Perahera und Tempel einmal anders. Tagebuch Simone Schöll 16.05.2011


Am Mittwoch hatte ich das Glück eine kleine Perahera, welche von der örtlichen Schule veranstaltet wurde mitzuerleben.

Eine Perahera ist ein festlicher Umzug, genauer gesagt eine buddhistische Zeremonie. Dort wird getanzt, gesungen, die Mitwirkenden sind festlich gekleidet und am Straßenrand steht die Bevölkerung und bestaunt das Dargebotene.

Die Kinder des Angels Home waren schon einige Tage vorher am Einstudieren von Tänzen und am Basteln von Accessoires, welche sie für den Umzug benötigten.

ShanikaAußerdem mussten für Chatumini und Shanika Osaris gekauft werden. Ein Osari ist im Gegensatz zum normalen Sari, der in der Regel aus einem zusammenhängenden Stück Stoff besteht, ist beim Osari die Scherpe, die man sich über die Schulter legt, eine separate Stoffbahn, die vorne in den Wickelrock hineingesteckt wird. 

  Also machte ich mich einige Tage vorher mit den Beiden auf die Suche, diese war aber nicht gerade einfach. Wir waren in einigen Geschäften in Marawila und auf dem Markt, doch die Stoffe die uns gezeigt wurden waren alle sehr teuer. Eigentlich standen uns für beide Osaris zusammen 2000 Rupien zur Verfügung. Was schon ganz schön viel ist wenn man bedenkt, dass jedes Kind irgendwann einen brauchen wird. Letzten Endes haben wir Stoff für etwas über 2000 Rupie gekauft und die Kosten für die Schneiderin, welche 1600 Rupien betrugen kamen auch noch dazu. Doch die Mädels versicherten mir, dass es nicht billiger gehen würde. Naja ich hatte ihnen vertraut. Als jedoch  die Matron von dem Preis erfuhr (davor war sie krank) meinte sie, dass dieser viel zu hoch gewesen wäre. Danach kam ich mir ziemlich bescheuert vor. Ob mich nun die Mädchen verarscht haben oder ob es wirklich keinen billigeren Stoff gab, weiß ich immer noch nicht. Auf jeden Fall sahen sie in ihren fertigen Saris wunderschön aus.

Ich bewundere Frank und Julia, die tagtäglich, zusätzlich zu ihrer nicht einfachen Arbeit im Heim, auch noch mit Problemen dieser Art zu kämpfen haben.

Nun aber zu der Perahera. Am Mittwochmorgen um kurz vor sieben öffnete ich das Gate zum Heim und es kamen mir wunderschöne Mädels entgegen gerannt. Die Eine hübscher als die Andere. Alle hatten sich mühevoll zu Recht gemacht. Sie sahen bezaubernd aus. Doch teilweise wirkte es so unecht. Sie hatten ihre edelsten Kleider an und waren geschminkt. Große auffällige Ketten und Ohrringe schmückten ihre zierlichen Körper, Blumenschmuck steckt in ihrem Haar...

NawanjenaHasini und Schwester Surangika Asadi

Wir machten uns dann auch schnell auf den Weg zur Schule, da die Perahera um acht beginnen sollte. In der Schule angekommen, trafen die Mädchen aus dem Heim auf ihre Klassenkameraden und sie bestaunten sich gegenseitig. Mittendrin ich. Viele Schulkameraden unserer Mädchen kamen, starrten mich an, nahmen meine Hand oder strichen mir über meine Haut und meinten „white“. Anfangs war mir dies ehrlich gesagt ziemlich unangenehm, mit der Zeit legte es sich aber.

Später zeigten mir die Mädchen die Schule. Die Schule hier ist mit einer deutschen Schule nicht vergleichbar. Die Gebäudewände sind offen (anders wurde man drinnen wohl auch eingehen) und alles wirkt irgendwie sehr unruhig und unkoordiniert.

Die Kinder sollten sich in ihren Klassenräumen treffen, doch bei vielen war einfach kein Lehrer da. Dann sollten sich die Kinder geordnet für die Perahera aufstellen, was jedoch in einem mittelgroßen Chaos ausartete. Ein Mann appellierte durch ein Mikro an die Kinder, was jedoch auch nicht wirklich Erfolg brachte, weil niemand glaub so recht wusste wohin er jetzt sollte. Nach gut einer halben Stunde standen dann jedenfalls alle Kinder geordnet nach Klassenstufen hintereinander und warteten auf den Startschuss.

Marawila PeraheraBlumenkindUm halb neun ging es dann endlich los. Eine Gruppe von Kinder fing an die Nationalhymne zu singen, dazu wurden dann die Flaggen gehisst. Danach startete die Perahera. Der Umzug wurde von einem Tuck-Tuck angeführt in dem ein Mann saß, der die Perahera ankündigte und verschiedene Dinge über die Schule erzählte. Dann folgten unsere Mädels, teilweise waren sie glaub ich ziemlich stolz bei so was mitmachen zu können, einige vermutlich aber auch ein bisschen aufgeregt. Es war schön die Perahera mit anzuschauen!

Ich lief ein Stückchen mit den Mädels mit, doch dann traf ich auch schon Udeshika (ein großes Mädchen aus dem Heim) mit drei kleinen Kindern von uns, die heute keine Schule hatten, und Achini und Kumari, die normalerweise eine Förderschule besuchen, die jedoch heute einen Tempelbesuch geplant hatten. Der Tempel liegt genau gegenüber der Schule also hab ich beschlossen mich denen anzuschließen und nicht den kompletten Weg (der ungefähr zwei Stunden gedauert hätte mit der Perahera mitzugehen).

Kumari (pinkes T-Shirt)So warteten wir also vor dem Tempel auf Achinis und Kumaris Schulkameraden. Als dann auch diese nach kurzer Zeit im Tempel eintrafen gingen wir in den Tempel. Als erstes musste jedoch gefegt werden. Dann bereiteten die Betreuer beziehungsweise Lehrer alles für eine kleine Zeremonie vor. Wir haben wieder verschiedene Bräuche mit den Kindern durchgeführt und obwohl es viele der behinderten Kinder wahrscheinlich nicht wirklich verstanden haben was da geschah, wirkten sie alle irgendwie zufrieden. Als die Kinder schließlich alle Opfergaben (Blumen, Räucherstäbchen,...) vor einer Buddha Statue niedergelegt hatten, begann ein Mönch mit einer kleinen Predigt. Von dem Mönch war ich wirklich begeistert. Er wirkte überhaupt nicht abgehoben, ganz im Gegenteil, er ließ sich total auf die Kinder ein, machte glaub ich teilweise auch ein paar Scherze, sprach langsam, bezog die Kinder mit ein, stellte ihnen Frage, betete langsam, deutlich und mit so einfachen Worten, dass fast alle mitsprechen konnten. Das war wirklich schön dort.

Als wir gerade fertig im Tempel waren, hörten wir von weitem das dröhnende Megafon der Perahera. Also stellten wir uns wieder alle zusammen an den Straßenrand. Die Kinder waren jetzt jedoch nicht mehr vor Freude strahlend, wie am Anfang, als sie losgingen. Alle waren durchgeschwitzt, einige waren am Humpeln und ich glaub fast alle waren sichtlich erleichtert, dass die Perahera sich dem Ende zuneigte. Was ich auch total nachvollziehen konnte, weil ich auch ziemlich fertig war obwohl ich ja eigentlich nur rumgestanden bin.

Danach machten wir uns dann alle gemeinsam wieder auf den Weg zurück ins Heim. Als ich fragte ob es ihnen gefallen hat, sagten alle „ja“ und berichteten mir, dass anscheinend auch ganz viele Leute zugeschaut hätten.

Im Heim angekommen besichtigten noch die Kinder und Lehrer der Förderschule spontan das Heim. Danach befreiten sich die Kinder von ihren „Kostümen“ und der Schminke, dann wurde gegessen und danach wollten sie sich erst mal hinlegen.

geschmückte AltarDie Nachbarschaft Am Donnerstag fand im Heim eine kleine Zeremonie statt. Schon am frühen Nachmittag wurde alles dafür vorbereitet und es entstand ein schöngeschmückter Altar.

Die katholischen Kinder verlassen um fünf,  in schönen weißen Kleidern, das Heim und liefen zum Nachbarhaus um dort die „heilige Maria“ (eine Maria Statue) zu empfangen. Die buddhistischen Mädels warteten mit mir zusammen am Gate bis die anderen wieder zurückkamen. Nach ca. einer halben Stunde kamen dann alle zusammen, also die Nachbarn und unsere Kinder, singend ins Heim. Die buddhistischen Mädels und ich schlossen uns dann dem Gebetszug an. Danach beteten alle zusammen vor dem Altar den Rosenkranz.

gemeinsames BetenAls dies nach ca. einer dreiviertel Stunde fertig war verabschiedeten sich die Nachbarschaft mit „God bless you“ und demselben auf Singalesisch.

Eine Nacht war die Marienstatue nun im Heim, dann brachten die Kinder sie zusammen mit der Matron zum nächsten Nachbarn und so wiederholt sich der Brauch den ganzen Mai und Maria wandert durch das Dorf.

Mir wurde erklärt das der Monat Mai bei den Katholiken der Maria gewidmet ist und sie in diesem Monat speziell zu ihr beten. In diesem Monat gibt es hier auch den beschriebenen besonderen Brauch, dass nämlich eine Marienstatue durch die ganze Nachbarschaft geht. Und das Schöne daran ist (wenn ich es richtig verstanden habe), dass dies ein Zeichen der Freundschaft darstellt und man nach dem beten dann alles Schlechte was man mit dieser Person aus der Nachbarschaft erlebt hat oder verbindet hinter sich lässt und von Vorne beginnt. Ein sehr schöner Brauch wie ich finde!

Bis zum nächsten Mal, eure Simone.

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