Tagebuch Valeska. Besuch vom Amt. 07.08.2007


37. Tag.

Als wir um 10 Uhr im Heim angekommen sind haben schon zahlreiche Angehörige auf uns gewartet. Es war interessant zu beobachten, wie sie die Kinder behandelt, und wie sich die Kinder selbst in ihrer Gegenwart verhalten haben. Manche Angehörigen haben für ihre Kinder oder Verwandten, (denn oft haben die Kinder nur noch Großeltern und Tanten), wenig Interesse gezeigt und kaum mit ihnen geredet. Andere wiederum haben die Kinder viel beachtet und sich auch mit den anderen Kindern unterhalten. Sujeewa hatte Besuch von ihrer Großmutter. Sujeewa war während der Zeit ganz ruhig und ist ständig bei ihrer Großmutter geblieben. Fast alle Kinder haben Anfangs immer schön gelächelt und good mornig gerufen.

Zwei Frauen vom Amt waren schon dabei sich alle wichtigen Daten der Kinder aufzuschreiben als auch die Hauptverantwortliche kam und wir nach einem kurzen Gespräch (natürlich auf Singhalesisch) beginnen konnten. Die Kinder und deren Angehörgen wuden alle einzelnd an den Tisch gerufen. Zuerst wurden den Angehörigen und dann den Kindern Fragen gestellt. Nebenbei habe ich mich bei Frank nach der familiären Lage des Kindes erkundigt. Das Komische war nur, dass bei einigen der Mann doch nicht verheiratet war oder die Mutter auf einmal gelebt hat. Bei einigen konnte man regelrecht ablesen, dass sie lügen, z. B. bei dem Vater von Nadisha, das ganz neue Kind. Zuerst dachten wir, dass die Frau, die mit ihm gekommen war die Mutter von Nadisha war. Die Frau hatte ein sehr unsymphatisches Gesicht und hat kein einziges Mal gelächelt. Als sich die vom Amt mit dem Vater unterhalten haben war die Frau nicht mit an den Tisch gekommen. Man konnte sehr gut merken, dass sich auch die vom Amt über den Vater aufgeregt haben. Als ich gefragt habe, ob es die Mutter von Nadisha wäre die dort sitzt haben sich alle umgedreht. Daraufhin wurde der Vater wieder befragt und die Gesichter der Beamten am Tisch wurden immer verärgerter. Die Frau war nämlich seine neue Ehefrau, die 4 Kinder hat. Aber wenn der Vater 4 Kinder ernähren kann, warum dann nicht auch 5? Es ist sehr deutlich geworden, dass es Nadisha bei dem Vater überhaupt nicht gefällt und sie während der Ferien sehr gerne im Heim bleiben möchte. Nach dem 2. Kind haben die Beamten schon entschieden, dass die Kinder diese Ferien im Angel’s Home bleiben sollen und im Dezember nach Hause fahren dürfen. Für Einige ist es auch besser, wenn sie nicht fahren. Mali z. B. kommt aus einer nicht geraden ungefärlichen Wohngegend und Shanika würde die ganze Zeit während der Ferien alleine zu Hause sein, weil ihre drei Brüder arbeiten müssen und keiner auf Shanika aufpassen kann. Schon bevor ihr gesagt wurde, dass sie nicht nach Hause fahren darf war ihr Gesicht angeschwollen und nass von den Tränen.

Chanchala hatte keinen Besuch, ihre Mutter ist nach Dubai gegangen, von Dilki und Anne sind die Angehörigen gekommen und von Dishna der Onkel. Dishna kommt aus einer sehr armen Familie und war, bevor sie in das Heim gekommen ist sehr mager und konnte kaum laufen. Von Imesha ist überhaupt keiner gekommen, was sie sehr traurig gemacht hat. Sie konnte auf die Fragen von den Beamten gar nicht eingehen, weil sie immer wieder in Tänen ausgebrochen ist.

Asadi hat den Aschein gemacht, als ob sie die ganze Sache sehr locker nimmt. Sie möchte auf keine Fall wieder nach Hause, weil es ihr im Heim sehr gut gefällt. Ihr Bruder ist etwas später gekommen, aber da vielen Asadi schon fast die Augen zu und sie konnte sich mit letzter Kraft noch ins Bett schleppen. Die Hauptverantwortliche vom Amt hat mit jedem Kind bestimm 15 Minuten gesprochen. Bis 4 Uhr hat es gedauert bis alle Kinder befragt wurden. Anschließend haben wir alle zusammen gegessen und uns noch ein bisschen unterhalten.

Als die Angehörigen wieder nach Hause gefahren sind waren die Kinder nicht länger traurig und haben gleich wieder Verstecken gepielt.

Im Anschluss sind Frank, Rukmal und ich zu der Gedenkfeier von Mr. Norbert gefahren, der ehemalige Präsident von Frank’s Komitee der vorletzte Nacht verstorben ist. Heute werden wir am Nachittag zu seiner Beerdigung fahren, aber vorher müssen wir uns noch um die Geburtstagsfeier von Dilki kümmern. Schon etwas komisch, erst auf eine Beerdigung und anschließend eine Geburtstagsfeier. Dazu kommt das Frank sein PC in der Werkstatt ist, das Internet nicht läuft, und wir jedes mal ins Internetcaffee fahren müssen um einen Bericht hochzuladen. Hoffentlich funktioniert alles bald wieder sonst bekommt Frank noch eine Krise.

Viele Grüße

Valeska