Tagebuch Verena Kolk. Der Anschlag in Colombo. 22.02.2009



Nach einem schönen Tag im Heim entschieden Sophie und ich uns am Freitag nach Colombo zu fahren, um dort einen Freund zu besuchen und tanzen zu gehen.

Wir stiegen in einen Public Bus ein. Die Fahrt war sehr abenteuerlich, da der Bus anscheinend keine Bremse besaß und so alle anderen Verkehrsteilnehmer zur Seite hupen musste, um dann in eher rasantem Tempo an ihnen vorbeizuschliddern.

Doch wir kamen heile an und fuhren dann gleich ins Appartement unseres Freundes. Wir saßen zusammen und erzählten und hatten uns gerade entschieden, so langsam loszugehen, als plötzlich der Strom ausging. Nach kurzer Zeit ging er noch mal an, aber dann erlosch er völlig und man konnte aus dem Fenster sehen, dass der ganze Stadtteil im Dunkeln lag. Erst dachten wir, es würde sich um einen ganz normalen Stromausfall handeln, aber dann sagte uns unser Freund, dass es sich auch um Taktik handeln könnte, damit man dem Feind bei einem eventuellen Angriff keine Orientierungs- und Zielpunkte bietet. Kurz darauf sah man auch von den Dächern einiger Häuser Strahler aufleuchten, die den Himmeln nach feindlichen Flugzeugen absuchten. Gleichzeitig sendete ein lokaler Handyanbieter die Nachricht, dass der Strom wegen eines erwarteten Luftangriffs der LTTE abgestellt worden sei. Plötzlich hörte man draußen Schüsse und konnte aus dem Fenster die Geschosse sehen, die von der Armee in den Himmel gefeuert wurden, um die feindlichen Flugzeuge zu treffen. Sophie und mir rutschte in diesem Moment endgültig das Herz in die Hose und wir liefen in das Innere des Zimmers. Es war total krass, das erste Mal wirklich zu erleben, dass man sich in einem Land aufhält, in dem Krieg herrscht, denn in Marawila bekommt man von den Unruhen eigentlich nichts mit. Wir saßen da und hörten die Schüsse, aber wir konnten gar nicht richtig realisieren, was draußen vor sich ging.

Nach etwa anderthalb Stunden wurde es ruhig draußen und der Strom ging auch wieder an. Im Fernsehen erfuhren wir, dass Flugzeuge der LTTE in den Luftraum Colombos eingedrungen waren und Regierungsgebäude angegriffen hatten. Bei dem Anschlag kamen mindestens zwei Menschen ums Leben und 53 wurden verletzt.

Es war wirklich ein sehr verstörendes Erlebnis, dass uns bewusst machte, dass Sri Lanka noch weit davon entfernt ist, eine Lösung für den lang andauernden Konflikt zu finden und die Regierung die Situation noch lange nicht unter Kontrolle hat.

Sophie und ich kamen nach diesem Abend wieder heile in Marawila an, aber das Gesehene und Erlebte wird uns noch lange beschäftigen.

Mit diesen Eindrücken verabschiede ich mich erst mal und wünsche euch einen schönen, friedlichen Sonntag.


 

 

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