Magarete Ciuk. Von Asien zurück in die westliche Welt. 26.07.2011


Über eine Woche ist es jetzt her, dass ich meinen letzten Tag mit den Mädels im Angels Home for Children verbringen durfte. Das letzte Mal morgens durch die Pforte schreiten und den sandigen Weg entlanggehen, das letzte Mal zusammen mit den Mädels am Mittagstisch sitzen und sie beim Essen mit den Händen beobachten, das letzte Mal mit den kleinen Mädchen auf der Veranda puzzeln und ein letztes gemeinsames Kabaddi-Spiel. Ein Spiel, das übrigens selbst für Erwachsene ein pures Vergnügen ist und welches ich sicher vermissen werde. Grinsen Auch wenn mir den ganzen Nachmittag über mulmig zumute war bei der Vorstellung mich von den Mädels zu verabschieden, welche ich über die 2 Monate ziemlich ins Herz geschlossen habe, war es letztendlich angenehmer als erwartet. Die typische Verabschiedungsrunde auf der Bühne, eine hübsche Abschiedskarte, ein letztes gemeinsames Spiel und dann schließlich der letzte Gang zum Eingangsbereich. Dort haben die Mädels mich nochmal überrascht, indem sie mir hinterhergelaufen sind und mir ein kleines Abschiedsgeschenk überreicht haben. HarishaDas war echt süß. Grinsen Letztendlich habe ich aus vergangener Erfahrung gelernt, dass ein Wiedersehen möglich ist, wenn man es wirklich will und die Bemühungen auf sich nimmt. Da es noch viel in Sri Lanka zu sehen gibt, was ich bei diesem Aufenthalt noch nicht geschafft habe zu besichtigen, steht der Vorsatz, in den nächsten Jahren Sri Lanka als Urlaubsziel einzuplanen und dadurch gleichzeitig die Mädels wiederzusehen.  Insofern sehe ich den Abschied jetzt nicht als Abschied für immer. In der Zwischenzeit bietet mir die Dry Lands Homepage auch genug Möglichkeit, mich über das Projekt und die Entwicklung der Mädchen auf dem Laufenden zu halten, was ich definitiv in Anspruch nehmen werde.

Insgesamt habe ich eine echt gute Zeit in Sri Lanka gehabt und genau die Erfahrungen gesammelt, welche ich mir vorher erhofft hatte. Zum einen konnte ich durch das Leben in Marawila und meine Reiseaufenthalte einen guten Einblick in die Kultur Sri Lankas gewinnen: Essensgewohnheiten, Kleidung, Religion, Fahrstil, Traditionen, Einstellungen, Rolle der Frau und der Kontrast zwischen Reich und Arm. Beispielsweise ist es ein Erlebnis, einen schicken Wagen durch eine Straße fahren zu sehen, wo Leute in Palmenhütten wohnen und Menschen am Straßenrand sitzen und ihren Fisch auf ausgebreiteten Decken verkaufen. Weiterhin hatte ich hautnah die Arbeit in einem Freiwilligenprojekt kennenlernen und durch Julia & Frank auch hinter die Kulissen blicken können in Hinblick auf bürokratische Probleme und Organisationsschwierigkeiten. Ich denke, dass mir die Zeit geholfen hat, einiges an Naivität abzunehmen und einen realistischeren Blick auf die Arbeit in einer NGO  zu gewinnen. Auch zu wissen, wie es ist, wenn 3-4mal pro Woche der Strom tagsüber ausfällt und die Möglichkeit, der Büroarbeit nachzugehen, dadurch enorm eingeschränkt ist, lässt einem auch klar werden, warum vieles in Sri Lanka langsamer läuft als bei uns. Einige MädchenSchließlich natürlich die Erfahrung zu machen, 2 Monate mit wundervollen Mädchen zu verbringen und sie überhaupt nicht als arme kleine Waisenkinder wahrzunehmen, sondern als individuelle Persönlichkeiten, über die man sich ärgern kann, aber mit denen man auch enorm viel Spaß haben kann. Gerade die letzte Erfahrung war unglaublich schön und einmalig. Ich werde die Mädels vermissen bzw. tue ich das eigentlich jetzt schon.

Obwohl ich alle Erfahrungen, welche ich gemacht habe, als wichtig und persönlichkeitsförderlich erachte, waren sie selbstverständlich nicht alle positiv. So merke ich jetzt gerade, wie angenehm die Anonymität der westlichen Großstädte sein kann: Einfach durch die Straße laufen zu können, ohne ständig als fremde Weiße angestarrt zu werden und in einem Einkaufsladen einfach mal in Ruhe Sachen anzuschauen, ohne dass jemand versucht, einem etwas anzudrehen. Was eigentlich selbstverständlich für uns ist, empfinde ich gerade als unglaublichen Luxus. Grinsen

Alles in allem habe ich jedoch überwiegend positive Erinnerungen an meine 2 Monate in Sri Lanka und ich bin glücklich, dass ich die Gelegenheit hatte, diese einmalige Erfahrung machen zu können. In diesem Zusammenhang möchte ich mich nochmal bei Julia und Frank bedanken, dass sie mir dieses Praktikum überhaupt ermöglicht haben und dafür, dass sie mir Vertrauen bei meiner Arbeit entgegengebracht haben.  VIELEN DANK FÜR DIE TOLLE ZEIT!!!!!

Sonnenuntergang in Sri Lanka