Tagebuch Konstanze Rehle. Nur noch wenige Tage. 26.06.2010


 Mein Praktikum ist nun fast schon vorbei. In ein paar Tagen findet das Abenteuer "Dry Lands" sein Ende. Ein Monat ist wirklich sehr kurz. Wenn man die Vielfalt an Eindrücken und Erfahrungen bedenkt und wieviele Informationen man allein in den ersten 2 Wochen verarbeiten muss, dann ist ein Moant absolut nicht ausreichend.

Wenn man hier ankommt, muss man sich erst einmal mit dem Klima, der Mentalität der Leute, dem Essen, den vielen Tieren und Pflanzen vertraut machen und hat eigentlich gar keinen Kopf für die Arbeit im Heim. Mir fiel die Eingewöhnung im Heim ziemlich leicht, da ich wie gesagt, aus dem pädagogischen Bereich komme und die Arbeit nichts absolut Neues für mich ist. Also nach meiner Erfahrung braucht man schon mindestens 2 Wochen, um sich einzuleben und dann erst kann die eigentliche Arbeit beginnen. Allerdings ist dann die Hälfte der Zeit schon um und man reist bald schon wieder ab.

Also mein Tipp für alle zukünftigen Praktikantinnen: Plant mehr Zeit für das Praktikum ein, vor allem wenn ihr noch keine Auslandserfahrung oder keine Erfahrung im pädagogischen Bereich habt. Die Arbeit mit den Kindern ist nämlich auch nicht zu unterschätzen.

Damit ihr euch mal ein kleines Bild von dem machen könnt, was ich hier den ganzen Tag so mache, hier ein kleiner Überblick:

Ein normaler Tagesablauf sieht bei mir so aus, dass ich morgens spätestens 8:45 Uhr das Haus verlasse um ins Heim zu fahren. Dort angekommen kümmere ich mich um die Kinder, die momentan nicht zur Schule gehen und gebe ihnen Nachhilfe. Gegen 13.00 Uhr gibt es für uns Mittagessen und gegen 14.00 Uhr kommen die Mädchen aus der Schule. Von 15.00-17.00 Uhr ist Zeit für die Englischnachhilfe und danach ist noch Zeit zum spielen. Bevor ich gegen 18:30 Uhr zuhause ankomme, mache ich noch Besorgungen im "Supermarkt", dann gehen wir gemeinsam essen im Mascha oder essen zuhause und dann geht es schon ins Bett.

Nebenbei mache ich noch Öffentlichkeitsarbeit, meist an meinem PC. An diesen Tagen fahre ich gegen mittag ins Heim. Der Englischunterricht will auch vor-u. nachbereitet werden, was je nach Erfahrungsstand mehr oder weniger zeitintensiv sein kann. Hinzu kommt das regelmäßige Verfassen der Tagebucheinträge. Ich würde meinen, es ist ein Vollzeit-Job, genauso wie eine reguläre Arbeit in Deutschland. Und hier ist man ja auch nochmal ganz anders dabei, da man sich ja sehr mit dem Projekt beschäftigt und bis spät nachts noch darüber nachdenkt. An meinem freien Tag, den ich einmal die Woche voll auskoste, nehme ich mir dann ausschließlich Zeit für mich selbst und unternehme irgend etwas schönes. Letztens war ich im "Palm Bay"-Hotel, um da ein paar Runden im Pool zu schwimmen. Das tat gut! Endlich mal ins kühle Nass.

Nicht zu vergessen ist auch, dass man ab und zu Wäsche waschen muss (mit der Hand). Das stört mich nicht weiter. Im Gegenteil, da lernt man wieder zu schätzen was für einen Luxus man doch zuhause hat, mit unseren tollen Waschmaschinen! Wäsche rein, Waschmittel rein, anschalten, los geht's. Und die restliche Zeit kann man dann auch noch total sinnvoll nutzen. Was hier nicht der Fall ist. Für's waschen brauche ich ungefähr eine Stunde, wenn es wenig Wäsche ist. Da das ganze bei dieser Hitze nicht ohne einen erheblichen Kraftaufwand zu bewerkstelligen ist, fühlt man sich hinterher wie nach 3x um den Block gerannt. Es ist zeit-und kraftaufwändig. Da frage ich mich, wieso wir in Deutschland immer so gestresst sind, wo wir doch so viele zeitsparende technische Neuheiten besitzen und genießen dürfen???

Es sind immer die gleichen Fragen, die mir hier durch den Kopf gehen. Und ich bin auch froh, dass ich mal die Erfahrung über einen längeren Zeitraum hinweg mache, mit einem vergleichsweise geringen Lebensstandard auskommen zu müssen. Wir haben hier keinen Fernseher, aus der Dusche kommt kaltes, tröpfelndes Wasser, Stromausfall ist keine Seltenheit genauso wie Wassermangel. Internetanschluß gibt es hier auf dem Land normalerweise überhaupt nicht. Aber wir haben zum Glück einen, worüber ich auch wahnsinnig froh bin! Denn an manchen Abenden würde ich sonst echt nicht wissen, womit ich mich beschäftigen soll und vor lauter Langeweile verzweifeln. Sich abends im Dunkeln allein an den Strand zu setzen ist ziemlich sinnfrei, mal ganz abgesehen von den Gefahren, die da lauern und für nen Stadtbummel braucht man auch Tageslicht und vor allem ZEIT.

marawila-beachmarawila-beach1Am Strand war ich daher bis jetzt nur 2 mal, um mir mal das tosende Meer anzuschauen. Baden kann man da zur Zeit nicht, weil die brausenden Wellen einfach unberechenbar sind. Der Strand ist abgesehen davon auch nicht besonders liebenswürdig. Überall Müll. Riesige Steine, die die Wassermengen abfangen sollen, machen den eigentlichen Strand unbegehbar. Aber was soll's, das ist eben ein Teil von Sri Lanka, den man nunmal so akzeptieren muss, wie er ist. Mein letzter Eintrag folgt in wenigen Tagen.

 

Sonnige Grüße,

eure KonstanzeGrinsen

 


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