Colombo - Kandy und zurück. Teil 1.


Am Dienstagmorgen fuhr ich also das erste Mal mit einem singhalesischen Bus. Julia erklärte mir, dass sie lieber mit den Kleineren Bussen fährt, die sind klimatisiert und man wird nicht allzuviel begrabbelt. Wir standen also an der Bushaltestelle an der ein Bus nach dem Anderen hupend hielt und entschieden uns schließlich für einen Kleineren der schon recht voll war. Aber wat muss, dat muss.
Nach einigen Verrenkungen erreichten wir Colombo... Laut, stickig, waaaarm. Nun also ins Immigration Office - Menschen, Menschen, Menschen. Am Eingang gibt es eine Taschen- und Körperkontrolle, nach einem längeren Gang (inkl. Imbissständen) ging es dann eine vollkommen überlaufende Treppe hoch, die klimatisch sehr an Sauna erinnerte. Irgendwann erreichten wir dann die für uns relevante Ebene und ich erfuhr das singhalesische Behördentum mal live, echt und in Farbe. Frei nach der Philosophie:

"Hard work is the secret of success, that's why it is only a secret"

werden bei einem Tässchen Kaffee in aaaaller Ruhe Visaanträge bearbeitet. Ein Stempel hier einholen, ein Stempel dort einholen, sich den Singhalesen und Anderen stellen, die sich stets dreist vordrängeln, warten und irgendwann den Stempel beäugen. Geschafft. Julia erlag derweil dem Kommunikationszwang eines Singhalesen, was diesmal recht praktisch war, da dieser schließlich mich und den Australia Curtis (junger Bursch) zu Majjestic City fuhr.

Majjestic City war also meine Colombo-Sehenswürdigkeit *grins*. Glücklicherweise fand ich hier endlich einen Automaten, der meine Kreditkarte annahm und mir Rupies ausspuckte - Danke! Nun konnte ich mal shoppen gehen in diesem riesigen Komplex, welcher zum Verlaufen einlud.

Im Untergeschoss gibt es Imbissstände, ich hoffte also, mal etwas Ausgefalleneres als "Reis & Curry" zu finden. Doch trotz Namen wie "Malaysische Küche" oder "Thailändsiche Küche" etc., sah irgendwie alles gleich aus *seufz*. Zielstrebig lief ich also Richtung "Vegetarian Food", als ich näher kam sah ich den vollständigen Namen "Vegetarian Food & Non-Vegetarian Food" - keep smiling. Wieder mal keine große Auswahl, doch der Reis war lecker. Wobei ich fairerweise anmerken möchte, dass es an einem Stand Burger und Pizza gab, aber nicht in veganer Ausführung.

Dann also wieder hinauf - irgendwie. Ich schlenderte also durch die Gegend, fand vorerst nichts, doch wurde schließlich doch ein recht schickes Oberteil beglückt, welches ich mir nochmal schneidern lassen möchte, sodass ich zwei davon habe. Preis war wie immer super okay

Doch bald waren die 2 - 3 h um und ich wählte einen einigermaßen vertrauenswürdig aussehenden Tuktuk-Fahrer um zur Fort Railway Station zu fahren und mir ein Zugticket zu besorgen. Es dauerte nicht lange und ich hatte einige Männer an der Backe die ich jedoch schnell erfolgreich abschütteln konnte. Nur einer blieb hartnäckig und gab mir seine Karte mit dem netten Angebot auch mal bei ihm und seiner Frau übernachten zu können - gerne doch... Dann trank ich noch eine Kokosnuss (mit Wechselgeld aus dem BH *oink*) und checkte ein in den Bahnhof. Leider sah ich nirgendwo welcher Zug da jetzt am Gleis stand - also musste ich fragen und wurde zu meinem Platz gebracht (womit ich dann den nächsten an der Backe hatte, der aber auch bald wieder ging).

* Lektion 1 also: Nicht zimperlich sein beim Abschütteln

Im Zug saß ich also 2. Klasse und wartete auf das was da komme.

Fahrt nach Kandy

Nachdem der Zug Colombo immer weiter hinter sich ließ und die Zeit etwas verstrich, bekam ich das schöne Hochland Sri Lankas zu sehen. Und da die Fenster offen waren (logisch), schoss ich sogar einige gute Fotos:

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Und irgendwann fuhr der Zug in den Bahnhof Kandys ein.

Kandy

Jaaaa, wirklich toll, wenn man so beliebt ist *grins*. Regelrecht bestürmt wurde ich von den Tuktukfahrern und wählte auch hier wieder den am sympathischsten aussehenden, was eine gute Wahl war, wie sich herausstellte. Der gute Mann (Norr war sein Name) fuhr mich dann ins Lake View Rest auf den Berg in welchem mir Frank ein Zimmer gebucht hatte. Recht erschöpft trat ich also zwischen 18 und 19 Uhr ein und wurde sehr freundlich empfangen.
lake-viewkandy01Nachdem ich mich in meinem Zimmer ausgebreitet habe, fragte ich bei der freundlichen Dame etwas schüchtern an, wo ich denn am Besten ein Dinner herbekäme. Ihre Antwort: "Reis & Curry?", ich nickte und sie meinte, sie würde mich rufen, wenn es soweit ist. Lächelnd und beglückt ging ich in mein Zimmer um dann eine halbe Stunde später eines der leckersten Reis & Currys essen zu können, *yummie*. Gegen 20 Uhr schlief ich ein.

Morgens genoss ich dann diesen Ausblick während eines super leckeren Frühstücks mit frischem Ananassaft

 
Schließlich wollte ich mich dann gen City bewegen...

* Lektion 2: Wenn der auserwählte Tuktukfahrer in Ordnung war: Nummer geben lassen

Wie gut, dass er mir seine Nummer gegeben hatte. Und auch heute warb er wieder für seine Rund-um-Kandy-Tour. Da er 500 Rupies im Preis heruntergegangen ist und ich auf Einfachheit stehe besiegelte ich mit einem "Harri, harri" den Pakt. Und er lenkte den Three-Wheeler Richtung Pinnawela. Angepeilt wurden die Ziele Tee-Produktion, Ayurveda-Farm, Elefantenwaisenhaus Pinnawela, Königlicher Botanischer Garten sowie abschließend der Kandy-Dance und der Zahntempel im Kandy.

Tour durch Kandy und Umgebung

Erster Stopp: Tea-Production

Dieser Ort war mir sofort sympathisch. Nicht nur wegen dem wundervollen Duft sondern auch, weil die Toilette Klopapier hatte!
Ein netter Mann führte mich durch die verschiedenen Station der Produktion von Tee, klasse dabei war, dass er auch etwas deutsch sprach und ich daher alles gut verstand (wobei es in Englisch begann und schließlich zu einem "after that, the tea must gären" wurde Winken).

Für alle die, die es interessiert hier mal alle Informationen zur Teeherstellung die mein Gedächtnis noch hergibt.
Die Blätter werden handverlesen, dadurch dass die Teepflanze des schwarzen Tees sehr schnell wächst, kann jede Woche einmal gepflückt werden. Der Tee wird dann 24h (glaube ich) gelagert, sodass er etwas trocknen kann. Anschließend werden die Blätter gemahlen, wobei noch unerwünschte Stengel drinnen bleiben. Schließlich muss schwarzer Tee gären (grüner Tee nicht) und wird anschließend weiter getrocknet. Eine Sortiermaschine sortiert die Stengel aus.
Schließlich zeigte er mir die Sorten, die diese Tea-Factory herstellt. Wenn ich mich recht erinnere, gab es folgende:

B.P. - Broken Pekoe
B.O.P. - Broken Orange Pekoe
F.B.O.P. - Flowery Broken Orange Pekoe
und grüner Tee.

Je feiner die Blätter gemahlen sind, umso stärker ist der Tee (auch noch nicht gewusst).

Schließlich wird das ganzen in großen Säcken abgepackt und überall hin verschifft (wenn ich es mir richtig gemerkt habe, exportiert Sri Lanka 5% seines Tees). Dann zeigte mir der Mann noch eine super neue Maschine aus Schottland (glaub ich), die den Tee nach Farbton sortieren kann und abschließend wurde mir frischer B.O.P. eingeschenkt. Ja, das war schon lecker und den kleinen Laden mit verschiedensten Tees - reine Natur - hätte ich leer kaufen können. Aber das wäre dann zu schwer für den Rückflug gewesen.

Zweiter Stopp: Ayurveda-Farm

Student Asintha machte mit mir eine kleine Tour durch die Geheimnisse ayurvedischer Medizin. Toll war auch hier, dass er etwas deutsch sprach, und dafür, dass er dies erst seit 3 Monaten lernt, fand ich es schon sehr gut. Als Zwischenstopp präsentierte er mir nochmals alle Tränkleins und Pasten und ich bekam eine Gesichtsmassage von seinem Kumpan. Leider konnte ich einige Wirkungsweisen, von denen Asintha überzeugt war, nicht ganz glauben. So z.B. das Zimt-Öl welches durch Einreiben gegen Zahnschmerzen helfen soll (also den Schmerz lindern sollen, nicht den Zahn heilen). Oder das sogenannten Lady-Tonic gegen Menstruationsschmerzen.

Im Gespräch stellte sich heraus, dass Asintha fast mit seinem Medizinstudium fertig ist, das fand ich natürlich cool *grins* aber dunkel blieb für mich, wieviel nun wirklich dran ist, an all diesen Tinkturen und was er gelehrt bekommt während seines Studiums.

Leider habe ich ihn am Schluss etwas enttäuschen müssen und keines der Mittelchen gekauft, wobei ihn mein Satz: "Ich kann nicht recht glauben, dass das wirkt", glaube ich etwas kränkte.

Naja, freundlich gewinkt wurde zum Abschied trotzdem.

Dritter Stopp: Elephant-Park

Hier gab es leider ein Missverständnis zwischen Norr und mir, ich dachte wir seien bereits in Pinnawela und wunderte mich, warum mir hier nur Elefanten-Safaris für 2000 Rupies und mehr angeboten wurden. Doch selbstverständlich wollte ich NICHT auf einem Elefanten reiten, ihn waschen oder füttern.


Also ging es nun nach Pinnawela.

Vierter Stopp: Elefantenwaisenhaus Pinnawela

elefantenIch habe lange Hin und Her überlegt, ob ich dieses Waisenhaus besuchen soll. Doch da es eben ein "Waisen-"haus ist und Elefanten hier ja heilig sind, entschied ich mich dazu dieses Projekt durch einen Besuch zu unterstützen.
Als Erstes sah ich auf einem recht weitem Land auch scheinbar glückliche Elefanten, an anderer Stelle stand jedoch ein sehr großer Elefant angekettet auf dem Präsentierteller und auch einige weitere waren angekettet. Norr erklärte mir jedoch, dass diese Elefanten sehr schwer zu bändigen seien und daher angekettet sind.

flussDann führte mich Norr zur Futterstelle an welcher um 13 Uhr eine Futtervorstellung gegeben werden sollte. Dort war Mutterelefant mit Jungtier (angekettet). Wobei Mutterelefant die ganze Zeit den Kopf hin und her warf, kenne mich mit Elefanten nicht so aus, fand das etwas seltsam.
Schließlich gingen wir rüber zu einem Fluss, Norr meinte, dort werden die Elefanten gewaschen. Dazu kam es zwar nicht, der Fluss war aber trotzdem schön.

 
Nun wurde ich jedoch langsam etwas zittrig, ohne Mütze in praller Sonne sehnte ich mich nach einem anständigen Mittagessen. Norr empfahl mir das Restaurant seines Freundes und ich aß.... Reis & Curry. Jaja... War mir aber egal, denn ich hatte Hunger.

Für mich war es nun Zeit langsam den Rückweg anzutreten, Norr sah das genauso und wir fuhren zurück Richtung Kandy.

Fünfter Stopp: Gamini Gem & Jewellery Ltd.

Norr wollte mir unbedingt (ich könnte ja was kaufen ;) ) die Silver-Factory (so nannte er es) seines Freundes zeigen. Eigentlich interessierte mich das kein bisschen, aber ich ließ mich breit schlagen. Von Norrs Freund wurde ich also durch die Etappen der Produktion von Ohrringen und Co. geführt. Und schließlich kam natürlich ein Möchte-Gern-Verkaufsgespräch. Naja, ich lernte was über die Edelsteine Sri Lankas, deren Härtegrade und Schliff, glaubte schlussendlich aber nicht daran, dass hier mit echten Aquamarinen und Co. gehandelt wird, da alle Steine viele winzige Kratzer von der Bearbeitung hatten und auch die Fassungen aussahen, als würden sie bei Bijou Brigitte eingekauft.

Fand ich aber alles nicht schlimm, war alles ganz nett und Geld wollte auch keiner von mir haben.

Beim betrachten der vermeintlichen Edelsteine fiel mir lediglich auf, dass ich furchtbar dreckige Fingernägel hatte und sich meine weißen Klamotten (extra für den Tempel angezogen) auch langsam etwas beige verfärbten.

Sechster Stopp: Königlicher botanischer Garten Sri Lankas

Norr und ich machten aus, dass ich eine Stunde im Garten verbringe und er dann wieder bereit steht. Ich für meinen Teil war schließlich froh, die Kassiererin davon überzeugt zu haben, Studentin aus Deutschland zu sein (denn einziges Indiz dafür war für Sie mein Geburtsdatum) und daher nur die Hälfte des Eintrittspreises zahlen musste (300 Rupies = ca. 2 Euro).

Der Garten war prächtig - an Pflanzen bin ich zwar wenig interessiert aber auf Ästhetik stehe ich sehr wohl. Der Garten eignet sich wunderbar für einen Tagesausflug. Gerne hätte ich mich irgendwo hingepackt und eine Runde gelesen. Doch dies ließ ich bleiben und wollte unbedingt zur Hängebrücke am anderen Ende des Gartens. Und der Garten ist nicht klein...

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Dort erblickte ich also jenes Exemplar:

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Und war sehr froh, dass ich nicht 5 min. früher kam, denn gerade als ich ankam wurde ein Schild: "Wegen Renovierung vorübergehend geschlossen" angehangen.

Nun wurde die Zeit langsam knapp und ich lief zurück...

Wo mich Norr empfing.

Nun gings zurück in die Kandy-Innenstadt. Norr schlug vor, dass ich mir erst den Kandy-Dance anschaue und wir dann in den Tempel fahren.

Siebenter Stopp: Kandy-Dance in der Y.M.B.A.-Halle.

kandydanceFür 500 Rupies gab es hier den berühmten Kandy-Dance zu sehen. Publikum waren zu 95% Weiße. Ich platzierte mich in der 2. Reihe, erfreute mich an guter Sicht auf die Bühne bis blonde korpulente Frau XY erschien, anhand ihres gewählten Programmblattes in deutsch kombinierte ich: Aha, deutsche blonde korpulente Frau... *seufz*.
Naja, ich sah trotzdem was, bloß fürs Fotos schießen wäre die erste Reihe passender gewesen. Daher gibt es tatsächlich nur ein schönes Foto:

Nun war es schon dunkel... Angesichts dessen, dass ich Norr schon einen ganzen Tag seiner Familie entzogen habe - naja, eher weil ich keine Lust mehr hatte, entschloss ich mich noch eben was zu essen, nach ein paar Souvenirs Ausschau zu halten und schließlich ins Hotel zu fahren.

Norr fuhr mich erst noch - mal wieder - zu einem seiner Freunde welcher einen Laden mit einer riesigen Auswahl an Stoffen hatte und in welchen buntes Treiben herrschte. Ich nutzte die Chance und kaufte mit schwarzen Stoff für eine Hose, die ich mir hier schneidern lassen will.

Anschließend fuhren wir ins - von meinem Reiseführer empfohlene und mit voller Hoffnung auf chinesisches Essen - Lyón Café. Dort bestellte ich mir Vegetables mit Cashew-Kernen, und ..... Reis... . War lecker mit viel Knoblauch aber auch hier unterschied sich die Speisekarte nicht groß von Marawilas Restaurant. Norr, der die ganze Zeit noch nicht seinen Lohn haben wollte, nahm nun die 2000 Rupies an. Da ich die Tour super fand, legte ich noch die 500 Rupies drauf (das war der ursprüngliche Preis) und denke, dass ich für rund 15 Euro einen super Fahrer hatte.

Norr sah mittlerweile sehr geschafft aus, dann waren wir auch noch zugeparkt. Leider wusste er mit dem Wort "Souvenir" nichts anzufangen, ich umschrieb es mit Gift und er fuhr mich zum Laden.......... eines Freundes. Dieser war jedoch überfüllt mit Kitsch, sodass ich Norr erklärte, dass es nicht so wichtig sei und er mich nun zum Hotel bringen kann.
Das tat er, und nach einem gegenseitigen Dankeschön verabschiedeten wir uns.

Soviel von Heute zu meiner Tour!