Katja Sorowsky. Und es bleiben die Erinnerungen an …28.10.2010


Nun  bin ich schon seit über eine Woche wieder in Deutschland und habe gestern Abend meinen WG-Mitbewohnern das neue Video für die Homepage des Dry Lands Projects gezeigt, dass ich zusammen mit Elvira und Nadine gestaltet habe (in Kürze auf der Website zu sehen). Und da waren sie, die Erinnerungen an 24 Kinder, die ich alle mit ihren einzigartigen Persönlichkeiten ins Herz geschlossen habe, deren Gekicher und Lächeln mir mehr fehlt als das Meeresrauchen, das ich hörte, wenn ich abends im Bett lag und als der Sonnenschein, mit dem ich 3 Monate verwöhnt worden bin. Bei jedem Kinderportrait im Video fing ich, an meinen Mitbewohnern zu erzählen:

Das ist…

… Dinesha, die es an einem Nachmittag am Strand wahnsinnig witzig fand, mich klatschnass zu spritzen.

… Shehara, die noch so klein ist, dass die Matron sie manchmal nachts auf einer Matratze neben ihrem eigenen Bett schlafen lässt, damit sie nicht so alleine ist.

… Kumari, die jetzt in die Schule gehen kann und anfängt, in ganzen Sätzen zu sprechen.

… Mali, mit der ich, als ich im Heim übernachtet habe, eine 2-stündige Unterhaltung über Gewalt in Beziehungen führte.

… Chanchala, von deren Selbstdisziplin, mit der sie ihre Hausaufgaben macht, ich noch etwas lernen könnte.

… Piumi, die stundenlang laut lachend mit Knetmasse spielt und bei der die schönsten Figuren dabei rauskommen.

… Asadi, mit der ich wegen ihrem Hautausschlag ewig beim Arzt saß und wartete, während sie mir freudig plappernd Dinge erklärte, die ich nicht verstand.

… Hasini, die eine kleine ausgesetzte Katze am Zaun sitzen saß und ihr Asyl in der Hundehütte bot.

… Emesha, die jeden, den sie mag, beim Vorbeigehen einen Klaps auf den Po gibt und dann fluchtartig das Weite sucht.

… Udeshika, der ich gemeinsam mit Elvira Fahrradfahren beigebracht habe.

… Sanduni, die ich versuchte, auf ihre Geographieprüfung vorzubereiten, während sie mit mir das singhalesische Alphabet übte.

… Subani, die jedes Mal auf mich zugerannt kam und mir ihre Arme ausstreckte. Dann nahm ich ihre Hände und sie sprang hoch wie ein Äffchen.

… Nadisha,  die mich oft zum Sprintduell herausforderte und der man bei allen anderen Spielen erklären musste, dass sie ein Mannschaftsspiel nicht alleine bestreiten kann und sie die anderen mitspielen lassen soll.

… Chatumini, die mir nach einem Badminton-Match von ihrem Boyfriend erzählte, von dem sie sich getrennt hatte.

… Shakina, die ich nicht im Steinspiel schlug, weil sie mit ihren Händen so unglaublich geschickt ist.

… Vihangha, die immer mit einem Ballspiel zu begeistern war, aber nur alleine. Sie brauchte manchmal ungeteilte Aufmerksamkeit. Sie ist oft so zurückhaltend, dass sie einfach nicht auffällt.

… Nawanjena, die trotz dem sie vierte Klasse besucht, noch nicht wirklich lesen und schreiben kann, aber immer mit Spaß in der Englischnachhilfe gearbeitet hat und noch Zusatzaufgaben wollte. (Nächstes Jahr wird sie zurückgestuft und bekommt die Chance, die sie braucht).

… Shanika, die während meines Aufenthaltes zum „Big Girl“ wurde und ritualgetreu 3 Tage das Krankenzimmer nicht verließ.

… Hiruni, die mir an einem Tag über mein Bein strich und ganz verwundert wirkte, da rasierte Beine sich für anständige Frauen in Sri Lanka nicht gehören.

… Dilki, die mir auf dem Heimweg von der Schule erzählte, dass sie es nicht mag, wenn alle Klassenkameradinnen sie über mich ausfragen.

… Anne, die mir in den letzten Tagen immer wieder sagte „Du sollst nicht gehen“ und „Komm wieder“ und mir damit den Abschied wirklich schwer machte.

… Kavindiya und Mauri, die beim Tanzen eine Wahnsinns-Ausstrahlung haben, sodass Frank in ein paar Jahren wahrscheinlich unzählige junge Männer im Büro stehen hat, die um ihre Hände anhalten.

... Sawani, die erst kurz bevor ich die Mädels verlassen musste im Heim einzog. Ich hatte das Gefühl, dass sie von Tag zu Tag mehr aufblühte und dass alle Mädchen versuchten, sie mit einzubeziehen um ihr einen guten Start zu verschaffen.

SheharaBallspieleDie Kinder vom Angels Home

Ich danke Frank und Julia für die Möglichkeit, diese Geschichten erleben zu können und für eine tolle Zeit. Ich denke, Sawanis Aufnahme ist ein gutes Omen für die Eröffnung des neuen Heims im Januar und die Aufnahme von bis zu 35 neuen Kindern. Ich hoffe, dass sie mit ähnlich offenen Armen empfangen werden wie Sawani. Ich wünsche Julia und Frank weiterhin viel Kraft und Durchhaltevermögen mit dieser großen Verantwortung. Ich habe selber erlebt, dass es als Mensch mit weißer Hautfarbe nicht immer einfach ist, in Sri Lanka zu leben. Ich bewundere alle, die in diesem wunderschönen Land, dessen Kultur unserer eigenen so fremd ist, als Nicht-Asiaten glücklich leben können. Ich kam mir oft angestarrt vor, bin aber dankbar für die Erfahrung des Andersseins. Ich wurde immer freundlich, aber ständig, angesprochen und gefragt, ob ich Hilfe brauche. Nun braucht man ja nicht ständig Hilfe... und ich habe 3 Monate auf Einiges verzichten müssen, auch wenn es belanglos klingt, z.B.: die Waschmaschine und den Kaffee, auf den man sich mit einer Freundin trifft oder das Müsli zum Frühstück. Dauerhaft in Sri Lanka zu leben, könnte ich mir nicht vorstellen. Aber ich komme bestimmt wieder, denn eine Reise lohnt sich auf jeden Fall. Für mich aus mindestens 3 Gründen: Erstens, um zu sehen, was aus den Mädels geworden ist. Davon, dass es ihnen im Angels Home gut geht, gehe ich aus. Zweites, für den Einblick, dass Menschen in fremden Ländern vielleicht viel weniger materielle Dinge besitzen aber trotzdem nicht mehr oder weniger glücklich sind. Und Drittens, weil das Land wunderschön und vielfältig ist mit seinem Hochland und seinen Traumstränden, das Essen ist lecker, Sri Lanka ist reich an Kultur, hat viele Nationalparks und …. Ich habe noch nicht alles gesehen.