Tagebuch Vicky Pohontsch. Kurztrip in die Berge Sri Lankas. 20.03.2010


 Am Donnerstagmorgen pünktlich um 4.30 Uhr klingelte mein Wecker. Diesmal fiel es mir nicht schwer so zeitig aus den Federn zu kriechen – ich war ziemlich aufgeregt und konnte kaum schlafen, denn heute beginnt mein großer Trip.

Sehr nervös, aber auch voller Tatendrang stieg ich, bepackt mit zwei Handtaschen, zu Christi ins TukTuk – schließlich war ich vier Tage in einem fremden Land auf mich allein gestellt. Als mich Christi dann zur Bushaltstelle von Marawila gebracht hatte zeigte er mir noch schnell den richtigen Bus, wir verabschiedeten uns und der erste Tag meiner Endeckungstour begann.

Auf der Fahrt von Marawila nach Negombo war ich noch ziemlich aufgeregt. Was passiert um mich rum? Welche Leute steigen ein? Und bitte, bitte lass mich nicht den Ausstieg verpassen. Hier ist es nämlich so, dass ein Busbegleiter immer die Tür öffnet, etwas für mich unverständliches, während der Fahrt, auf die Straße brüllt und wenn niemand reagiert, wird auch nicht angehalten. Auch Ein- und Ausstieg sind hier fließender Wechsel, dass heißt, der Bus hält irgendwie nie richtig, er rollt immer langsam weiter.

Der wunderschöne rote Sonnenaufgang linderte aber meine Angst, die sich als unbegründet herausstellte, denn Negombo war die Endhaltestelle. Somit stiegen alle Fahrgäste aus und der Bus hielt sogar für ein paar Minuten. Sehr hilfsbereit begleitete mich der Busfahrer dann auch zum nächsten Bus nach Kandy. Puhh das wäre geschafft, dachte ich. In Kandy musste ich dann nur noch einen TukTuk-Fahrer bitten mich ins Hotel zu schaffen.

Die Anspannung fiel jetzt vollends von mir ab, trotz des ständigen Ruckelns des Busses, schlief ich einen Großteil der Fahrt.

Kurz vor Kandy wachte ich auf und war beeindruckt von dem wunderschönen Bergland, was Kandy umgab. Ich hatte zwar davon gelesen, aber mit so einer Pracht hatte ich nicht gerechnet. Im Stadtzentrum angekommen, war dann von dieser schönen Natur nichts mehr zu spüren. Obwohl nur 150 000 Einwohner, herrscht hier Verkehrschaos und naja, dicke Luft. Vom erstem Eindruck wollte ich mich aber nicht beirren lassen, ich schnappte mir das erstbeste TukTuk, fünf Minuten später fand ich mich schon in meinem Hotel für die nächsten zwei Nächte wieder, dem „Lake View Rest“, welches mir Julia und Frank empfahlen. Nachdem ich mich kurz frisch gemacht hatte und über das Türschild „Close the window before you leave the room. Monkeys could enter.“ schmunzlte, zeigte mir ein anderer TukTuk-Fahrer (direkt vom Hotel) kurz die Innenstadt, lieferte mich in einem kleinen Restaurant ab und erklärte mir, welchen Bus ich zum Botanischen Garten nehmen musste. Nach einen leckern Sri Lankanischen Reis und Curry begab ich mich über den riesigen Markt zur Bushaltestelle. 600 Rupies bezahlte ich für den botanischen Garten, knapp 4 Euro, für die ich einen wunderschön angelegten Blumen- und Heilkräutergarten, kleine Seen, Kakteen- und Palmenalleen, Fledermäuse, Affen und Skorpione zu sehen bekam Grinsen Das fand ich mehr als angemessen.

botanischer-garten-vickybotanischer-gartenbotanischer-garten-affen

 Um vier holte mich mein TukTuk-Fahrer vom botanischen Garten ab, wir holten Karten für den später stattfindenden berühmten Kandy-Dance. Bis zur Aufführung sah ich mir noch ca. eine Stunde die Stadt an. Und als ich so am Milchsee stand entwickelte sich für mich die unter Verkehrchaos und dicker Luft leidende Stadt, langsam zu einer lebhaften, bunten und liebenswürdigen Stadt, die mit ihren Ecken und Kanten sehr viel Charme ausstrahlte.

Zurück zum Kandy-Dance. Noch nie hatte ich so viele „Weiße“ in Sri Lanka auf einem Haufen gesehen. Noch dazu war ich unter allen anderen die einzige die allein in der Show saß. Trotzdem genoss ich die Aufführung. Sie war sehr abwechslungsreich, jeder Tanz wurde in neuen, und vor allem von den Frauen, sehr schönen Kostümen aufgeführt. Die Männer glänzten eher durch ihre Akrobatik und ihr Geschick mit den Trommeln umzugehen. Obwohl auch öfter Dinge schief gingen, Utensilien fielen zu Boden und Kunststücke missglückten, war es rundum eine schöne Show, die gerade durch das Lächeln über die eigenen Fehler unvergleichlichen Charakter hatte. Aber warum zwischendurch zwei Weihnachtsmänner auf der Bühne standen, habe ich bis heute nicht verstanden.

feuershowIm Anschluss fand noch eine kleine Feuershow statt. Die Männer steckten sich brennende Fackeln in den Mund und liefen über glühende Kohlen – zum Glück ging hierbei nichts schief.

 Am Ende der Aufführung wartete schon mein TukTuk-Fahrer auf mich und brachte mich zum buddhistischen „C“ von Kandy. Eines der bedeutensden  Heiligtümer Sri Lankas. Dort angekommen versprach mir der Fahrer mich in einer Stunde wieder abzuholen. Überrascht von den vielen Sicherheitsbeamten hier betrat ich das Gelände. Doch schon an der zweiten Sicherheitskontrolle scheiterte ich. Ich hatte meinen Rock an. Zu kurz um Buddha ausreichend Respekt gegenüber zu bringen. Enttäuscht trottete ich davon, entschlossen mir einen billigen bodenlangen Rock zu kaufen. Im ersten Geschäft angekommen erklärte ich meine Situation. Doch keine Gnade, ich bin Tourist, noch dazu weiß, somit habe ich Geld, von billig also nichts zu spüren. Auf zum nächsten Shop, draußen war es bereits stockfinster. Doch auch hier, alle superfreundlich, jedoch preislich kein Erbarmen mit den weißen Touristen. Die Zeit verstrich, jetzt hätte ich sowieso nur noch eine halbe Stunde im Tempel gehabt, viel zu wenig. Da ich nicht alleine draußen im Dunkeln rumlaufen wollte unterhielt ich mich noch ein paar Minuten mit den Frauen aus dem Geschäft und begab mich dann zu den Sicherheitsbeamten am Tempel. Sie wunderten sich zwar bestimmt, warum ich knapp über 15 Minuten direkt neben ihnen stand ohne ein Wort zu sagen, während ich auf mein TukTuk wartete, aber so fühlte ich mich am wohlsten.Pünktlich wurde ich mit einem Sandwich abgeholt. Die erste Nacht im Hotel war sehr gut, Angst vor Affen hatte ich keine.

Am nächsten Morgen gings auf direktem Weg nach Pinnawela. Auf dem Weg zum Elefantenwaisenhaus hielten wir noch in einem Spicegarden und ich erhielt eine Führung durch die Naturheilkräuter Sri Lankas. Als kleines extra gabs eine Gesichtsmassage.

Kurz darauf war das eigentliche Ziel erreicht: das Elefantenwaisenhaus. Wie beim Kandy-Dance waren auch hier sehr wenig Einheimische zu sehen. Ich lief einen kleinen Hang herunter und plötzlich kreuzten unzählige Elefanten hier das Flussbett. Viele Elefantenbabys waren dabei. Manche Elefanten ließen sich aber auch einfach nur von den Angestellten hier mit Wasser bespritzen oder dösten herum. Die Landschaft hier war unglaublich, sie sah aus wie gemalt. Selbst auf den Fotos, die ich geschossen habe, wird diese unglaublich schöne Savannenlandschaft deutlich.

Auf dem Hang befanden sich mehrere kleine Stände. Ich gönnte mir eine Kokosnuss und zwei kleine Souvenirs. Darüber hinaus machte ich eine Führung mit in der ich erklärt bekam, wie aus dem biologischen Abfall der Elefanten Papier hergestellt wird. Kaufen wollte ich dieses Papier jedoch nicht.

elefantenwaisenhaus-1elefantenwaisenhaus-2

Auf dem Weg zurück nach Kandy stoppten wir kurz am Markt um mir einen superbilligen, aber superhässlichen Fuzel zu kaufen, damit mich die Tempelaufsicht nicht noch mal nach Hause schicken kann.

Ich weiß nicht, ob die Beamten sich an mich erinnern konnten, oder ob ich einfach nur zu komisch in meinem Sack von Rock aussah, auf jeden Fall schmunzelten sie mehr als offensichtlich, als ich die Kontrolle passierte. Aber das war mir egal, denn nun war ich IM Tempel. Ich mag schöne Gemälde, Verzierungen und Architektur im Allgemeinen. Besonders fanden in diesem Tempel die Decken meine Aufmerksamkeit. Aber auch die Gebetshalle war sehr schön hergerichtet. Im zweiten Stock befand sich dazu noch ein kleines Museum, leider konnten hier keine Fotos gemacht werden. Ich hatte es zwar mehrmals versucht, aber die Sicherheitsbeamten waren schneller. Das ist typisch für Sri Lanka, auch wenn ich allein unterwegs war, richtig allein ist man nie, die Einheimischen folgen dir vor allem in Geschäften auf Schritt und Tritt, möchten dir behilflich sein, oder lächeln dich einfach nur an. Nach meinem dritten Versuch unbemerkt ein Foto zu schießen lächelte der Sicherheitsbeamte aber leider nicht mehr.

tempel-gebetshalletempeldecke

 Danach gings für Reis und Curry wieder in ein landestypisches Restaurant. Ich werde das essen hier echt vermissen. Mein Tuk Tuk Fahrer wollte mich erst um acht wieder abholen. Es war vielleicht gerade mal um zwei und ich hatte keine Ahnung mehr, was ich machen sollte. Also begann ich um den Milchsee zu laufen. Als ich mich dabei so umschaute, entdeckte ich auf einem Berg eine riesige weiße Buddhastatue. Da musste ich hin. Das Tuk Tuk hatte reichliche Schwierigkeiten den doch recht steilen Berg hinaufzufahren. Oben angekommen wurde mir ein weißes Armband überreicht. „For your protection“ sagte der Mönch. Und ich dachte mir: „Ja, das kann ich gebrauchen, her damit“ Grinsen Nachdem ich die knapp 30 Meter hohe weiße Statue begutachtete, merkte ich, was für einen wunderschönen und weiten Blick ich von hier auf Kandy und das umliegende Bergland hatte. Da ich alleine oben war, ohne andre Touristen, konnte ich die stille auch vollkommen genießen.

blick-vom-milchseebuddhastatue

sari Als ich da oben stand schloss ich innerlich mit dem Kulturprogramm für heute ab. Und was machen Frauen dann? Shoppen :) Ich ließ mich zu einem relativ großen Shop fahren und durchstöberte typische Sri Lankanische Kleidung und Handarbeiten. Dabei entdeckte ich gleich daneben einen kleinen Markt. Da ich versprochen hatte landstypisches Essen mit nach Hause zu bringen und ich nicht wusste, was in den nächsten zwei Tagen noch für Kosten auf mich zukommen, entschied ich mich erstmal keine Kleidung zu kaufen und deckte mich nur mit etwas Dahl ein, damit ich für meine Familie zu Hause selbst mal versuchen kann ein kleines Reiscurry zu kochen. Auf dem Weg zurück ins Zentrum überredete mich der Fahrer doch mal selbst eine Sari anzuprobieren. Wir hielten an einem Shop, ich wurde eingekleidet und fotografiert. Kaufen konnte ich sie jedoch nicht. 20 000 Rupie waren einfach zu viel.

Zurück in Kandy schlenderte ich bis um acht nur noch durch die Strassen. Im Hotel angekommen musste ich dann leider feststellen, das der Dahl, den ich vorhin gekauft hatte, komplett verteilt nun in meiner Tasche lag, da er nur in Zeitung eingewickelt war. Dahl werde ich also erst wieder in Marawila kaufen.

Am nächsten Morgen ging die Reise dann in einem Van mit privatem Fahrer weiter. Das Ziel hieß: Nuwara Eliya. Schon der Weg dorthin, vorbei an zahlreichen Teeplantagen und Wasserfällen, war beeindruckend. Pause machten wir, mein moslemischer Fahrer und ich, auf der Mackwoods Teeplantage, bei Tee und Kuchen, Führung inklusive. Mir wurde erklärt wie der typische „Milktea“ gemacht wird. Schon in Marwila und Kandy hatte ich in mehreren Shops danach gefragt, aber entweder konnten sie es mit nicht erklären, oder sie verstanden mich nicht. Der Tee ist aber einfach zu lecker. Nach insgesamt 4 Stunden Fahrt erreichten wir Nuwara Eliya. Der Fahrer war so nett und begleitete mich noch bis in den späten Nachmittag hinein zu allem Sehenswerten.  Zuerst besuchten wir den botanischen Garten hier. Er ist anders als in Kandy. Es wird mehr Wert darauf gelegt, den Garten zwischenzeitlich wie einen Dschungel aussehen zu lassen. In Nuwara Eliya ist es natürlich etwas kälter als in Kandy und Marawila gewesen, da sich die Stadt auf einem Gipfel befindet. Trotzdem konnte ich, sommerlich gekleidet,  es nicht verstehen, wie manche dort mit Mütze und Jacke rumlaufen konnten. Bei diesen Temperaturen legen sich in Deutschland die ersten an den See, hier haben sie anscheinend gefroren. Danach ging es Reiscurry essen und in der Innenstadt etwas schlendern. Doch hier, in Nuwara Eliya, war die Natur das Sehenswerte. Als nächstes ging es zu einem Wasserfall. Die Leute die uns auf dem Weg begegneten erzählten uns, dass wir vorsichtig sein sollten. Hier ist es sehr gefährlich und steil. wasserfall-nuwara-eliyaViele nehmen sich hier das leben. Als ich das gehört habe, hab ich den doch wunderschönen Wasserfall nur noch auch sicherer Entfernung beobachtet. Danach gings auf Hotelsuche, schnell war ein passendes gefunden. Den restlichen Tag verbrachte ich nur noch damit etwas zu bummeln und mich am Busbahnhof zu erkundigen, wann denn der nächste Bus morgen früh nach Colombo geht: 5.30Uhr.

Der letzte Tag meiner Entdeckungstour ist nun angebrochen. Durch die nächtlichen Klopfaktionen der Hotelbesitzer, verbunden mit sinnlosen Fragen, muss ich ziemlich schlecht geschlafen haben, zumindest stand ich 4.30 Uhr in meinem Bett als der Wecker klingelte. Schnell duschen (hier gibt es warmes Wasser) und bloß weg. Als ich mein Zimmer ordnungsgemäß verlassen hatte, war ich erstaunt darüber, dass das Hotel menschenleer zu sein schien. Obwohl ich doch gestern Abend mehrmals, bei den Klopfaktionen, gefragt wurde, ob ich Tee zum Frühstück wolle und wann ich denn aufstehe. Nun war weder Tee, noch Personal in Sicht. Also begann ich „Hello, Heeello?“ zu rufen, schließlich wollte ich auf keinen Fall meinen Bus verpassen. Irgendwann kam dann auch mal jemand. Es war einer der zwei Typen, die gestern ständig an meiner Tür klopften. Erstmal erzählte er etwas, von wegen er wolle meine Nummer und meine Adresse. Die wollte ich ihm natürlich nicht geben. Dann fing er an, ich hätte meine Rechnung noch nicht gezahlt. Die hatte ich aber schon am Vortag beglichen. Daraufhin musste er noch irgendetwas klären. Langsam wurde ich nervös. Mein Bus fährt in ein paar Minuten, eigentlich wollte ich bloß den Schlüssel abgeben, aber der Typ mehrt sich nicht aus. Als er dann endlich wieder kam, war es zu spät. Der Bus war seit einer Minute weg, der nächste fährt in 45 Minuten und es ist noch finster draußen. Ich hätte einfach verschwinden sollen, als er „kurz“ was überprüfen wollte.

Naja, zu spät, ich fragte ihn, ob ich in der Lobby des Hotels auf den nächsten Bus warten könne. Er meinte, dass das kein Problem sei. Womit ich nicht rechnete war, dass er sich dabei zu mir setzt. Das Problem entstand letztlich für mich, da er im Sekundentakt näher an mich heranrückte. Kurz entschlossen schnappte ich schon nach zwei Minuten warten meine Sachen und verschwand. Jetzt musste ich zwar an der Haltestelle warten, aber hier fühlte ich mich etwas wohler.

Später stieg ich in den Bus ein, verkündete, dass ich nach Colombo wolle und bezahlte dafür umgerechnet ungefähr 70 Cent. Durch den unruhigen Schlaf der letzten Nacht, fielen mir im Bus fast die Augen zu. Richtig geschlafen habe ich zwar nicht, aber ich muss auf jeden Fall kurz abwesend gewesen sein, denn die Haltestelle Colombo hatte ich verpasst, denn diesmal hieß die Endhaltestelle nicht Colombo, sondern Negombo. Ein Glück, denn in Negombo war ich ja schon mal und wusste daher, wo ich mich befand. Es war um eins. Hatte der Tag gerade erst angefangen, oder war er schon fast vorbei? Ich entschied, dass der Tag gerade erst angefangen hatte und stieg in den nächstbesten Bus zurück nach Colombo. Da die Zeit dann doch ziemlich schnell verstrich, weil ich ja auch bevor es dunkel wird wieder in Marawila sein wollte, schnappte ich mir ein Tuk Tuk und ließ mir die Umgebung zeigen. Zuerst an den Strand, dann zur Kirche und zur Mosche, zum Parlament und danach wollte ich eigentlich noch zum Hafen. Aber Pustekuchen, dieser ist aus irgendeinem Grund gesperrt. Eine riesige Mauer umzäunt den Hafen ohne auch nur die geringste Möglichkeit einen Blick auf die Schiffe zu werfen. Darüber hinaus war auch noch Sonntag. Fast alle Geschäfte hatten geschlossen.

Mit dem guten Gewissen nichts verpasst zu haben, entschied ich nach Hause zu fahren. Ca. 17.30 Uhr kam glücklich wieder in Marawila an.