Tagebuch Mira. Trauerfeier und Gummihüpfen. 02.09.2007


Als Julia und ich heute Morgen ins Heim gefahren sind, hingen an der Straße entlang eine Menge weißer Fahnen, die hier als Trauerzeichen gelten. Julia erklärte mir dann, dass heute die Trauerfeier eines verstorbenen Ministers aus Marawila sei und deshalb die weißen Fahnen aufgezogen wurden. Im Heim angekommen waren einige Kinder schon in weißen oder hellen Kleidern zurecht gemacht, da sie mit Latta und uns kurz zu der Trauerfeier gehen sollten, weil der verstorbene Minister sich auch für das Angels Home eingesetzt und damals bei der Eröffnung des Heims eine sehr nette Rede gehalten hatte.

Nach 5 Minuten Fußweg waren wir auch schon in seinem Haus, in dem die Trauerfeier stattfand. Es waren eine Menge Leute dort, die draußen im Garten auf Plastikstühlen saßen. Ich kam mir etwas blöd vor, da ich nichts Weißes oder helles anhatte, was hier bei Trauerfeiern und Beerdigungen eigentlich üblich ist. Aber da weder Julia noch ich heute morgen wussten, dass wir zu einer Trauerfeier gehen würden, konnte ich es leider auch nicht ändern und zum Glück entdeckte ich, dass ich nicht die einzige mit falscher Kleidungswahl war, sondern es auch ein paar Einheimische gab, die sich wohl in der Farbwahl etwas vergriffen hatten. Schließlich zogen wir unsere Schuhe aus und betraten das Vorzimmer des Hauses, in dem der verstorbene Minister aufgebart wurde. Da ich zuvor in meinem Leben noch nie einen toten Menschen gesehen hatte, musst ich doch erst mal schlucken, war aber auch froh ihn nicht lebend gekannt zu haben, sonst wäre es für mich wahrscheinlich noch mal heftiger gewesen. Mir schien, dass die Kinder und Latta das alles sehr locker wegsteckten, wahrscheinlich auch weil es hier gang und gebe ist, dass jemand stirbt. Etwas makaber fand ich dann allerdings doch, dass auf den Stühlen in dem Raum ein paar Leute saßen und aßen, während vor ihnen der Tote lag. Nach dem wir ein paar Minuten an dem Totenbett verweilt hatten, gingen wir wieder raus in den Garten und setzten uns noch eine Weile auf die Plastikstühle.

Zurück im Heim gab es erstmal Essen und danach wurde ich noch mal von Adasi von meinem leckern Sandgeburtstagskuchen, den Hiruni und Imesha extra für mich geformt und mit Blumen geschmückt hatten, gefüttert. Geburtstag spielen ist hier ganz groß angesagt, genauso wie Friseur spielen, was ja eigentlich ganz schön ist, da es zeigt, dass die Kinder keine Berührungsängste zu einem mehr haben, aber manchmal auch etwas anstrengend sein kann. So habe ich heute von Hiruni mal wieder eine neue Frisur mit ihren Haarspangen bekommen.

Ganz versessen sind die Kinder im Übrigen auch auf meinen Fotoapparat, den jeder möchte Fotos machen, da nützt dann auch nichts wenn ich sage nur eins, weil daraus sowie so wieder 10 werden, bei denen meistens ein Kopf oder Arm fehlt. Manchmal sind aber auch sehr gute dabei.

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Mit Dishna habe ich nachmittags dann das ABC geübt und sie die Buchstaben in den Sand schreiben lassen, was ihr sehr viel Spaß zu machen schien. Julia hat in der Zeit auch mit ein paar Kindern Schreibübungen gemacht. Anschließend habe ich ein mitgebrachtes Hüpfgummi und Springseil ausgepackt und den Kindern gegeben. Nach etwas anfänglichem Zögern wurde schließlich fleißig drauf los gejumpt und bald hatte jedes Kind raus, wie das geht.

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Am späten Nachmittag hat Julia dann mit den Kids noch etwas Mikado gespielt, das sie alle sehr spannend fanden und schnell begriffen haben.

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Heute hatten die Kinder auch ihren letzten Ferientag und morgen beginnt mit der Schule wieder der Ernst des Lebens. Für einige neue Kinder im Heim wird es morgen auch der erste Schultag an einer Schule in Marawila sein. Ich werde, trotz super früh aufstehen auf alle Fälle mitgehen und bin mal gespannt auf den Schulalltag und die Lehrer hier.

Grüße aus Marawila,

Mira