzplatz für Mönche reserviert ist, durchs Land zu tingeln und die Leichtigkeit des Reisens zu erleben. Ich versuchte zwar als allein reisende Frau nicht allzu unvernünftig zu sein, aber, hätte ich auf all die warnenden Worte meines Reiseführers und meiner besorgten Reisebekanntschaften gehört oder meinen eigenen anfänglichen Bedenken nachgegeben, hätte ich wohl deutlich weniger gesehen und könnte jetzt nicht auf eine solch tolle Zeit zurückblicken.

Arugam-Bay, an der Ostküste Sri LankasAusblick vom Berg in SigiriaMeine Reiseroute begann in Kandy, führte mich von dort durch die Berge Richtung Süden, dann weiter zu den Stränden der Ostküste, von wo aus ich mich gen Norden aufmachte und schließlich quer durchs Land zurück an die Westküste, nach Marawila fuhr. Ich erkundete die Ruinen von Polonnaruwa, erklomm den aus dem Nichts auftauchenden Berg in Sigiriya und genoss das Zugfahren bei offenen Türen inclusive wahnsinniger Ausblicke durch die Berge. Ich ließ es mir am Strand von Arugam Bay gut gehen, besichtigte die Höhlentempel in Dambulla und schlenderte über den touristenleeren, aber von Einheimischen stark frequentierten Markt in Bandarawela. Ich bekam wildlebende Krokodile und Elefanten zu sehen und verstand schnell, dass das Verhandeln der Preise in Sri Lanka ganz normal ist. Ich trank Kokosnussmilch zum Frühstück und aß frisch gefangenen Fisch am Abend, um nur einige Highlights meiner Reise zu nennen.

Marktstand in KandyWährend dieser Tour erlebte ich nicht nur die Vor- und Nachteile des Alleinreisens, sondern verstand auch, warum in fast jedem Reisebericht von der Freundlichkeit und Offenheit der Singhalesen zu lesen ist. An den Bushaltestellen wurde ich stets bei der Suche nach dem nächsten Anschlussbus unterstützt und mein TukTuk-Fahrer in Kandy gab alles bei der aussichtslos scheinenden Suche nach einem freien Zimmer. Aufgrund der dort anstehenden Perahera, einem jährlich stattfindendem, zehntägigenRuinen in Polonnaruwa, buddhistischen Fest, war die Stadt übersät von Touristen und aus ganz Sri Lanka angereisten Singhalesen. Dank der Ausdauer meines Fahrers und dessen Verhandlungskünsten ergatterte ich aber doch noch einen zentral gelegenen und überraschend preiswerten Schlafplatz. Die Parade am Abend erlebte ich im Kreise einer einheimischen Familie, die mich auf Cola und Kräcker einlud. Aufgrund meines im Angels Home aufgeschnappten (geringfügigen) Wortschatzes  in der Landessprache wurde ich zur Attraktion aller in Reichweite sitzenden Besucher. Mein Guest House Besitzer in Arugam Bay behandelte mich wie eine Tochter und entwickelte einen solchen Beschützerinstinkt, dass ich mich kurzerhand wieder wie 15 fühlte, als ich Rechenschaft über das späte Heimkommen am Abend ablegen musste.

Perahera Umzug in Kandy u.a. mit vielen ElefantenEbenso bot mir meine Reise die wunderbare Chance, mehr über die Grundzüge der in Sri Lanka gelebten Religionen, den Buddhismus und den Hinduismus, aber auch  den Islam, zu lernen. Gleichzeitige musste ich aber auch feststellen, dass bei den Gläubigen zuweilen Unverständnis für oder gar Abneigung gegenüber der jeweils anderen Religion bestand. In einem Tempel in Kandy verbrachte ich einen Vormittag mit einem Mönch, der mich auf einen Tee einlud und mir jede noch so dumme Frage über den Buddhismus beantwortete. Anschließend nahm er mich mit zu seinem Besuch des Zahntempels, wobei ich die Ehrerbietung und Privilegien, die Mönchen in Sri Lanka zuteil werden, beobachten konnte (beginnend mit dem Küssen der Füße, über das Öffnen von Absperrungen bis hin zum Betreten des Tempels über den Hintereingang ohne am überfüllten Haupteingang Schlange zu stehen). In Dambulla wiederum leistete mir ein muslemischer Restaurantbesitzer beim Lunch Gesellschaft und klärte mich bereitwillig über die Regeln des Islams auf.

Neben den Begegnungen mit Sri Lankas Bewohnern entdeckte ich auch die Schönheit und Vielfalt des Landes. Unweit des touristischen Treibens in Arugam Bay bot mir Perahera Tänzer beim größten Volksfest in Kandybeispielsweise der Elephant Rock einen wunderschönen Blick auf einen menschenleeren Strand. Nach einer unfassbar kalten, trotz Wolldecke und mehreren Lagen an Kleidung durchfrorenen Nacht in Nuwara Eliya erlebte ich am frühen Morgen eine Wanderung durch die beeindruckende und in leichten Nebel gehüllte Landschaft im Horton Plains Nationalpark und am selben Nachmittag ein Sonnenbad bei bestem Wetter am Strand von Arugam Bay. Ebenso gegensätzlich waren die schillernde Parade der Perahera in Kandy, mit den unzähligen geschmückten Elefanten, den in Weiß und Silber gekleideten Tänzern und den Massen an Besuchern, und die am Tag darauf folgende idyllische Fahrt durch die Berge entlang an Teeplantagen und Wasserfällen.

Die vielen Erlebnisse und Eindrücke meiner Reise lassen sich wie so oft nur schwer in Worte fassen und angemessen wiedergeben. Ich kann nur sagen, ich hatte eine unvergessliche Zeit und kann jedem eine Reise nach Sri Lanka nur empfehlen.

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