Tagebuch Konstanze Rehle. Schlaflos in Sri Lanka.04.06.2010


   Seit 4 Tagen bin ich nun hier und weiß gar nicht, wovon ich als erstes berichten soll. Es sind einfach unglaublich viele Eindrücke, Erlebnisse und Bilder die hier auf mich einströmen. Deswegen habe ich mir gedacht, berichte ich mal davon, was mich in den ersten Tagen am meisten beschäftigt hat:

Die Schlaflosigkeit.

Als ich nach 12,5 Stunden Flug (mit kurzem Zwischenstop in Dubai – von oben viele viele bunte Lichter!) in Sri Lanka ankam, freute ich mich vor allem auf eine große Portion Schlaf. Denn im Flugzeug und auch während der Zugfahrten zuvor habe ich kein Auge zu bekommen.

Woran das nun genau lag, keine Ahnung. Ausschlaggebend waren auf jeden Fall die Enge, die Lautstärke und natürlich innere Anspannung.

Auf jeden Fall war ich, als ich hier ankam schon insgesamt 27 Stunden am Stück wach und dementsprechend neben der Spur. Hinzu kommt, dass ich eine Reise mit Zeitverschiebung zum ersten mal mache und keinerlei Erfahrung damit habe. Bei meiner Ankunft war es hier ca. 7.00 Uhr, normalerweise Zeit zum aufstehen, für mich gefühlte Zeit zum schlafen gehen und glücklicherweise konnte ich das nach einem kurzen Rundgang mit Julia durch meine neue Unterkunft auch machen. So habe ich also gleich mein Bett eingeweiht. 2 Stunden Schlaf, in diesem Moment ein unsagbarer Luxus für mich. SCHLAF, ein Wort, das ich schon gar nicht mehr buchstabieren konnte, vor lauter Mangel. Da wurde mir erstmal klar, wie wenig man doch braucht, um glücklich zu sein und wie wichtig die eigentlich alltäglichen, selbstverständlichen Dinge werden können, wenn man sie nicht mehr hat.

Im meinem neuen Bett kam ich mir vor wie in einem Tropenhaus (ist ja genau genommen auch eine realistische Einschätzung). Die vielen Geräusche der unzähligen Insekten, Vögel und anderer Tiere waren schon ungewohnt, aber auch faszinierend und entspannend. Und dann ist ja da auch noch diese unsagbare Hitze, man hat die ganze Zeit einen klebrigen Film auf der Haut. Als ich nach meinem Nickerchen geduscht habe, war das zwar sehr sehr erfrischend und wohltuend, jedoch habe ich beim abtrocknen sofort wieder angefangen zu schwitzen. Die Hitze ist sehr ungewohnt für einen "Kaltblüter" wie mich. Das beste Mittel ist wohl, sich einfach damit abzufinden und den klebrigen Film einfach zu ignorieren und als normal anzusehen, dann schwitzt man auch nicht mehr so doll (psychologischer Effekt).

Aber das alles war mir im Moment des Einschlafens dermaßen egal, ich genoß es nur noch, endlich entspannt wegnicken zu können. Weingstens für 2 Stunden. Danach ging es gemeinsam mit Julia, im Tuk Tuk ab ins Angel's Home zur "Erstbesichtigung". Tuk-TukGanz nebenbei, ein Tuk Tuk ist ein dreirädiges Gefährt, eine Art Moped, vorn ein Rad, hinten zwei. Vorn sitzt der Fahrer, hinten können maximal drei Mitfahrer sitzen. Das Teil ist überdacht und an den Seiten offen, also herrlicher Fahrtwind. Es macht einen riesen Spaß, sich damit rumkutschieren zu lassen!

Als wir im Heim ankamen gab es gleich Mitagessen. Reis mit verschiedenen Beilagen. Ok, der Reis ist wohl eher die Beilage, das weiß ich nicht so genau. Der Reis ist auf jeden Fall das Neutralste von allem und immer genießbar. Die anderen Sachen sind überwiegend scharf und nix für meinen Gaumen. Aber meist ist auch etwas Leckeres für mich dabei, z.B. eine gelbe Gemüsemischung mit Erbsen, grüner Gurke und Soße, mild gewürzt.

EnglischDas Heim mit seiner großzügigen Gartenanlage ist wirklich sehr schön. Es ist fast überall schattig, ca. 80% des Gartens und das ist super, dennn Sonne kann man nicht gerade gebrauchen, wenn man mit den Kindern beim Nachhilfeunterricht im Garten sitzt und alle Köpfe rauchen (auch meiner).

Als die Mädchen dann von der Schule kamen, war ich schon sehr gespannt. Es sah lustig aus, wie eine nach der anderen in ihrer weißen Schuluniform durch das große Eingangstor geschlendert kam. In einer langen Reihe gingen sie an unserem Essplatz vorbei, jede mit dem schönsten Lächeln auf den Lippen, machten einen kurzen Stop vor unserem Tisch und jede/r Einzelne von uns wurde begrüßt: "Good afternoon Julia!", "Good afternoon Frank!" usw., das war hinreißend. Später nahm mich Kumari (ein sehr aufgewecktes Mädchen) an die Hand und führte mich nach drinnen, wo ich dann auch die anderen Mädels kennen lernen durfte. Die größte Hürde dabei war und ist immernoch , dass die Mädchen meinen relativ komplizierten Namen schlecht aussprechen bzw. Sich merken können. Verständlich. Mir geht es anders herum genausoGrinsen Bis jetzt habe ich mir ca. 4 bis 5 Namen gemerkt, das kann noch dauern. Bei der Nachhilfe habe ich diese Woche hospitiert und gestern hatte ich meine erste Englischnachhilfe mit Anne und Huruni. Das braucht noch ein bisschen Übung, größtes Hindernis hierbei ist das Verständigungsproblem. Die Einheimischen sprechen ein sehr einfaches und spezielles Englisch, an das auch ich mich erst einmal gewöhnen muss. Die Mädchen, vor allem die jüngeren, verstehen mein Englisch nicht. Mal schauen wie sich das weiter entwickelt. Ansonsten komme ich mit der Arbeit und den Aufgaben hier gut klar. Von Vorteil ist natürlich, dass ich bereits ein paar Jahre in verschiedenen Kitas gearbeitet hab, das kommt mir hier natürlich zu Gute, denn singhalesische Kinder unterscheiden sich nicht grundsätzlich von deutschen. Genauso wie in Deutschland, wird man auch hier von den Kindern getestet, wie weit sie gehen können. Der Unterschied ist nur, dass die Kinder hier Grenzen eher und schneller akzeptieren, zumindest war es bisher so. Mal sehen was noch kommt. Man muss halt nur bestimmt und konsequent sagen, was man will und was nicht.

Ja, um aufs Thema Schlaflosigkeit zurück zu kommen. Also die ersten Nächte waren für mich mehr als unangenehm. Zumal ich ja auch noch unter chronischem Schlafmangel litt. Die erste Nacht war extrem. Auf dem Dach (ich glaube es ist aus Plaste) finden regelmäßige Aktivitäten von mysteriösen Tierchen statt, die somit einen hohen Lärmpegel erzeugen. Die oder das Tier/e läuft auf dem Dach herum, nagt an ihm und macht komische Geräusche. Das ist an sich nicht schlimm. Jedoch habe ich vor meiner Abreise in Deutschland in einem Tagebucheintrag von Irene Katern (Bericht 19.04.2009) gelesen, dass sie hier im Zimmer eine Ratte gesehen hat. Schreck!!! Nun war ich fest davon überzeugt, ebenfalls Vermieter einer Ratte zu sein. Nachts habe ich regelmäßig hoch konzentriert auf die Geräusche gehört. Ich hatte WIRKLICH ANGST. Als ich es nicht mehr aushielt im Bett bin ich aufgestanden und hab mich auf meinen Beobachtungsposten begeben (Stuhl am anderen Ende des Zimmers, gegenüber vom Bett) und was sah ich?

Ein rattenartiges Getier läuft oben am Wandende über die Mauer (Die Wände sind oben einen waagerechten Spalt offen, wegen Belüftung). Hilfe!!! Jetzt war es mit schlafen endgültig vorbei. Die Nacht darauf auch. Wir haben dann eine Falle aufgstellt, weil ich einfach schon total fertig war. Aber die Falle bleibt leer. Nun verfahre ich nach dem Ausschlussprinzip: Wenn es eine Ratte (sehr unwahrscheinlich, Ratten sind hier extrem groß) oder eine Maus wäre, dann würde diese in die Falle gehen (hoffentlich). Nun glaube ich aber es ist eher ein Streifenhörnchen und diese Vorstellung ist weitaus angenehmer! Ich habe gestern eines beobachtet im Heim, es ist auf dem Dach herum gesprungen. Und das passt sehr gut in mein neus Schema Grinsen Thank God! Letzte Nacht konnte ich wieder einigermaßen beruhigt schlafen und bin nur ein einziges mal aufgewacht. Wahnsinn! Außerdem rede ich auch sehr konsequent mit dem Tier, wenn es mich nervt, dann verschwindet es. Funktioniert sehr gut in Sri Lanka. Aber nicht, dass ihr mich jetzt für verrückt erklärt. Wenn man überleben will, muss man auch mal zu paranoiden Mitteln greifen Grinsen

 

Liebe Grüße an alle daheim! Bis zum nächsten Eintrag! Es gibt sooo viel zu berichten.

Eure Konstanze