Tagebuch Sophie Mörbe. Das volle Programm. 11.12.2008



Diese Woche war hier echt jede Menge los. Am Montag war ich mit Sandra, mit der ich auch schon den Ausflug auf den Adam´s Peak gemacht habe, in Colombo. Das hatte einen ganz besonderen Grund, meine Mama hat mir ein Päckchen geschickt, in dem nicht nur ein paar kleine Überraschungen für mich waren, sondern auch Adventskalender und Springseile für die Mädchen. An dieser Stelle noch einmal herzlichen Dank, auch von Julia und Frank und natürlich den Kids an meine Mama und an meine Schwester, die sich so viel Mühe gegeben haben, um die Weihnachtskalender aufzutreiben. Nachdem das schon offene Paket vor meinen Augen im Postoffice noch einmal ausgepackt wurde und damit der Überraschungseffekt dahin war, machten wir uns, mit dem Paket unterm Arm, auf den Weg in ein Cafe´, wo wir alles noch einmal begutachten wollten. Es war wirklich eine große Freude.

Am Mittwoch nahm ich dann die Weihnachtskalender mit ins Heim und verteilte sie an die Kinder. Vorher erklärte ich natürlich, was es damit auf sich hat und dass man jeden Tag auch wirklich nur ein Türchen öffnen darf. Während ich das so erzählte, wurden die Augen der Mädels schon immer größer und als dann alle einen bekamen, war die Freude noch viel größer. Es ist unglaublich wie leicht man die Mädchen glücklich machen kann. Da ja schon der 3. Dezember war, durften sie natürlich auch alle gleich 3 Türchen öffnen, hinter denen wirklich niedliche Bilder zum Vorschein kamen.

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Am Dienstag waren wir, das heißt, Frank, Julia, die Mädels, das Personal und ich, zu einer Veranstaltung von Green Cross, einer weltweit tätigen Organisation, die sich für Frieden und ökologische Werte einsetzt, eingeladen. Green Cross- Sri Lanka hatte einen Schreibwettbewerb für Kinder veranstaltet. Dabei sollten die Kids ein Umwelttagebuch schreiben und am Dienstag sollten die besten drei, von mehreren Tausend Kindern, geehrt werden. Gesponsert wurde das Ganze von Green Cross- Japan, die drei Gewinner dürfen nun für 1 Woche nach Japan fliegen, um sich vor Ort verschiedene Umweltprojekte anzusehen. Leider konnten nicht alle von unseren Mädels mitkommen, die Größeren hatten an diesem Tag Examen und so konnten uns nur die acht Kleinen und unsere Älteste begleiten. Nachdem wir uns 6.30 auf den Weg nach Colombo gemacht hatten, kamen wir auch gegen halb 10 an. Nochmal schnell die Sachen zurecht gezupft und die Haare gekämmt und dann rein in den Saal. Dort waren in der 2. Reihe Plätze für uns reserviert- später stellte sich raus, dass die Plätze nur für die Mädels waren, denn Frank, Julia und ich wurden in einen separaten Raum geführt, in dem wir erst einmal warten sollten. Ohne so richtig zu wissen, was jetzt passiert, setzten wir uns erst einmal. Irgendwann erklärte uns dann jemand, dass wir den Minister, der die Ehrung übernahm, begrüßen sollten. Zwischenzeitlich hatten wir Gesellschaft von einem „hohen Mönch" und seinem Sekretär bekommen. Als der Minister dann kam, begrüßten wir ihn und sollten mit ihm zusammen in den Saal: dabei begleiteten uns Kandytänzer, ein Kameramann, Fotographen und anderen Leute, von denen wir bis auf die Bühne (!) geführt wurden, wo wir Platz nehmen sollten. So leicht wird man ein „Star"....

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Also hörten wir uns die Reden an, sahen uns die Preisverleihung von der Bühne aus an, wobei wir von ungefähr 900 Menschen beobachtet wurden. Da ich nichts verstanden habe, empfand ich das Ganze ein wenig langweilig, aber trotzdem hieß es: immer nett lächeln und an den richtigen Stellen lachen- alles nicht so einfach, wenn man keine Ahnung hat worum es geht. Beeindruckt hat mich aber der Teil der Veranstaltung, bei dem die Gewinner des Wettbewebs einen Teil aus ihren Umwelttagebüchern referiert haben, da dieses sehr ausdrucksstarke Reden waren.

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Anschließend bekamen 100 Kinder noch ein kleines Geschenk überreicht (Schulhefte, Schreibsachen und ein Tagebuch) worüber unsere Mädels sich natürlich besonders gefreut haben. Auch für diejenigen die das Examen hatten und nicht teilnehmen konnten gab es ein Geschenk. Grinsen

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Nach ein paar Stunden war dann alles vorbei und nach einem Fotoshooting mit all den „wichtigen" Personen (einschließlich uns) fuhren wir wieder nach Hause. Ein sehr verrückter Tag, aber trotzdem schön. Auf der Rückfahrt war so eine super Stimmung im Bus, die an eine Party erinnerte, da alle sangen und klatschten. Sehr gut!

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Ansonsten war diese Woche auch noch der Donnerstag ein besonderer Tag. Am Freitag haben hier die 4 wöchigen Schulferien begonnen, deshalb waren 3 Ladies vom Office und die Verwandten der Mädchen da, um zu entscheiden wer über die Ferien nach Hause darf und wie lange. Ich war sehr gespannt, wie das ablaufen würde. Als es dann soweit war, saßen die 3 Ladies mit Frank und Julia an einem Tisch und riefen nacheinander die Verwandten der Mädels zu sich und sprachen mit ihnen. Verstehen konnte ich leider nichts und da ich am Nachbartisch saß, konnte ich auch nicht verstehen, was die Matron für Frank und Julia übersetzte. Also blieb mir nichts anderes übrig, als mich auf meine Beobachtungsgabe zu verlassen. Im Allgemeinen empfand ich die Stimmung als angespannt und sowohl die Verwandten, als auch die Mädels wirkten zurückhaltend und unsicher. Je mehr ich das Ganze so beobachtete, fing ich an mir Gedanken zu machen. Manche Mädchen haben ja noch Eltern bzw. ein Elternteil und irgendwie empfinde ich es als eine Schande, wie manche von ihnen ihren Kindern gegenübertreten. So habe ich an einem Besuchstag mitbekommen, wie der Vater von einem der Mädchen sich lieber mit Laxman unterhielt, als mit seiner Tochter. Oder wie Eltern mit ihren anderen Kindern, „als glückliche Familie" im Heim auftauchen. Mir tut das jedesmal so leid für die Mädchen, die alle so bezaubernd sind und eine richtige Familie verdient hätten. Und trotzdem stehen sie ihren Eltern so loyal gegenüber und würden sich nie darüber beschweren. Außerdem finde ich es jedesmal wieder schlimm, wie die Verabschiedung zwischen manchen Mädels und ihren Verwandten abläuft, bei der überhaupt keine Herzlichkeit zu sehen ist, wenn sie einfach aus dem Gate raus marschieren ohne eine Umarmung, einen Kuss oder ähnliches.

Natürlich bin ich mir bewusst darüber, dass die Mentalität der Menschen in Sri Lanka anders ist als in Deutschland und das Verständnis von Familie in dieser Kultur ein anderes ist. Außerdem weiß ich ja auch nicht, warum die Eltern oder Verwandten die Mädchen „abgegeben haben", trotzdem kann dieses Verhalten nach meinem Empfinden und Verständnis nicht gut sein.

Ich weiß aber, dass die Mädchen im Angels Home for Children gut aufgehoben sind und hoffe, dass auch ich ihnen noch eine schöne Zeit bereiten kann.

Um noch die „Ergebnisse" vom Donnerstag zu erwähnen. 2 Mädchen, Nisansala und Nadisha, werden definitiv die ganzen Ferien im Heim bleiben, weil bei ihnen eine angemessene Unterbringung während dieser Zeit nicht möglich ist. Bei einigen anderen Mädels ist es noch nicht sicher, da die Angehörigen noch auf das OK von einer höheren Stelle des Amtes abwarten müssen. Die Meisten dürfen aber zumindest über die Weihnachtsfeiertage nach Hause.

Liebe Grüße aus Sri Lanka