Simone Schöll. Die Erfahrung. 08.06.2011


Gruppenfoto mit Simone Schöll

Drei Monate die mir im Nachhinein wie ein langer Traum vorkommen. Doch die Erfahrungen werden bleiben für immer.

Die Erfahrung,....

...in drei Monaten 42 tolle Kinder kennengelernt zu haben

...in einem Land die Fremde zu sein und angestarrt zu werden

...einfach mal keinen Plan zu haben, Dinge nicht zu verstehen, diese zwar hinterfragen zu wollen aber keine befriedigende Antwort zu bekommen und das Schwierige daran dies auch so hinzunehmen

... auf einen andere Mentalität zu treffen

... in einer anderen Kultur zu leben, ihre Vorzüge und Nachteile hautnah mitzuerleben

... mit unterschiedlichen Religionen im Kontakt zu sein, sich daran zu freuen, dass ein zusammenleben auch zwischen Menschen verschiedener Religionen friedlich sein kann und beide Seiten bereit sind von der jeweils anderen Religion etwas anzunehmen

...alleine zu sein, zu realisieren wen man eigentlich vermisst und wen nicht, sich klar zu machen welche Freunde wichtige und „richtige“ Freunde sind

...von Kindern zu lernen

...mit Tiergeräuschen einzuschlafen und am Morgen wieder davon geweckt zu werden

...sich eingestehen zu müssen, dass man mit der Arbeit hier nur im ganz ganz Kleinen was bewegen kann und es vielleicht sogar nur ein Tropfen auf den heissen Stein ist

...,dass ich die Schicksaale der Kinder teilweise zu sehr an mich rangelassen habe und feststellen musste, dass ich nicht so emotional sein darf, sondern rationaler werden muss, weil ich sonst selber hier nicht klarkomme

...,dass auch blinde Augen weinen koennen

... gelassener zu werden

...feststellen zu müssen, dass mein eigene Horizont noch zu klein ist um manche Dinge zu verstehen

...,dass Singalesen Rythmus im Blut haben und die Mädels hier unglaublich tolle Tänzerinnen sind, denen niemand so schnell das Wasser reichen kann

... was es bedeutet 3 Monate lang seine Wäsche mit der Hand zu Waschen

...das Müll nicht gleich Müll ist, sondern man teilsweise mit den Dingen noch super spielen kann

...am Wochenende nicht wegzugehen, es aber auch nicht wirklich zu vermissen

...zu hören, dass die einzigen englischen Worte, welche die Kinder von der Beachroad beherrschen meist nur „bye“ „money“ und „bonbons“ sind

...,dass die Lieblingsspeisse von Ratten Seife in alllen Variationen ist. Schampoo, Duschgel, Conditioner, Rassierer,...

...,dass ich die überfreundliche Mentalität anfangs sehr angenehm fand, sie mich aber mit der Zeit fast agressiv machte

...sich ein Zimmer neben einer Praktikantin (was immer sehr schön war) noch mit Spinnen, Gekos, Ratten,...zuteilen was mich am Ende aber gar nicht mehr gestört hat

...eine innige Beziehung mit Moskitos zu führen

...ein Glied einer Kette zu sein, dass eigentlich ziemlich gut reinpasst aber nach einer gewissen Zeit einfach ausgetauscht wird bzw werden muss

...Kindern zu sehen die Lachen aber innerlich am weinen sind

...,dass es manchmal nicht wichtig ist zu sprechen. Gemeinsam Zeit zu verbringen, Sandkuchen zu backen, Schaukeln, Rumtoben, Spass zu haben kann manchmal wertvoller sein als Worte

...das Kinderlachen das Wertvollste öberhaupt ist

...mit 20 Kindern zusammen in einem Raum zu schlafen, nette Gespräche zu führen und das Gefühl zu haben, dass die Entscheidung hier her zu kommen genau die richtige war

...das die Zeit kostbar ist und zu schnell vergeht

....dass jemand einem mit der Zeit Vertrauen schenkt

...dass jedes Mädchen hier im Heim trotz ihrer schweren Vergangeheit eine wunderbare kleine Persönlichkeit besitzt

...dass es gar nicht so einfach ist Unternehmen zum Spenden zu animieren

...hilflos zu sein, auf Palmhütten zu schauen und einfach nichts an der Armut ändern zu können

...jeden Tag Reis zu essen, erst nach dieser Zeit weiss ich Pizza, Nudeln und Co. richtig zu schätzen

....als reiche Weisse abgestempelt zu werden

...bei Gewitter im Bett zuliegen und zu wissen, dass die Dächer der Häuser an der Beachroad teilweise abgedeckt werden und es in ihre Hütten reinregnen wird, man aber selber behütet im Bett liegt und nicht helfen kann

...ein Krankenhaus zu besuchen und unglaublich glücklich und erleichtert zu sein, dass man dort nie selbst hin musste

...in ein Krankenhaus zu gehen und beim Betreten ein Gemisch aus Uringeruch, Eitergestank und Desinfektionsmittel einzuatmen, Menschen mit offenen Wunden halb betaubt, vor Schmerzen jammernd vor den 40-Mann-Bett-Zimmern liegen zu sehen

...sich zu unterhalten, selbst wenn man keine gemeinsame Sprache spricht

....mitzuerleben wie unkoordiniert ein Schulalltag hier teilweise abläuft

...die unfassbar schreckliche Vergangenheit von einigen Kindern zu erfahren und zu beobachten was es in mir bewirkt, teilweise war es richtige Wut die sich in mir ausgebreitet hat

...mit dem waghalsigen Fahrstil der Singalesen. Tuk-Tuks in Deutshcland fände ich jedoch super

...dass einem ein Sonnenuntergang und die vielfaelltige Natur in Sri Lanka den Atem rauben kann

....fast immer barfuss zu laufen und das Gefühl von Unbeschwertheit zu geniessen

....des Freiheitsgefühls, wenn man auf das Meer blickt

....,dass materielle Dinge nicht glücklich machen

...,dass selbst Eisen mal bricht, es aber eine unglaubliche Gaudi sein kann zu 10 auf einer Wippe zu sitzen

...wie schnell man jemanden ins Herz schliessen kann

...wie glücklich einen selbst ein strahlendes Kind machen kann

....mit der Nachhilfe, die mir riesen Spass macht und mir grosse Freude bereitete, wenn jemand endlich einen kleinen Fortschritt gemacht hat, mich teilweise aber auch viel Geduld und Nerven gekostet hat, was dem Ganzen dann aber auch wieder den gewissen Reiz gibt

....immer latent zu schwitzen und sich deshalb nach einer gewissen Zeit auch ziemlich eklig zu fühlen

.... auf einmal nicht mehr die selbstbewusste Frau zu sein. Eine Frau, die in Deutschland stets ihre Meinung äussert, hier aber zu dummen Kommentare teilweise aus Angst einfach nichts sagt

...,dass das Hinundherwackeln mit dem Kopfe „ja“ bedeutet

...mit singalesischer Politik und Burokratie, die Julia und Frank die Arbeit hier nicht erleichtert und einen den sozialen Rechtsstaat Deutschland, in dem doch alles irgendwie seine Ordnung hat, ein wenig vermissen lässt

...verschiedenen Bräuchen und Traditionen mitzuerleben und dadurch die eigene Religion und Kultur zu hinterfragen

Erfahrung die mich sicherlich mein Leben lang begleiten werden

In wenigen Tagen werde ich wieder nach Deutschland fliegen und werde die drei Monate und 42 tolle Mädchen hinter mir lassen. Aber in meinen Herzen werden sie immer sein.

Powered by OrdaSoft!