Svenja Mau. Von Nachhilfestunden und Gefühlen in Sri Lanka. 15.03.2011


Inzwischen bin ich seit etwa drei Wochen in Marawila. Wahnsinn, wie die Zeit vergeht! Die erste Phase, in der ich einfach nur noch meine Waschmaschine und mein Badezimmer in Deutschland wieder haben wollte und die vielen Krabbeltiere, die hier unterwegs sind, nicht mehr sehen konnte, habe ich inzwischen ganz gut überwunden und mich daran gewöhnt. Es dauert eben wirklich seine Zeit, bis man richtg angekommen ist.

Svenja Fünf Tage die Woche gebe ich hier nun einem der großen Mädchen, Mali, Nachhilfe am Computer, was auch wirklich Spaß macht. Wir haben uns gut aneinander gewöhnt und wenn wir uns aufgrund mangelnder Englischkenntnisse im Bereich von „Computer-Vokablen“ mal nicht verstehen, erklären wir einfach mit Händen und Füßen, was wir gerade sagen wollen. Das klappt in den allermeisten Fällen zum Glück auch! Mali hat wirklich eine gute Auffassungsgabe, sodass man auch das Gefühl hat, ihr etwas beibringen zu können.

Trotzdem merkt man – auch in der Computer-Nachhilfe –, dass die Kinder hier einfach zu einem völlig anderen Lernen und Arbeiten erzogen werden. In Sri Lanka wird einfach unglaublich viel Wert auf Ordentlichkeit gelegt – da gibt es auch mal etwas auf die Finger, wenn die Hefte nicht perfekt aussehen. Folglich verschwenden (!) alle Kinder, ob groß oder klein, unheimlich viel Zeit darauf, Dinge ordentlich und farbenfroh aufzuschreiben, anstatt effetiv und effizient zu lernen – die Mädchen im Angels Home sind da natürlich keine Ausnahmen. Wie auch? Es ist ihnen ja jahrelang in der Schule so beigebracht worden!

Sie haben jedoch das große Glück, dass es immer jemanden gibt – ob Frank, Julia oder deutsche Praktikantinnen –, der darauf achtet, das sie anfangen, selbstständig zu denken und zu reflektieren, was sie wie tun. Und ich bin froh, einen kleinen Teil dazu beitragen zu können! Den meisten Kindern dieses Landes werden solche Dinge jedoch nicht beigebracht, was als Außenstehender zu Gefühlen wie Ratlosigkeit, Unverständnis und auch Wut führt.

Wenn es schon im Angels Home so ist, dass kurze Notizen die Zeit für den eigentlichen Unterricht rauben (da dann doch in drei verschiedenen Farben geschrieben und teilweise einfach, teilweise doppelt mit Lineal unterstrichen werden muss oder Spiegelstriche keine einfachen Striche sind, sondern kleine Kunstwerke), wie ist es dann außerhalb des Heims?! Und wie soll sich dieses Land weiterentwickeln können, wenn die Kinder – also die Zukunft dieses Landes – so ausgebildet werden?!

Hoffen wir darauf, dass die Mädchen des Angels Home Gedanken und Arbeitseinstellungen, die sie hier beigebracht bekommen hinaustragen und an ihre Freunde, Familien und später auch an ihre Nachkommen weitergeben und zumindest einen kleinen Teil dazu beitragen, dass Sri Lanka einmal den Schritt Richtung Entwicklung und Wachstum schafft!