Tagebuch Steffi Lippmann. Mein erster Schultag. 20.06.2008


Nachdem wir nun um eine Woche unseren Schulbesuch verschieben mussten, kam nun endlich mein erster Schultag...Überrascht

Dieser startete mit frühem Aufstehen, denn schließlich wollten Julia und ich die Kids in die Schule begleiten. Als wir im Heim ankamen, standen die Mädels auch fertig da und wurden noch schnell von Metren begutachtet, ob alles sitzt usw. Nun ging es los, pünktlich 7:15 Uhr traten wir den Weg an. In der Schule angekommen, mussten wir wieder einmal feststellen, dass weiße Menschen anscheinend nicht so oft vorbei schauen, denn - tatatata - wir waren die Hauptattraktion. Wir begrüßten den Direktor, auch „Principal" genannt und unterhielten uns ein wenig über die Schule und die Mädchen. Bevor die Schule begann, gingen die buddhistischen Kinder in Tempel zum beten und die Katholiken beteten vor dem Bild Jesus. Dann ging es endlich los...

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Die erste Stunde besuchten wir Malis Klasse, da sie Englischunterricht hatte. Was soll ich dazu sagen? Die Englischlehrerin hatte probiert sich ein wenig mit mir zu unterhalten, jedoch habe ich von ihrer Aussprache her kein Wort verstanden. Da stellte ich mir dann doch schon die Frage: verstehen die Kinder überhaupt was sie sagt? Dann schrieb sie noch etwas an die Tafel - natürlich falsch, denn anscheinend wird hier kein Wert auf Groß- und Kleinschreibung gelegt. Das finde ich dann doch sehr traurig, denn als Lehrer sollte man schon alle Regeln kennen.

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Nach dieser doch sehr belustigenden Englischstunde meinerseits, gingen wir in die Klasse von Anne, Hiruni, Shakina und Imasha. Hier sollte Mathe stattfinden. Der Lehrer war auch da und malte eine Tabelle an die Tafel, die die Kinder in ihr Heft übernehmen sollten. Und danach war er dann auch wieder weg, so nach dem Motto: „Jetzt hab ich was für mein Geld getan und beschäftige die Kinder ein wenig." Nach 15 Minuten kam er wieder in den Raum, setzte sich an sein Pult und überprüfte die Anwesenheitspflicht. Danach war er wieder verschwunden und wurde nie wieder gesehen...Überrascht Da läutete es auch schon zur Pause und wir verließen die Klasse.

Nun war Sujeeva und ihr Englischunterricht an der Reihe. Auch wieder bei der gleichen Lehrerin, die bei Mali schon den Unterricht abhielt. Dieses Mal probierte sie den Kindern das Englische ein bisschen anschaulicher bei zu bringen, indem sie ein Plakat beschrieb und die Kinder die fehlenden Wörter einsetzen mussten. Nun ja, Julia und ich saßen in der letzten Reihe und ihre Schrift wurde immer kleiner, sodass wir es überhaupt nicht mehr lesen konnten. Wie ging es denn dann den Schülern? Nun gut, den Kindern wurde mehr vorgesagt und von Eigeninitiative merkte man überhaupt nichts. Oh mann, an einigen Stellen bin ich echt schockiert über die Schule...Stirnrunzeln

In der vierten Stunde besuchten wir dann unsere Nesthäckchen Asadi, Hasini und Disna. Sie machten gerade Unterricht im Freien. Alle saßen auf Matten und die Lehrerin stellte ihnen immer Fragen und sie mussten im Chor antworten. Leider hab ich kein Wort verstanden, denn es war ja auch Singhalesisch, das fand ich dann schade, aber es war richtig niedlich die Kleinen zu beobachten. Auch die Kids waren sehr aufgeregt, dass wir ihnen zu schauten und das war an diesem Tag die erste Stunde, die ich schön fand und mir auch denke, dass die Kinder etwas gelernt haben. Grinsen

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Dann gab es eine 30minütige Pause und wir begaben uns zu der Klasse von Nisansala, Shanika und Dilki. Denn auch sie sollten Englisch haben. Man sagt ja: „Alle guten Dinge sind 3.", denn wir trafen wieder auf die nette Englischlehrerin. Im Gegensatz zu den anderen Klassen in der sie Unterricht gab, hatte ich das Gefühl, dass sie hier richtig war, denn Kinder verstanden alles und waren eifrig am machen. Auch Julia war ein bisschen stolz, denn was die Kinder zurzeit im Unterricht lernen, macht sie gerade in der Englischstunde am Nachmittag. Somit wussten ja unsere Mädels, worum es geht. Auch hörten wir die ganze Zeit ein ganz komisches Geräusch und Gesang. Also machten wir uns auf den Weg um zu erkunden, wer denn gerade Musikunterricht hat. Leider keiner aus dem Angels Home, aber wir durften uns trotzdem mit reinsetzen und hörten den wundervollen Klängen eines indischen Klaviers zu. Es war kein richtiges Klavier, sondern man musste es immer zusammendrücken und konnte dann so spielen. Die Gesänge waren auch sehr, sehr traurig - zumindest von der Melodie her. Um was es ging in dem Lied wissen wir ja leider nicht zwecks mangelnder Sprachkenntnisse.

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Nach dieser 5. Stunde hatten nun auch schon die Kleinen Schluss und wir beschlossen, sie ins Heim zu bringen und machten uns auf den Heimweg.

Alles in allem war es ein Tag mit sehr vielen Eindrücken und sehr viel Unverständlichen. Denn eigentlich wollten wir auch einmal in die Klasse von Chanchala, Surangika, Dinesha und Udeshika schauen. Aber leider mussten wir feststellen, dass keiner von den Lehrern, bei denen sie gehabt hätten, anwesend war. Sie hatten also somit den ganzen Tag keinen Unterricht und es kümmerte sich auch niemand um diese Klasse. Das finde ich schon ein starkes Ding!! Wenn sich ein Lehrer das in Deutschland erlauben würde, der hätte keinen Job mehr. Aber so sind sie halt, die Singhalesen: „Komm ich heut nicht, komm ich morgen oder übermorgen." Über diese Zustände bin ich schon sehr schockiert, denn dann fragt man sich: wie ist das an den anderen Tagen?

Ich brauch bestimmt ein paar Tage um diese Eindrücke zu verdauen.

Viele liebe Grüße aus dem sonnigen Sri Lanka

STEFFI