Ein langer Abschied - Kirche, Tempel und Hip Hop.


Da am Samstagnachmittag der Kirchenunterricht für die Kids ausfiel und sie stattdessen am Sonntagmorgen in die Kirche gingen, konnte ich Ihnen meine lang versprochene Hip Hop Tanzstunde anbieten. Zuvor hatte ich mir singhalesische Pop- und Bollywoodmusik besorgt, auf die die Kids hier total abfahren und ein paar Tanzschritte ausgedacht. Nachdem sie mein Warm up erfolgreich hinter sich gebracht hatten und sich an die für sie ungewohnten Bewegungen gewöhnt hatten, brachte ich ihnen eine kleine Choreographie bei, die sie dann jeweils in zwei Gruppen mit viel Freude und Körpereinsatz vortanzten.

Vom Tanzfieber angesteckt gab es nach meinem Unterricht schließlich kein halten mehr und wir tanzten alle bestimmt noch eine Stunde frei zu ihrer lieblings Bollywoodmusik.

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Am Sonntag war es dann soweit mein letzter Tag im Angels Home Winken

Nach einer sehr kurzen Nacht, da ich noch bis 3 Uhr früh mein Abschiedsgeschenk für die Kids und die Angestellten vorbereitet hatte, machte ich mich morgens um 6.30 Uhr auf zum Heim, um auf Wunsch der Kids erst mit den Christen in die Kirche zu gehen und anschließend mit den fünf buddhistischen Kids noch mal zur Tempelschule.

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Im Heim angekommen waren die Kids und die Metren leider schon auf dem Weg zur Kirche und Deepali schickte mich zu Lathas Haus, die mir den Weg zur Kirche sagen könnte. Nachdem ich dann mein Fahrrad bei Latha abgestellte, hatte ich Glück dass ihre Tochter noch nicht weg war und wir so gemeinsam zur Kirche gehen konnten, alleine hätte ich nämlich den Schleichweg durch Nachbars Garten niemals gefunden.

Als wir an der Kirche ankamen, entdeckte ich die Kids ganz vorne vor dem Altar auf dem Boden sitzend und einer Nonne lauschend, die am Mikrophon etwas sprach. Leise setzte ich mich hinter die Kids, die sich sichtlich freuten als sie mich entdeckten. Kurze Zeit später ging dann auch schon der eigentliche Gottesdienst los. Die Kirchenmusiker finge an zu spielen und 4 Priester gefolgt von Kirchenknaben und 4 Tänzerinnen kamen durch das Haupttor der Kirche und gingen Richtung Altar. Nachdem sich die Priester auf die 4 bereitgestellten Stühle gesetzt hatten, begann der eigentliche Gottesdienst, der wie bei uns aus Predigten, Gebeten, Liedern und der Opladenspeisung für den Leib Christi glaub ich, (sorry ich weiß nicht wie man das fachlich korrekt nennt) bestand.

Als wesentliche Unterschiede empfand ich die Äußerlichkeiten, wie z.B. dass es keine Kirchenbänke gab und man die ganze Zeit auf dem Boden saß. Was ich sehr schön und beeindruckend fand, war die Altar Dekoration, die aus zwei Schwänen, die aus verschiedenfarbigen Blättern gemacht waren, bestand. Was hier auch ein Bruch zu sein scheint, ist, dass die meisten Frauen und auch ein paar Mädchen von uns in der Kirche einen weißen oder schwarzen Tüllstoffschleier als Kopfbedeckung tragen. Im großen und ganzen wirkten alle Leute sehr fromm und besonders die Mariastatue wurde sehr verehrt.

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Nachdem der 2stündige Gottesdienst schließlich zu ende war, ging´s dann mit der Metren wieder Richtung Heim und ich stattete noch, wie versprochen einen Besuch im Tempel bei den 5 restlichen Kids ab. Diese freuten sich ebenfalls sehr mich zu sehen. Dort gab es 4 verschiedene Klassen jeweils dem Alter entsprechend. Ich setzte mich zu Nisansela, deren Klasse in der Versammlungshalle des Tempels stattfand, in der letzten Monat am Pooja Tag auch die Essensausgabe statt gefunden hatte. Diese Klasse musste der Lehrerin gerade Fragen über Buddhas Leben beantworten, wobei Nisansela wegen ihrer früheren buddhistischen Ausbildung im Tempel alle Fragen mühelos beantworten konnte Als die Kids Pause hatten, führten sie mich noch einmal etwas in der Tempelanlage rum und ich band mein Glücksband, dass ich hier am Pooja Tag bekommen hatte, wie es Brauch ist an den Bodhibaum. Anschließend wollten Nisansela und Dinesha unbedingt meine Reisesandalen mal anziehen und so entstand dieses hübsche Bild Winken

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Obwohl ich versuchte mit den Kids etwas rumzualbern und sie abzulenken, merkte ich doch dass sie innerlich schon sehr traurig wegen meinem bevorstehenden Abschied heute gestimmt waren. Als wir dann nach der Tempelschule gegen Mittag im Heim ankamen, war dort die Stimmung leider auch nicht viel besser und alle Kinder einschließlich Personal schienen schon sehr geknickt zu sein. Um die melancholische Atmosphäre etwas aufzulockern und auch um meinen Abschied nach hinten hinaus zu verzögern, bat ich die Metren Musik anzumachen. Dies half dann zum Glück auch vorübergehend, denn alle Kids stürmten bei ihrer Lieblingsmusik wieder auf der Tanzfläche und wir spielten anschließend noch ein lustiges Tanzspiel im Kreis.

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Am späten Nachmittag kam dann auch Frank ins Heim, da sich zwei deutsche Besucher angekündigt hatten, wovon ein Mann einen Rollstuhl extra aus Deutschland als Spende mitgebracht hatte. Frank möchte diesen Rollstuhl jetzt einem Behindertenheim hier in der Nähe schenken.

Gegen 16 Uhr war es dann schließlich soweit, die Stunde des Abschieds nahte...

Alle Kids einschließlich der Hund Buddy versammelten sich im großen Aufenthaltsraum und begannen ein Lied für mich zu singen.

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Anschließend trat Chanchela vor und las auf Englisch eine kleine Rede vor, die sie extra für mich geschrieben hatten und in der sich alle Kids für meine Arbeit mit Ihnen bedankten und hoffen, dass ich bald wieder kommen werde. Anschließed kam jedes Kind einzeln zu mir vor und überreichte mir eine selbst gebastelte Abschiedskarte. Nachdem ich jedem Mädchen eine Umarmung und Schmatzer auf die Wange gegeben hatte, war ich an der Reihe und überreichte den Kids mein Abschiedsgeschenk, an dem ich die Nacht zuvor noch so lange gesessen hatte, ein selbst gemachtes Fotoalbum mit Fotos von den Kids während meiner Zeit mit Ihnen. Alle schienen sich sehr darüber zu freuen und ich verteilte noch Lolis und eine Abschiedskarte an das Personal, die mich die ganzen 2 Monate immer unterstützt haben und die ich genauso wie die Kids in mein Herz geschlossen habe.

Ganz unerwartet begann dann der zweite Teil des Abschieds Programms und die Kids führten für mich noch ein paar Tänze und ein kleines Theaterstück auf. Schließlich machten wir noch ein paar Abschiedsfotos bevor es endgültig für mich Zeit wurde zu gehen. Schweren Herzens drückte ich noch mal jedes Kind und versuchte die weinende Nisansela, die erst seit einem Monat hier ist und sehr an mir hängt zu trösten.

Als ich dann aus dem Tor ging und auf mein Fahrrad stieg hatte ich einen schweren Kloß im Hals, denn in den zwei Monaten während meines Praktikums hier habe ich die Kinder wirklich sehr lieb gewonnen und sie haben mir auch sehr viel gegeben.

Ich möchte an dieser Stelle noch mal allen 18 Angels Home Kids, dem Personal Jasintha (Metren), Katharin, Latha, Deepali, Lakshmen und natürlich auch Frank und Julia danken, mir die Möglichkeit gegeben zu haben, 2 Monate lang das Leben der Mädchen zu begleiten! Ich habe sehr viele kostbare Erfahrungen mache dürfen und neben der Arbeit mit den Kids konnte ich auch sehr viel über die srilankanische Kultur und somit auch etwas über mich selber lernen.

Ich werde jetzt noch einen Monat durch Sri Lanka reisen, bevor es dann weiter nach Indien zu meinem nächsten Praktikum geht. Im April habe ich aber vor wieder zurück nach Sri Lanka zu kommen und werde ganz sicher auch einen Besuch im Angels Home abstatten, denn ich vermisse die Kids jetzt schon wahnsinnig!

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Ich hoffe ich habe Euch ein paar Eindrücke von dem Leben der Kids im Angels Home vermitteln können und Euch mit meinen oft zu langen Berichten nicht all zu sehr gelangweilt. Grinsen

Was Frank mit seinem Projekt hier auf die Beine gestellt hat, ist schon eine sehr große Leistung und ich hoffe, dass dieses Projekt solange Unterstützung findet und bestehen bleibt bis die Kinder selber auf sicheren Beinen stehen können!

 

Alles Liebe,

Eure Mira

 

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