Katja Sorowsky. Roadtrip Teil 1: Vom Angels Home bis zur Flucht vor dem Regen. 12.09.2010


 So hier bin ich wieder. Ich habe mich jetzt  länger nicht gemeldet, denn in der letzten Zeit befand ich mich meistens in einer interfreien Zone.  Ich habe mein drei monatiges Praktikum beim Dry Lands Projekt in der Ferienzeit, die viele der Kinder bei ihren Verwandten verbrachten, für 2 Wochen unterbrochen.  Mein Freund Enrico hat mich hier in Sri Lanka besucht.  Wir haben diese Zeit nicht im Angels Home, sondern mit einer Rundreise quer über die Insel verbracht.

Reiseroute

Erster Tag

Mitten in der Nacht habe ich Enrico zusammen mit Christie, dem Tuk Tuk Fahrer, der uns in Marawila eigentlich immer von A nach B bringt, vom Flughafen abgeholt. Dank Zeitverschiebung und Zwischenaufenthalt in Dubai fehlte Enrico eine Nacht Schlaf, die es erstmal aufzuholen ging. Julia und Frank waren so nett, an dieser Stelle nochmal Danke, ein Praktikantenzimmer dafür zur Verfügung zu stellen. Am frühen Nachmittag (also bei Enrico vor dem Frühstück) habe ich ihn dann aus dem Bett geschmissen. Ich wollte ihm Marawila und das Angels Home unbedingt zeigen. Die Mädchen warteten auch schon ganz ungeduldig und wollten ihn endlich kennenlernen. Wir öffneten das Tor zum Kinderheim und sofort ging das Gekicher los. Enrico hat Tunnel im Ohr und Ohrringe sind bei Männern hier in Sri Lanka so unüblich, dass die Mädels kurzzeitig der Meinung waren, Enrico sei ein Mädchen. Nach Aufklärung des Missverständnisses machten wir (Julia x 2, Elvira, Enrico und ich) mit den Kindern einen Ausflug zum Strand. Dinesha hat es fertig gebracht, mich samt kompletter Kleidung klatschnass zu machen... kurze Zeit später und nach einer grossen Welle war ich nicht mehr die Einzige.

Zweiter Tag

Früh aufstehen und schnell nach Colombo war das Motto. Es war der letzte Tag, bevor mein sri lankisches Touristenvisa abgelaufen war. Visaverlängerungen sind im Immigration-Office ein bisschen speziell. Deutsche Bürokratie ist nichts dagegen. 25 euro ärmer, um 100 Eindrücke und 6 Passierscheine reicher und drei ein halb Stunden später hatte ich meinen Stempel im Reisepass und der Urlaub konnte beginnen. Und er begann mit einer Busfahrt ins 5 Stunden entfernte Dambulla. Dort befindet sich ein Höhlentempel, zu dem wir zunächst wandern mussten. Es hat sich gelohnt: auf dem Weg ergaben sich tolle Ausblicke auf das zentrale Bergland. Direkt davor befindet sich eine Saron (Meannerrock) Verleihstation für alle, die ihre anzipbaren Hosenbeine vergessen, wie Enrico. Drinne angekommen, fiel mir das Staunen nicht mehr schwer: Felsmalereien, die z.T. über 2000 Jahre alt sind, sowie unzählige über 10 m hohe Buddhastaturen.

Dambulla

Dritter Tag

In der Region zwischen Dambulla und Kandy werden viele der in Sri Lanka produzierten Gewürze angebaut, also raus aus dem Bus, rein in den Gewürzgarten bei Matale und gleich in die Arme eines Guides. Es ist zwar ganz schön, wenn man eine Führung bekommt und Muskat, Kardamon, Kurkuma, Pfeffer, Safran, Chili, Nelken, Zimt mal an ihren Bäumen und Strauchern sieht. Aber dass der Guide, nachdem er bezahlt wurde, immer noch der Meinung war, wir müssten die völlig überteürten Gewürze im dazugehörigen Shop kaufen, fanden wir das nicht mehr so witzig. Es folgte der fluchtartige Sprung  in den nächsten Bus bis Aluhiware, dem nächsten Felsenkloster. Dort wurden wir von 2 buddhistischen Nonnen empfangen, die uns Tee anboten und Litschiis schenkten, die ungefähr dreimal so gross sind, wie die, die es in Deutschland zu kaufen gibt. Das war die nette Begegnung des Tages.

Enrico mit zwei Nonnen

Vierter Tag

Schon als wir am Abend zuvor Kandy erreichten, regnete es Bindfäden.  Kein Wunder wenn man zur Monsunzeit hinfährt. Die Frage ist nur, warum eines der grössten buddhistischen Feste der Welt auf einen Regenmonat fällt und damit genau auf unsere Reisezeit. Wir waren zum August Poya Day (Vollmond) in Kandy. Die ganze Stadt war mit Lichterketten geschmückt, die Strassen von Tribünen gezäumt und schon Stunden bevor der Festumzug begann, sicherten sich die Zuschauer Plätze in der ersten Reihe. Das war auch unser Plan. Also wickelten wir uns bei strömendem Regen in Plastikplanen ein und warteten am Strassenrand. Leider haben wir geschwächelt. Durchgefroren kauften wir kurz vor Beginn dann doch noch Sitzplätze für die Tribüne. Für einen angeblichen „Local-Price“ sassen wir zwischen anderen weissen Reisenden. Der durchschnittlich verdienende Einheimische kann sich die Karte gar nicht leisten.  Für meinen Geschmack zu touristisch aber im trockenen sahen wir einen gigantischen Festumzug mit Trommlern, Tänzern und geschmückten Elefanten.

Kandy Perahera

Fünfter Tag

Es regnete schon wieder. Bevor wir beschliessen konnten, dass wir genug Tempel für unsere Reise besichtigt hatten, mussten wir den Einen noch sehen: Den Tempel des heiligen Zahns in Kandy. Denn zu Ehren eines Eckzahns Buddhas, der dort in einem Schrein aufbewahrt wird, findet das ganze Fastival überhaupt erst statt. Für mich war es schon der zweite Besuch. Einige Wochen vorher hatte ich ihn schon mal mit den anderen Praktikantinnen besichtigt. Diesmal war die Besonderheit, dass die Elefanten des Festumzugs, die Tänzer und die Trommler auf dem Gelände untergebracht waren...  die ganze Anlage wirkte zeitweilig wie ein Ferienlager und ein Zoo gleichzeitig. Schon witzig. Von den Mädchen aus dem Angels Home habe ich den Tipp bekommen, dass der botanische Garten in Kandy wirklich toll sein soll. Eigentlich kann ich mich für Pflanzen sonst nicht so sehr begeistern, aber das Orchideenhaus hat mich dann doch beeindruckt. Sehr zum Leid von Enrico, der ertragen musste, dass ich jede Pflanze einmal fotografierte. Die Alternative zu dieser Indoorveranstaltung war allerdings ein Spaziergang im strömenden Regen, eine Option,  die er dann auch nicht wählte. Ursprünglich hatten wir für die nächsten Tage ein paar Wanderungen durch Teeplantagen geplant, hatten aber keine Lust mehr auf Regen. Dank der verschiedenen Klimate in Sri Lanka, ist aber immer irgendwo Trockenzeit. Nächstes Ziel: Arugam Bay an der Ostküste. Bis Ampara haben wir es am selben Tag noch geschafft.

Roadtrip Teil 2 erwartet euch mit dem Warten auf Wellen, der Reise zum Ende der Welt, Angeln auf sri lankisch und dem komischen Süden.

Liebe Reisegrüsse,

Katja

Roadtrip zweiter Teil