Tagebuch Stefanie Wegner. Wieder in Deutschland. 01.10.2008



Bevor ich zu meinen abschließenden Gedanken komme, möchte ich zeitlich noch zum 22. September 2008 zurück gehen, da Julia und Ich an jenem Tag die Schule der Mädels besucht haben. Es ist ja so, dass die Hälfte der Kids ziemlich schlechte Examensergebnisse hat, und nach dem Besuch DIESER Schule wundert mich das auch nicht mehr. Es ist nicht unbedingt die Tatsache, dass es in der Schule nicht so schick aussieht, das ist hier eben so. Viel eher erscheinen mir die Lehrer des Unterrichtens unfähig zu sein und sich lediglich an ihrem Status zu ergötzen. Wenn die Lehrer könnten, würden sie sicher gerne durch die Räume schweben, manch einer mit dem Rohrstock gleich dabei. Solch Arroganz habe ich selten erlebt, Arroganz ohne Basis. Die Englischlehrerin kam zu spät, 2 Klassen hatten eine Stunde lang nichts zu tun, die Kinder der ersten Klasse turnen auf den Tischen herum (es war kein Sportunterricht) und haben in einer Stunde gelernt, 7 Häuser und 8 Blumen zu malen um die Zahlen "Hatei" (sieben) und "Atei" (acht) zu lernen. Der Laustärkepegel dabei ist mehr als anstrengend daher schrie die Lehrerin die Aufgabenstellung in die Klasse. "Quality Education" (O-Ton Direktor) sieht für mich anders aus.. Ich saß da und dachte die ganze Zeit nur "furchtbar", verwehrte dem Herrn Lehrer, der es toll fand mich die ganze Zeit anzulächeln einen freundlichen Blick und verspürte den Drang selber eine Schule zu eröffnen. Lediglich der Mathe-Unterricht erschien einigermaßen sinnvoll zu sein, und siehe da, dort waren die Schüler auch ruhig.

Hier noch ein paar Fotos:

Klassenraum der Klasse von Asadi und Hasini:

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Klassenraum von Saduni und Mali:

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Tja, nun bin ich wieder in Deutschland und wünschte, ich könnte weiterhin mit den Mädels zusammen Hausaufgaben machen, da ich denke, dass Ihnen das einiges mehr bringen würde als der Unterricht in der Schule. Zum Glück sind Julia, Frank und das Angels Home Team für die Mädels da. Ist es nicht viel wichtiger Kindern zu helfen, die nicht nur an sich denken? Die füreinander einstehen? Und damit habe ich schon fast ausgedrückt, was ich derzeit denke. Zurück in Deutschland erscheint mir mein Leben egoistisch. Während es im Angels Home derzeit darum geht, wie den Mädels eine möglichst gute Ausbildung ermöglicht werden kann, geht es hier um Schulverweigerer. Doch möchte ich damit gar nicht sagen, dass die Probleme hier nichtig sind, jeder der leidet hat (leider) seinen Grund. Viel mehr wird mir bewusst wie unterschiedlich Leben aussehen kann.

Während meines Praktikums habe ich 20 wundervolle Mädchen kennen gelernt die so stark sind und so anspruchslos, dass ich mich schon fast schäme, einen iPod zu besitzen. Ich habe außerdem gemerkt, wie sehr sie Julia und Frank lieb haben. Die Miss hatte uns nämlich berichtet, dass die Kids jeden Abend dafür gebetet haben, dass Frank und Julia ihr Visum bekommen. Ich bin davon fasziniert wie religös die Mädchen sind oder wie selbstverständlich sie alle Gegebenheiten hinnehmen. Sie haben schon soviel durchmachen müssen und kommen trotzdem wie selbstverständlich damit zurecht, mit 19 anderen Mädchen tagtäglich zusammen zu leben und haben einfach Spaß. Niemand meckert über Nebensächlichkeiten. Die Mädels freuen sich über Orangen, Äpfel und Meereswellen. Und auch das Personal des Angels Homes ist mir ans Herz gewachsen. Ich möchte zurück nach Sri Lanka, in ein Land was ich Anfangs gehasst habe und nun liebe. Obwohl es so schwer ist, es zu lieben da hier soviel schief läuft. Ich fühle mich verändert und kralle mich an Fotos und Sonstigem aus Sri Lanka nur um mich irgendwie wohl zu fühlen. Vielleicht ist mein Abschlussbericht etwas zu kitschig und klischeehaft, es sei mir verziehen. Es ist schwer in Worte zu fassen, was meine Erlebnisse in Sri Lanka in mir verändert haben. Denn plötzlich fehlt mir, was mich 2 Monate nervte. Ich hätte mich in Berlin Tegel gefreut, wenn einer der Angestellten dieselbe Dreistigkeit wie Jener in Sri Lanka aufgewiesen hätte, und mich nach meiner E-Mail-Adresse gefragt hätte Winken. Ich finde es außerdem eine herausragende Leistung was Frank und seine Freunde geschafft haben und finde es klasse, das Julia und Frank sich so um die Mädels kümmern. Ich werde nochmal wieder kommen, nicht nur, weil ichs den Mädels versprochen habe.
Viele Grüße an alle Leser,
Stefanie

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