Bettina Hansel. Sri Lanka, ein Land zum Verlieben. 23.06.2011


Um unsere freien Tage bestmöglich zu nutzen, planten Margarete und ich, einen fünftägigen Trip ins Landesinnere über das Hochland Sri Lankas an die Südküste der Insel und zurück. Freitag früh ging es los. Wir starteten mit dem Bus von Marawila nach Negombo, um dort in Richtung Kandy umzusteigen. Die Busfahrten sind in Sri Lanka ein wahres Erlebnis. Für mich hatte es ein bisschen das Feeling, wie in diversen Fahrgeschäften auf Volksfesten. Das liegt vermutlich an den bunt blinkenden Lichtern im vorderen Teil des Busses, den großen silbernen Metallbügeln zum Festhalten an den Sitzen, sowie dem impulsiven Fahrstil der Busfahrer. Nach einer eindrucksvollen Fahrt durch eine wundervolle Hügellandschaft kamen wir gegen Mittag in Kandy an. Nach einer längeren Suche fanden wir dann ein geeignetes günstiges und dennoch schönes Guesthouse am Rand des Stadtzentrums. Nachdem wir unser Gepäck dort abgeladen hatten, machten wir uns auf den Weg, die Stadt zu erkunden. Anfangs empfanden wir das als sehr anstrengend, da  wir ununterbrochen von allen Seiten angesprochen wurden, ob wir Hilfe bräuchten oder was wir uns ansehen wollten, sodass wir Mühe hatten, uns abzugrenzen. Insbesondere auch Händler verschiedener Waren wollten uns sehr eindringlich irgendwelche Produkte verkaufen. Es ist schade, dass wir als zwei allein reisende Weiße Frauen keinen derart unverbindlichen Kontakt zu den Einheimischen herstellen konnten, wie das vielleicht bei Männer möglich ist. Dabei geht einem ein großer Teil interkultureller Erfahrung verloren. Daher waren wir froh, als am Nachmittag James, ein australischer Freund Margaretes zu uns gestoßen ist, um den Rest der Reise mit uns zu verbringen. Mit ihm hatten wir dann tatsächlich die Möglichkeit, mit den Singhalesen ins Gespräch zu kommen, ohne sich Sorgen machen zu müssen, falsche Signale zu senden. Kandy DanceNach unserem Besuch des jeden Abend stattfindenden Kandy Dance und einem abendlichen Spaziergang am Kandy Lake, sangen uns ein paar Singhalesen vor unserem Zimmerfenster mit ihren dissonanten Klängen in den Schlaf. Den Samstag Morgen verbrachten wir dann mit einer Besichtigung des Sitting Buddhas in Kandy sowie einem Besuch auf dem großen einheimischen Markt der Stadt. Anschließend machten wir uns mit dem Bus auf den Weg Richtung Nuwara Eliya, der Stadt des Lichts im Hochland durch gigantische Teeplantagen und eine atemberaubende Hügellandschaft. Etwa 10 Kilometer vor unserem Ziel legten wir einen Stop an einer der riesigen Teeplantagen ein, wo wir eine Führung durch eine Teefabrik inklusive freier Teeverkostung erhielten.

Tee Plantagen – Nuwara EliyaMit dem Tuk Tuk ging es dann weiter nach Nuwara Eliya. Wir hatten uns sagen lassen, dass es in den Bergen Sri Lanka sehr kühl sein kann, was wir uns in unserer naiven Denkweise nicht wirklich vorstellen konnten, sodass wir gerade mal einen Longsleeve und eine dünne Regenjacke eingepackt hatten. Ich kann mittlerweile nur bestätigen, dass es dort tatsächlich sehr kalt ist. Nachdem wir am Abend dort ankamen, waren wir sehr froh, dass wir auf Anhieb eine gute Unterkunft mit warmen Bettdecken gefunden hatten. Ausklingen ließen wir den Abend in Gesellschaft mit dem Eigentümer des Guesthouses Nadish, der uns noch ein paar Tipps für unsere weitere Route mit auf den Weg gab. Am Sonntag ging es dann in den Horton Plains Nationalpark. Ursprünglich wollten wir uns mit einem Backpacker-Pärchen, das wir am Abend kennengelernt hatten, zusammen einen Van teilen, der uns am Morgen um 05:00 Uhr am Guesthouse abholen sollte, jedoch leider nicht gekommen ist. Eine Stunde später haben wir uns dann entschlossen, ein Tuk Tuk anzuhalten und uns von diesem in den Nationalpark fahren zu lassen. Komfortabler wäre in dieser Eiseskälte in jedem Fall der Van gewesen. Im Park angekommen hatten wir dann jedoch Glück und die Sonne brach durch, sodass sich die eindrucksvolle und lohnenswerte dreieinhalbstündige Wanderung durch den Park doch ganz angenehm gestaltete. Das World’s End, der Baker’s Fall, sowie die Landschaft und Pflanzenwelt an sich sind in jedem Fall ein Erlebnis und den überhöhten Eintrittspreis wert

Nationalpark – World’s EndEllaAm Eingang wartete unser Tuk Tuk Fahrer mit unserem Gepäck auf uns und brachte uns zum etwa 8 km entfernten Bahnhof in Patti Pola. Dort warteten wir noch etwa zwei Stunden auf den Zug, der uns nach Ella, einem weiteren kleinen Ort im Hochland Sri Lankas bringen sollte. Die Zugfahrt an sich, sowie die Landschaft, die wir durchquerten, boten uns eine sagenhafte Erfahrung. Am Bahnhof in Ella wurden uns verschiedene Gasthäuser angeboten, von denen wir uns eines zeigen ließen und sofort beschlossen, zu bleiben. Von der herrlichen Terrasse aus bot sich ein Wahnsinns-Blick auf den Little Adam’s Peak. Nach einem Spaziergang durch den Ort verbrachten wir den Abend auf unserer Terrasse und genossen den Ausblick.

Den nächsten Morgen brachen wir mit dem Bus auf in Richtung Südküste, wo wir in Tangalle eigentlich lediglich einen Zwischenhalt einzulegen planten. Bei dem einladenden Guesthouse, das uns am Strand jedoch angeboten wurde, konnten wir dann doch nicht widerstehen und entschlossen uns spontan dazu, den restlichen Tag gemütlich und entspannt am Strand zu verbringen. Der Eigentümer des angegliederten Restaurants führte uns dann netterweise noch am Abend durch den Ort, wo gerade das Poya Fest sehr groß gefeiert wurde. Wir genossen Ice-cream for free und den Anblick bunt blinkender Lichter und Deko-Kunstwerke im Ortskern und ließen den Abend mit einem Strandspaziergang ausklingen. Den Dienstag verbrachten wir im ansehnlichen Holländischen Viertel des ca. 60 km entfernten Küstenorts Galle, wo wir uns am Nachmittag von James verabschiedeten, der noch einen weiteren Tag in dieser Region verbringen wollte. Margarete und ich fuhren weiter nach Colombo, wo wir leider erst ankamen, als es bereits fast dunkel war. In dem Viertel, in dem sich der Busbahnhof befindet, fühlten wir uns nicht wirklich sehr wohl, da es sich doch eher um das Armenviertel der Stadt handelte. Dennoch wollten wir nicht mehr lange allein im Dunkeln eine Unterkunft suchen müssen oder weite Fahrten in der Hauptstadt in Kauf nehmen, sodass wir in das erste Guesthouse eincheckten, das uns unter kam. Es handelte sich dabei um ein zwar spottbilliges Zimmer zum Preis von ca. 2,50 Euro die Nacht pro Person, wir waren allerdings von dem Standard der letzten Unterkünfte sehr verwöhnt, sodass es uns aufgrund seiner schmuddeligen Atmosphäre doppelt grausam vorkam. Den nächsten Vormittag verbrachte Margarete damit, ihr Visa zu verlängern, während ich das Viertel bei Tag genauer unter die Lupe nahm. Mittag trafen wir uns dann wieder um uns gemeinsam auf den “Heimweg” nach Marawila zu machen.

Alles in allem war es ein rundum gelungener und lohnenswerter Trip, den ich jederzeit wiederholen würde. Sri Lanka ist ein sehr kontrastreiches Land, das unglaublich viel zu bieten hat. Nur wenige Stunden Fahrt und man hat eine komplett andere Landschaft, Kultur und Klima. Bezüglich unserer Gasthäuser, deren Besitzern und Bekanntschaften mit Einheimischen hatten wir nur gute Erfahrungen gemacht. Eine Reise, wie sie besser nicht hätte laufen können.

Dennoch hatten wir beide bei unserer Ankunft in Marawila tatsächlich Heimatsgefühle und freuten uns sehr darüber, die Mädchen im Heim wieder zu sehen. Grinsen