Tagebuch Konstanze Rehle. Auf den Spuren der Kinder. 16.06.2010


 Nun bin ich bereits seit knapp 3 Wochen hier und ich bin erstaunt darüber, wie schnell ich mich eingelebt habe. Die Zeit vergeht auch rasend schnell, dadurch dass man jeden Tag eine Menge zu tun hat und abends erst kurz bevor es dunkel wird wieder heim kommt. Hier in Sri Lanka erscheinen die Tage auch kürzer, da schon gegen 19.00 Uhr die Sonne untergeht. Man sollte also den Tag intensiv nutzen.

Letztens war im Heim wieder einer der Tage, an dem den jüngeren Mädchen die Haare geschnitten werden. Zum besseren Verständnis: Hier ist es so, dass alle jüngeren Mädchen kurze Haare tragen, das ist einfach praktischer. Alle älteren hingegen tragen lange Haare. Ich denke aber auch, lange Haare sind vor allem ein Symbol für Weiblichkeit. Vor allem hier auf dem Land habe ich noch keine einzige Frau mit kurzen Haaren gesehen. Dementsprechend exotisch muss ich hier wohl als weiße Frau und dann auch noch mit kurzen Haaren aussehen. Ich komme mir auch langsam selbst ein bisschen komisch vor. Winken

Nun ja, jedenfalls kam ich zufällig dazu, als die Matron (Heimleiterin) der Shakina die Haare schnitt. Im Garten. Als ich das Ergebnis sah, war ich etwas traurig. Shakina hatte vorher so schöne Löckchen und eine richtig hübsche Frisur. Nun sah sie aus wie... das kann ich nicht beim Namen nennen. Der Kopf sah an manchen Stellen wie rasiert aus, an anderen waren hingegen noch ca. 1-3 cm lange Haarbüschel. Ihr Kopf wirkte ein wenig chaotisch. Ok, nun war Asadi an der Reihe. Ich witterte meine Chance und fragte die Matron, ob ich mal übernehmen dürfte. Sie fragte mich ob ich das denn auch bringe?? :ÜberraschtIch sagte, ich versuch's einfach mal. konstanze-asadiUnd ich gab mir auch die allergrößte Mühe, denn ich wollte Asadi eine schöne, freche Frisur verpassen, die ihr auch steht. Ich schnibbelte und schnibbelte, ganz behutsam, mit Kamm und Schere. Ich glaube, Asadi fand es auch gut. Zumindest sagte sie es, als ich sie nach ihrem Befinden fragte: "good!" Sie wurde immer entspannter. Als ich fertig war und auch ein klein wenig stolz auf mein Ergebnis, denn Asadi sah richtig süß aus (hab leider kein Foto davon), schaute ich rüber zur Matron und ich sah schon an ihrem Blick, dass sie mit der Frisur nicht einverstanden war. Ich sollte die Haare noch kürzer schneiden, obwohl sie schon sehr kurz waren. Was ich widerwillig tat. Ich will es mir ja auch nicht verscherzen mit der Matron. :-) Aber das Endergebnis war auch ok, wenigstens war die Frisur gerade.

asadiJa, die Haare sind nun ab, aber Asadi und ich, wir haben jetzt etwas, dass uns näher zusammen gebracht hat. Ich habe gemerkt, dass sie sich dabei wohl fühlt und mir ging es gut, weil ich etwas für sie tun konnte. Und gewissermaßen war es auch eine Ehre für mich, ihr die Haare zu schneiden. Wer kann schon von sich behaupten, einem singahlesischen Mädchen die Haare geschnitten zu haben und das auch noch direkt vor Ort? Grinsen.

Am gleichen Tag wurden im Heim auch die Kokosnüsse von den Palmen im und um den Garten herum gepflückt. Nachmittags hatten einige Kinder dann die Aufgabe, die Nüsse alle an einen Platz zu räumen, dort zu schälen und in Säcke zu verfrachten. Das war ein heiteres Treiben! Für die, die es nicht wissen: Die eigentliche braune Kokosnuss, die wir von Deutschland kennen, hat wenn sie gepflückt wird noch eine zusätzliche grün-gelbe, dicke Schale. Das Innere der Kokosnuss wird hier landestypisch nicht roh verzehrt, sondern zum Kochen verwendet.

Ich habe die Mädchen erst eine Weile beobachtet und mir jeden Arbeitsschritt genauestens angeschaut, um dann mal selbst mit anzupacken. Es ist gar nicht so einfach, die Schale mit Hilfe eines Keils, der im Boden verankert ist, von den Kokosnüssen ab zubekommen! Das braucht wohl ziemlich viel Übung. Versucht habe ich's, aber die Technik ist mir noch nicht so wirklich geläufig. Auf jeden Fall hat es sehr viel Spaß gemacht! Wie man auf dem Foto sieht.

dilki-shanikakonstanzeshanika

Die Kinder waren auch begeistert, als ich mich bereit erklärte, eine Kokosnuss zu schälen. Vor allem Shanika freute sich, denn dann durfte sie mit meiner Kamera Fotos machen. Normalerweise gebe ich meine Kamera nicht gern in Kinderhände (egal ob deutsche oder singhalesische), ich hab Shanika auch vorsichtshalber nochmal ganz konkret gesagt, dass sie sehr vorsichtig sein muss. Sie wusste erstaunlicherweise gleich Bescheid, wie das Ding funktioniert, ich musste nichts erklären. Woher sie das wohl weiß? Winken

Nun ja, als ich mir ihre Fotos hinterher auf dem Laptop anschaute, staunte ich nicht schlecht. Sie sind wirklich gut gelungen. Besser hätt' ich's auch nicht hingekriegt.

Ich finde es auch total schön, wie die Kinder aus sich herauskommen, wenn man ihnen zeigt, dass man sich für sie und ihr Leben interessiert.

Nach der Arbeit mit den Kokosnüssen hatte ich noch ein wenig Zeit bis zur nächsten Nachhilfestunde und bin gleich rüber zu Vihanga. Sie war gerade dabei, den Boden zu fegen. Ich finde die Muster, die beim Fegen entstehen auf ihre ganz eigene Art, sehr ästhetisch. Bei uns würde, glaube ich, niemand auf die Idee kommen, einen sandigen Boden zu kehren. Abgesehen davon, ist bei uns ja fast alles betoniert und dementsprechend sind der künstlerischen Gestaltung der Böden Grenzen gesetzt.

Nun wollte ich auch hier mal mein Glück versuchen und schauen ob ich das genauso gut hinbekomme. Das klappte schon besser als die Kokosnuss-Schälerei. Auch hier waren die Kinder wieder sehr erfreut (inzwischen kamen noch Asadi und Hasini hinzu), da auch sie ihre Chance witterten, mich dabei zu fotografieren. Nachdem ich gesehen hatte, wie gut die Fotografiererei bei Shanika funktioniert hat, gab ich auch diesen Mädels einen gewissen "Vertrauensvorschuss" und es lief auch alles glimpflich ab mit der Kamera. Dabei entstanden etliche Fotos u.a. dieses hier:

asadi-konstanze-vihanga

Es war ein toller Tag mit vielen neuen Eindrücken und Erfahrungen!

In diesem Sinne, bis zum nächsten Eintrag.

Eure Konstanze