Tagebuch Stefanie Wegner. In Marawilas Hospital. 05.09.2008


Heute packten Julia und Ich uns Latta ins Tuktuk und fuhren ins Krankenhaus um uns dort mal umzuschauen. Natürlich wusste Latta Bescheid, dass wir sie entführen werden. Dies war so geplant, da ihr Mann im Spital arbeitet, und Connections sind bekanntlich immer gut. Gegen oder kurz nach 10 Uhr waren wir da, wurden von den Pförtnern die den Weg zu den Krankenzimmern und Co. bewachten erstmal zurück gewiesen und warteten - man ist ja schließlich in Sri Lanka Grinsen - erstmal eine halbe Stunde auf Lattas Mann.

Die Zeit verging schnell, denn Latta ist immer sehr lieb und süß, sodass wir etwas rumalberten. Als ihr Mann dann kam haben wir uns im Sekretary die Erlaubnis für einen Rundgang (und auch fürs Fotografieren) eingeholt. Sollten aber erstmal - wir sind ja schließlich in Sri Lanka Winken - warten, da die Ärzte zurzeit beschäftigt sind (Visite?).

Also warteten wir eine halbe Stunde. Latta erklärte uns übrigens, dass die Behandlung in diesem Krankenhaus für alle kostenfrei ist (sowas wie eine Krankenkasse gibt es scheinbar nicht, die Behandlungen - auch OPs - werden vom Land bezahlt). Das Krankenhaus ist daher immer recht überfüllt mit Wartenden, da die Menschen dann nicht wie wir, zu ambulanten Ärzten gehen - da diese teuer sind - sondern eben direkt ins Krankenhaus. Außerdem werden die Patienten - sofern sie Betreuungspersonen haben - nicht mit Essen versorgt. Dies übernehmen die Verwandten, die bei Kindern auch Tag und Nacht da sein müssen, da es im Krankenhaus keine entsprechende Zahl Betreuungspersonal gibt.

Unser erster Stopp war der "Dressing Room". Ein Behandlungszimmer, wo nach und nach Patienten mit Zettel eintraten, und sich von der Krankenschwester dort verarzten ließen. Patient 1 hatte sich 2 Fingerkuppen in einer Maschine abgeschnitten. Patient 2 hatte eine allergische Reaktion am Fuß und der letzte den wir erleben durften, hatte eine bereits zugewachsene Kopfverletzung, welche nochmal verzweifelt desinfiziert und verbunden wurde.

Und so sah es in dem Raum aus:

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Dann gingen wir hoch, und warfen einen Blick ins Labor:

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Auf dem Flur trafen Latta und Mann noch ein paar Bekannte. Diese hatten einen Plastikbeutel dabei, der zugeschnürt war. Die Männer waren am Rumalbern, öffnete die Tüte und meinten, wir sollen doch mal reinschauen. Julia und Ich befürchteten einen abgetrennten Finger, es war jedoch eine kleine tote Schlange, die einen der Männer wohl gebissen hatte. Latta amüsierte sich noch eine Weile darüber, dass Julia dachte, es sei ein Finger.

Schließlich betraten wir den - überwachten - Teil des Krankenhauses in welchem die Patienten lagen. Dort ging es zuerst auf die Säuglings- und Kleinkindstation, auf der Asadi auch mal war:

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Irgendwie verstand keine im Krankenhaus so recht was wir wollten. Wir wollten nicht Patientenschau machen, sondern uns ein paar Gerätschaften anschauen, Labore oder gar OP-Sääle. Letzteres ging leider nicht. Und ersteres verstanden die Ärzte irgendwie nicht. Naja, interessant war es trotzdem:

kh_spritzen

Was auf dem Bild als Gasflasche zu erkennen ist, ist die Sauerstoffflasche.
Wir gingen dann hoch auf die Frauenstation und trafen da auf einen Arzt, der uns ein klein wenig rumführte.
Er erklärte, dass dieses Gerät - jedenfalls haben wir es so verstanden - zum Absaugen von Blut und anderen Flüssigkeiten sei:

kh_gert
Dann gingen wir runter, und ich schoss noch dieses Bild:

kh_rollstuhl
*grins* (zum Glück sah im Krankenhaus nicht alles so provisorisch aus Grinsen

Schließlich warfen wir einen Blick in den EKG_Raum:

Sowie einen Blick in die Blut-Bank und sahen die Warteschlange vorm "Operation Theatre", wo auch gerade ein paar grün gekleidete Gestalten rauskamen.

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Der Arzt, der uns ein wenig rumgeführt hatte bot an, uns ins Angels Home zu fahren, er habe gerade Mittagspause. Wir stiegen also in des Doktors Wagen und anschließend durfte ich mal live erfahren, dass die Menschen hier für jedes Entgegenkommen gleich eine Gegenleistung erwarten. Denn Doktor wollte a) noch mit ins Heim kommen und b) mal bei Frank und Julia vorbeischauen.

Wie wir also im Heim einfuhren (Kids waren in der Schule), begrüßte Hund Buddy den Dok erstmal, in dem er ihm ans Auto urinierte Grinsen. Wir nutzten die Chance und stellten ihm noch ein paar Fragen. So kam z.B. heraus, dass er sich nach dem Studium nicht weiter spezialisiert hat, er meinte aber, er würde auch operieren. Außerdem handelt es sich bei Marawilas Krankenhaus um ein Basis Hospital, welches das Nötigste, aber keine speziellen Untersuchungsmethoden macht. Pro Tag werden ca. 25 kleine OPs und 3 - 4 große OPs durchgeführt.

Alles in allem muss ich sagen, dass ich schlimmeres erwartet habe. Natürlich enstpricht das Krankenhaus nicht unserem westlichen Standard, aber trotzdem erschien alles irgendwie gut geregelt zu sein. Es gibt Radiologen, Chirugen und Labore. Wie die Ärztehirarchien sind, weiß ich nicht so recht.Viele Grüße aus Sri Lanka!