Tagebuch Verena Kolk. Abschließende Worte...27.02.2009


 

Tja, nun bin ich schon seit einigen Tagen wieder zurück im kalten Deutschland (alle um mich herum behaupten zwar, dass es seit 4 Wochen nicht mehr so warm gewesen sei, aber ich friere trotzdem!) und versuche noch immer, wirklich wieder hier anzukommen.

Denn abgesehen vom Wetter unterscheiden sich Deutschland und Sri Lanka in so vielen Sachen - es fing bei dem fast langweiligen Verkehr auf dem Rückweg vom Flughafen an, geht über das Essen und endet bei den Menschen, die hier stets beschäftigt, gestresst und rastlos wirken, obwohl sie doch eigentlich im Gegensatz zu den armen Menschen, die man noch ein paar Tage zuvor gesehen hat, alles haben, denkt man jedenfalls. Ja, und man fällt hier als Weißer gar nicht mehr auf und wird nicht mehr von jedem freundlich von der Seite angequatscht! Winken Es ist wirklich eine ganz andere Welt, die ich während meines Praktikums kennen und schätzen, aber auch teilweise hassen lernen durfte.

Besonders fehlen mir aber jetzt schon die Mädels, denn auch wenn ich nur 6 Wochen im Angels Home for Children war, so haben wir doch viel zusammen erlebt und sie sind mir wirklich sehr ans Herz gewachsen.

Mein Abschiedstag war auch für die Kinder ein ganz besonderer Tag, denn sie durften „zu uns" nach Hause kommen. Wir gingen nachmittags im Heim los und dann gab es bei uns erst mal für alle Kinder Kekse, Süßigkeiten und Cola zu trinken - da strahlten alle! Dann war Zeit, das Haus zu erkunden, was vor allem die Jüngeren äußerst neugierig taten, die anderen tanzten fröhlich im Garten oder schossen Fotos mit meiner Kamera, die ich Mali gegeben hatte. Leider ging die Zeit viel zu schnell herum und der Abschied nahte heran. Ich setzte mich auf einem Stuhl auf die Terrasse und alle Kinder standen im Halbkreis um mich herum. Als Nisansala eine kleine Dankesrede vortrug und ich in einige feuchte Augen der Mädels blickte, musste ich mich sehr zusammenreißen nicht loszuheulen. Dann begann die Verabschiedung und die Mädels übergaben mir ihre selbstgemalten Karten und gebastelte Tiere, was mich sehr rührte. Als Surangika an der Reihe war, wurde die Stimmung endlich wieder fröhlicher, denn sie setzte mir eine Mütze auf, die sie selbst gehäkelt hatte und ich bot damit glaube ich doch einen eher lustigen Anblick. ;-) So konnten wir alle wieder etwas lachen. Auch Julia sagte noch ein paar Worte zum Abschied und dann verteilte ich meine Karten mit einem Kreuzworträtsel, die ich für die Mädels gebastelt hatte. Dann zog mich Nisansala zur Seite und fragte mich „When you become a teacher?" Ich sagte ihr, dass ich in anderthalb Jahren mit meinem Referendariat fertig sein werde. Daraufhin meinte sie „And then you come back?" Es brach mir fast das Herz, dass ich ihre Frage nicht mit Sicherheit bejahen konnte, obwohl mich dieses Land und die Menschen sehr fasziniert haben und ich schon gerne noch einmal zurückkehren möchte.

25-02-abschied-verena25-02-abschied-verena_125-02-abschied-verena_8

25-02-abschied-verena_225-02-abschied-verena_625-02-abschied-verena_7

Dann gab es auf einmal einen Wolkenbruch, was irgendwie zu meiner Stimmung passte, und wir flüchteten alle ins Haus. Hier saßen wir noch zusammen und spielten „Ich sehe was, was du nicht siehst", bis die Miss mit dem Tuktuk kam, um die Mädels wieder abzuholen.

Zum Glück ließen Frank, Julia und Sophie bei mir gar keine große Ruhe und Traurigkeiten aufkommen, sondern verwickelten mich gleich in ein Gespräch über mein Praktikum und das Projekt generell. Dann gingen wir noch alle zusammen etwas essen und schon war der Tag meiner Abreise gekommen und Julia und Sophie brachten mich zum Flughafen. Trotz angekündigter verschärfter Sicherheitsmaßnahmen klappte alles reibungslos.

Es war wirklich eine tolle Zeit! Ich habe ein neues Land mit einer ganz fremden Kultur und viele interessante Menschen kennen gelernt. Ich danke den Mädels, dass wir so viel zusammen erlebt haben und sowohl Spaß als auch rauchende Köpfe bei der Englischnachhilfe hatten, dem Staff, der für meine Anliegen immer ein offenes Ohr hatte, Sophie, dass sie mich so lieb als Mitpraktikantin aufgenommen hat, und vor allem danke ich Frank und Julia, dass sie mir das Praktikum und damit diese einmaligen Erfahrungen ermöglicht haben. Ich wünsche euch alles alles Gute für euer Projekt und dass ihr trotz der Widrigkeiten, die ihr so oft aus dem Weg schaffen müsst, weiterhin an euch und das Projekt glaubt und weiter für die Zukunft der Mädels kämpft!

Ich schicke euch viele Grüße aus Detmold und hoffe, wir sehen und irgendwann noch einmal wieder!

Eure Verena