Tagebuch Valeska. Mir fehlen die Worte... 29.08.2007


58. Tag.

Das Erste, was wir uns gestern vorgenommen haben, war, den Riesenscobidoo aufzuhängen. Dafür haben wir alle Kinder zusammengetrommelt, damit auch jeder die umständliche Aufpustaktion mitbekommt. Shanika, Mali und Saduni haben im Wechsel den Hund zum Leben erweckt. Nach dem Aufblasen haben wir ein paar Familienfotos mit Hund geschossen, er natürlich im Mittelpunkt. Anschließend kam Laxmans Auftritt. Er sollte den Scobidoo über dem Fernseher aufhängen. Es gab allerdings ein Problem: Er konnte keinen Nagel in die Decke hauen, da diese aus Steinplatten besteht. Laxman, der Tüftler, hat aber ein kleines Loch in der passenden Ecke gefunden und dort einen Riesennagel hineingesteckt. Ich glaube, Scobidoo ist jetzt das Mascottchen der Kinder.

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Daraufhin haben Julia und ich mit dem Puzzel weitergemacht. Shakina und Imesha haben auch tatkräftig migeholfen...naja, teilweise, denn zusammengepasst haben die Teile nicht wirklich und von Julia haben sie immer die "grünen Puzzelecken" zerstört. Es haben allerdings nicht sehr viele mitgepuzzelt, da sich die meisten gerade einen Film angeschaut haben.

Gegen 3 Uhr wurde auf einmal das Tor geöffnet und zwei buddhistiche Nonnen im orangenen Gewand, gefolgt von einem jungen Mädchen, kamen auf uns zu.

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Es hieß, dass das Mädchen vom Amt geschickt wurde und jetzt bei Frank im Angel's Home unterkommen sollte. Wie immer wusste Frank nichts davon, auch hat er vorher weder einen Brief noch einen Anruf bekommen. Es war für ihn nicht gerade eine einfache Entscheidung, das Kind bei sich aufzunehmen, da bereits drei weitere Kinder im Heim erwartet werden und kaum Platz für mehr als 20 Kinder ist. Frank hat sich dafür entschieden, dass das Kind vorerst für 3 Monate im Heim bleiben kann, dann aber das Heim wechseln muss.

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Angeblich hat das Kind, ihr Name ist Nisansala, die letzten drei Jahre im Tempel gelebt und ist dort auch zur Schule gegangen. Ihr Vater arbeitet im Tempel und Ihre Mutter hat wieder geheiratet. Nach Angabe der Nonnen gefällt es Nisansala im Tempel nicht mehr, weil sie wohl bei ihrem Vater gearbeitet hätte und weil sie in eine öffentliche Schule gehen möchte. Nisansala hat im Gespräch angefangen zu weinen, was die beiden Nonnen überhaupt nicht interessiert hat. Daraufhin haben wir Nisansala an die Hand genommen und mit ihr ein bisschen gepuzzelt.

Als die Nonnen den Platz verlassen hatten haben wir Nisansala das Haus und ihr das neue Bett gezeigt. Die Kinder saßen immer noch vor dem Fernseher und haben Nisansala neugierig und mit einem etwas traurigen Blick beäugt, da Nisansela noch ganz glasige und rote Augen hatte. Dinesha hat den ersten Schritt auf Nisansala gemacht und sie gefragt, wie sie heißt und wie alt sie ist. Daraufhin hat sich Nisansala zu den anderen Kindern gesetzt und mit ihnen ein bisschen fern geschaut.

Es ist sehr traurig, wie mit den Kindern herumgesprungen wird und dass sich die meisten Eltern denken, sie einfach so in ein Heim abschieben zu können, weil sie mit ihnen nichts mehr zu tun haben wollen. Wenn ich z. B. wieder an den Vater von Dinesha denke, dann entwickelt sich in mir wieder eine Wut gegen diese Menschen. Ich hoffe sehr, dass die Kinder in ihrem weiteren Leben nie wieder unter so einem Druck leben müssen.

Viele Grüße aus Marawila

Valeska