Margarete Ciuk. Anuradhapura, Tempel, Ruinen und antike Architektur 13.07.2011


Die Zeit im Angels Home for Children ist wirklich wie im Flug vergangen seit meinem letzten Bericht und unfassbar scheint es, dass es in einer Woche auch schon soweit ist Abschied zu nehmen und nach Europa zurückzukehren. Bevor dies soweit ist, hatte ich mich entschlossen nochmal einen kleinen Trip nach Anuradhapura zu machen. Anuradhapura liegt ca. 205 km weiter nördlich von Colombo und ist bekannt für seine Ruinen, Tempel und antike Architektur.

Letzten Freitag ging es dann am Morgen los. Da ich in der letzten Woche gerade meine Übernachtungswoche hatte, war ich somit  morgens noch im Angels Home mit dabei, um die Kinder bei ihren morgendlichen Ablauf zu begleiten. Um 5 Uhr wird in der Regel die Glocke vom Personal geläutet und dann heisst es für die Kinder die gemütliche Wärme des Bettes zu verlassen um draußen im Garten die morgendlichen Runden zu drehen. Chanchala, welche am Abend vorher noch ein spannendes Bollywood Buch gelesen hatte, sieht man lustiger weise mit ihrem Buch vor der Nase langspazieren. Da musste sie wohl an einer besonders spannenden Stelle dass Buch am Abend beendet haben, als um 21.30 Uhr die Glocke abends geläutet hatte und es auch für die großen Mädchen Zeit zum Schlafen war. Einige Kinder wie Kumari, Nadisha und Shehara sind besonders aktiv beim Laufen dabei. Viele andere Mädchen wie z.B. Dinesha, Udenika und Nirosha bevorzugen es gemütlich in der Morgendämmerung spazieren zu gehen. Nachdem die Kinder also einigermaßen Energie getankt haben, geht es dann ans morgendliche Programm: Zähne putzen, Gesicht waschen, Gartenarbeit, Tee trinken, Beten, den Schrank aufräumen und sich schließlich die Schuluniform sowie Schuhe anziehen, um zusammen als Gruppe Richtung Schule zu laufen. Normalerweise heißt es für mich an dieser Stelle “Goodbye! Have a nice day!” zu rufen und wieder Richtung Gebäude zu verschwinden. Da meine Bushaltestelle jedoch um die Ecke von der Schule war, griff ich stattdessen nach meiner Tasche, um die Mädchen auf ihrem Schulweg zu begleiten. Hasini und Shanika waren dann noch so nett und brachten mich bis zu meiner Bushaltestelle. Etwas in Sorge waren sie, ob ich es den auch mit dem Bus hinkriegen würde, da ich keine singhalesische Schriftzeichen lesen kann. Die Sorge war aber unbegründet, denn wie es in Sri Lanka so ist, findet sich schnell jemand der hilft und so gab mir der Gemüsehändler neben der Haltestelle Bescheid, als mein Bus nach Puttalam endlich anhielt. In Puttalam stieg ich dann in den nächsten Bus um, welcher mich direkt nach Anuradhapura brachte. Dort angekommen eilte ich zunächst zu einem Guesthouse, welches mir von einem Freund empfohlen wurde. Hier stellte ich dann aber fest, dass gerade renoviert wurde, weil zum großen Blumenfest am Samstag viele Gäste erwartet wurden. Der Bruder der Guesthousebesitzerin war dann so freundlich und versuchte mir dann eine Alternative zu organisieren. Letztendlich fand sich in der gewünschten Preiskategorie aber nichts zufriedenstellendes, sodass ich nach einigem Hin-und Her dann wieder in dem ersten Guesthouse endete, wo mir zusagt wurde dass ich am Abend doch in eines der Zimmer einziehen könnte. Nachdem das Unterkunftsproblem endlich gelöst war marschierte ich direkt in Richtung des antiken Stadtteils. Der Fußmarsch war länger als gedacht und führte mich zunächst durch das Stadtzentrum Anuradphuras. Nach einem kurzen Stopp in einem kleinen Kiosk, wo ich mich ein Weilchen mit der dazugehörigen Familie unterhielt sowie einen weiteren Stopp in einem Park, kam ich am Nachmittag endlich bei den Ruinen und Tempel an. Wegen des Blumenfests wurde mir ein kunterbuntes Geschehen angeboten, da viele Buddhisten aus verschiedenen asiatischen Ländern angereist kamen, um da dran teilzunehmen. In dem ersten Tempel angekommen fand ich sogleich Anschluss an vier ältere singhalesische Frauen (eine davon ein weiblicher Mönch), welche für das Fest aus der Südküste angereist kamen. Eine der Frauen lud mich netterweise ein, mich doch zu denen zu setzten. Auf Decken in einem überdachten Gebäude sitzend, erzählen sie mir dann genaueres über sich, ihre Religion, den Tempel und das Blumenfest. Der Tempel ist berühmt für den wohl 2400 Jahre alten Ableger des Bodhi-Baumes, unter dem Buddha die Erleuchtung erlangte. Dieser Baum ist mittlerweile ein Pilgerziel für Buddhisten, was erklärt warum soviele Buddhisten aus verschiedenen asiatischen Ländern anwesend waren.

Bodhi Baum Tempel AnuradhapuraSelbstverständlich wurde ich auch ausgefragt über meine Person und was mich in das ferne Sri Lanka gebracht hat. Nachdem wir uns eine Weile nett unterhalten hatten, begleitete ich die Frauen beim Beten was natürlich ein besonderes Highlight meines Ausfluges war. Normalerweise werfe ich immer nur einen kurzen Blick in Tempel, da ich niemanden beim Praktizieren seiner Religion stören möchte. So hatte ich jetzt aber die unglaubliche Gelegenheit mit dabei zu sein und zusätzliche wertvolle Informationen zu erhalten. Letztendlich verbrachte ich den ganzen Tag mit den Frauen, welche mich nachdem Beten noch auf einen Tee einluden und zum Abschluss mit mir zu einem anderen Tempel gingen, den Ruvanvelisaya Dagoba, um ein weiteres Mal zu beten. Insgesamt eine tolle, einmalige Erfahrung, dass man trotz des Unterschiedes hinsichtlich Herkunft, Alter und Kultur sowie einer kleinen Sprachbarriere, einen so tollen Nachmittag zusammen verbringen kann. Alleine deswegen war der Ausflug nach Anuradhapura definitiv sehr lohnenswert.

Ruwanveli Seya TempelDa es nach dem letzten Gebetsrundgang schon Dunkel war, ging ich direkt in mein Guesthouse zurück, wo die Besitzerin mir ein leckeres Essen zubereitete. Ich war aufgrund der Renovierungsarbeiten zwar der einzige Gast, aber nach dem langen Tag dann auch ganz froh den Abend einfach mit einem guten Buch ausklingen zu lassen. Am nächsten Morgen ging es dann die gleiche Strecke wieder zurück nach Marawila, da ich um 17 Uhr wieder zurück im Angels Home sein wollte. Dort angekommen waren die Mädchen mal wieder putzmunter beim Kabari Spielen und ich wurde direkt von Nadisha aufgefordert beim Kabari spielen gegen sie anzutreten. Ich habe die Aufforderung zwar angenommen, aber da ich nach der Busfahrt nicht in meiner besten Form war, wurde ich ziemlich schnell wieder herausgeworfen. Den Abend verbrachte ich dann noch mit den Mädels auf der Bühne, um ein neues Spiel mit ihnen zu spielen. Die kleinen Mädels wie z.B. Piumi, Harisha und Nandika sollte auf der Bühne tanzen zu Liedern, die Anne, Shanika und Vihanga aus einem Gesangsbuch trällerten. Zwischendurch wurde gestoppt und “Earth, Fire oder Ice” gerufen. Das Mädchen, welches als letztes reagiert, fliegt raus. Der am Ende übrig bleibt hat gewonnen. Das Spiel kam so gut an, sodass wir es bis zum Glockenschlag durchspielten. Dann hiess es nicht nur für die Mädchen schlafen zu gehen, sondern auch ich ging nach meinem anstrengenden 2 Tagen mit Freude meinem Schlafbedürfnis nach.