Tagebuch Stefanie Wegner. Fireball, eine Verletzte und ein Geburtstagskind. 02.08.2008


 

Heute war ein ereignisreicher Tag.

Gegen 13 Uhr waren Frank und ich im Heim. Nach dem - heute außerordentlich leckeren (und scharfen) - Mittag, ließ ich mich von Nadisha in die Geheimnisse des Spielens mit 5 Steinen einweihen. Dieses Spiel lässt sich mit Worten jedoch nicht beschreiben, daher meine Empfehlung: Herkommen und mitmachen. Alsbald bereiteten wir dann das Spiel "Fireball" (in Deutschland unter "Brennball" bekannt oder unbekannt) vor und erklärten die vereinfachten Regeln. Nach ca. 2 Runden hatten die Kids den Dreh raus und es machte richtig Spaß und war super zum Auspowern geeignet. Toll ist, dass hier auch die Kleinsten gut mitspielen konnten. Die Mädels sind beim Spielen auch immer sehr ehrgeizig - meiner Meinung nach bei diesem Spiel jedoch weniger gehässig.

Leider passierte dann ein Unfall. Nadisha stolperte und fiel mit dem Brustbein genau auf die Kante eines Blumentopfes. Schnell waren wir alle bei ihr und Julia hielt sie fest und sagte, dass sie sich nicht bewegen solle. Schließlich kam die Miss, griff Nadisha am Arm und wollte sie "hochziehen". Doch Julia und Frank betonten, dass das vielleicht nicht so gut sei. Als nächstes wurde Nadisha Wasser an die Wange gespritzt. "Okay", dachte ich mir, "die werden schon wissen was sie tun". Nadisha wurde schließlich doch zum Aufstehen gebracht und wurde drinnen dann untersucht. Frank und Ich saßen draußen und warteten.
Plötzlich fingen die Frauen drinnen an zu Lachen - das kam uns komisch vor. Endlich kam Julia raus und erklärte, dass Nadisha wieder mitspielen wolle.
Das tat sie dann auch. Mir war da nicht ganz wohl bei der Sache - aber ich bin eh etwas hypochondrisch veranlagt Grinsen. Ich beruhigte mich schließlich dadurch, dass Kinder ja bekannterweise auch ab und an etwas simulieren. Doch nun komme ich zum ersten singhalesischen Kindergeburtstag, den ich miterleben durfte...

dishna_geburtstag01Dishnas Geburtstag

Für das Geburtstagskind wird so einiges vorbereitet. Chanchala und Dinesha haben mit dem Personal zusammen einen großenKuchen gebacken. Dann wurde ein Tisch hergerichtet und Stühle für alle hingestellt.
Nachdem alle Platz genommen haben, wurde eifrig geklatscht und das Geburtstagskind - Dishna - hereingeführt.

Zuckersüß angezogen in einem rosa-Kleid bekam Sie - nachdem sie das Blitzlichtgewitter von Paparazzo Julia überstanden hat  - eine angezündete Kerze in die Hand gedrückt mit der sie ein paar Kerzen anzündete (ein hübscher Brauch, finde ich). Via Mini-Keyboard wurde "Happy Birthday" abgespielt. In recht tiefer Tonlage sangen alle Kinder dann "Happy Birthday" auf Englisch und Singhalesisch mit. Dann schnitt Dishna den Kuchen an (mit einem Messer, was eine Schleife um hatte), und sie ging mit dem Kuchenstück rum, und jeder biss mal ab. Ich kann nur sagen: BOAH ist der süüüüüß... Aber die Menschen hier habens ja mit dem Zucker.dishna_geburtstag2

Irgendwann ging jeder nach und nach zu Dishna um Wange links - Wange rechts - händeschüttelnd liebe Worte an das Geburtstagskind heranzutragen. Doch noch entzückender waren die darauf folgenden Tänze. Die kleine Asadi begann, und besonders süß und ausdrucksstark empfand ich den Tanz von Hasini und Hiruni. Doch eigentlich fand ich alle Tänze faszinierend. Es ist, als wenn Musik ins Blut der Kids geht, sobald sie angeschaltet wird. Denn irgendwie hatten alle Kids beim Tanzen einen tollen Körperausdruck (kann gar nicht gut beschreiben, wie mich das beeindruckt hat) und es hat Spaß gemacht Ihnen zuzusehen. Ich kam mir außerdem ziemlich verloren vor, als ich dann mittanzen sollte.Und während alle feierten (fand ich ja echt cool), sah ich, wie Malie T. sich zu Nadisha beugte. Ich bin also hin und Mali wusste auch nicht so recht was los ist. Nadisha saß da und weinte, doch dabei blieb es leider nicht. Sie atmete plötzlich recht schwer und schnell und die Kids begannen ihr Luft zu zu wedeln . Es wurde dann entschieden, dass sie ins Krankenhaus gebracht wird. Zum einen finde ich es wirklich klasse, wie die Mädels sich darum kümmern, wenn jemand weint oder so, doch zum Anderen fiel mir auch auf, dass sowohl die Kids als auch das Personal im Umgang mit Kranken weniger einfühlsam sind als ich es wäre. Bei uns will man z.B. eher dass sich jemand Verletztes ausruht, und hier wird er animiert sich zu bewegen. Dies finde ich etwas komisch - aber Kultur ist Kultur. Nadisha bleibt nun eine Nacht zur Kontrolle im Krankenhaus, bisher wurde nichts weiter festgestellt - zum Glück! Mir klopfte jedenfalls ziemlich das Herz. Hinzu kommt, dass ich nicht so recht das Vertrauen ins Krankenhaus hier habe. Aber Letzteres ist erstmal nur ein Vorurteil.

Alles in allem könnte man meinen, dass heute Unfall-Tag war. Denn auch die Hunde blieben heute nicht verschont. Buddy hat was an der Pfote und Bonnie eine Mini-Verletzung am Auge. Ich bin jedenfalls heile nach Hause gekommen.

Daher viele Grüße aus Sri Lanka, Steffi