Tagebuch Sophie Mörbe. Nur noch 7 Wochen :-(


Nachdem 13 Wochen meines Praktikums vorbei sind und nur noch 7 Wochen bleiben, wird es Zeit für ein Fazit - eine „Zwischen"-bilanz! Es ist wirklich schwer, die Gedanken und Gefühle, die ich hier habe, in Worte zu fassen. Zum Einen sind da natürlich die Mädchen, die mir so unglaublich ans Herz gewachsen sind und mich durch ihre Fröhlichkeit und Liebe jeden Tag aufs Neue begeistern! Wie sie miteinander umgehen, sich helfen, natürlich auch mal streiten, aber am Ende doch alle zusammenhalten.

Zum Anderen haben mich natürlich auch die Menschen, die ich hier getroffen und kennengelernt habe, teilweise sehr beeindruckt. Angefangen mit Janet und Neil, über Rieke, dann die einheimischen und europäischen Menschen, die ich außerhalb des Projekts kennengelernt habe und natürlich Julia und Frank. Diese ganzen Begegnungen, die in meinem „normalen" Leben in Deutschland wahrscheinlich nie stattgefunden hätten, und das tägliche Leben hier haben mich neue Sichtweisen auf viele Dinge gelehrt. So weiß ich zum Einen die in Deutschland selbstverständlichen Dinge zu schätzen- warmes Wasser, eine Waschmaschine, Schwarzbrot und und und... Ich habe gelernt, meine Zeit sinnvoll zu verbrauchen, immer zu 100% bei einer Sache zu sein (Danke Rieke ;-) ), zweimal hinzuschauen und Dinge zu hinterfragen. Auch die „selbstverständlichen" Werte, die zwar von Jedem auf eine bestimmte Art und Weise erwartet , aber trotzdem von den Wenigsten gelebt werden, sind mir nun näher. Dazu zählen unter anderem Ehrlichkeit, Höflichkeit und Engagement, die ich hier auf eine neue Art und Weise für mich kennengelernt habe.

Natürlich gibt es hier auch Dinge, die mich schockieren und mich dadurch in meinem Denken und Handeln beeinflussen. Dazu zählt vor allem die Armut. Außerdem erschreckt mich, wie unselbstständig und eingeschüchtert die Frauen und Mädchen hier wirken.

Auch mein Bezug zu Religionen hat sich verändert. Religion hat in meinem Leben nie eine Rolle gespielt. In Sri Lanka wird man aber alltäglich damit konfrontiert. Die Menschen hier leben ihre Religion. Dies ist auf der einen Seite sehr schön mitzuverfolgen. Es ist ein wunderbares Bild, 300 Menschen beten zu sehen. Es wirkt so friedlich und als stünde alles im Einklang miteinander. Auf der anderen Seite stehen aber die Konflikte und Kriege, die durch die Religion begründet sind, was in Sri Lanka eins der größten Probleme ist.

Inwieweit diese ganzen Eindrücke und Erfahrungen mich verändern, vor allem, wenn ich wieder zurück in Deutschland bin, kann ich nicht genau sagen. Ich hoffe einfach, dass mir diese Empfindungen und Erkenntnisse in meinem „normalen" Leben in Deutschland erhalten bleiben, ich mich öfter darauf besinne, was ich habe und es öfter zu schätzen weiß, dass ich als Frau so viele Möglichkeiten habe, mein Leben zu gestalten.

Aber nun liegen ja erstmal noch 7 Wochen Praktikum vor mir, die ich auf jeden Fall in vollen Zügen genießen werde.

Liebe Grüße

Sophie