Tagebuch Sophie Mörbe. Eine Woche Marawila. 27.10.2008


So, nun bin ich ja schon eine knappe Woche in Marawila und ich fühle mich sehr wohl. Langsam lerne ich die Mädchen kennen, jeden Tag ein kleines bisschen mehr. Da ich manchmal nicht genau weiß, wie ich auf sie zugehen soll, dauert es bestimmt noch eine Weile. Aber am Montag werde ich anfangen die Englisch- und Mathenachhilfe für Julia zu übernehmen, dabei werde ich jeden Tag mit einer Gruppe von ungefähr 5 Mädels das Buchstabieren, Schreiben und Rechnen üben. Ich denke, dass das auch gut ist, um sie besser kennenzulernen. Es ist schon eine kleine Herausforderung, weil es doch sehr schwer ist den Mädels ein englisches Wort auf Englisch zu erklären. Aber deshalb bin ich hier und schaffe das natürlich.

Es ist unglaublich, wie viele Eindrücke hier, in dieser anderen Welt auf mich wirken. Da sind zum einen die Mädels, es ist toll wie sie miteinander umgehen. Die Großen spielen mit und kümmern sich um die Kleinen. Und wenn die Kleine den Ball beim 10 Mal immer noch nicht fängt, wird er ein 11 Mal geworfen. Auf der anderen Seite steht natürlich die Armut und der Regen verschlimmert die Situation auch noch einmal. Trotzdem wird man hier mit einer Herzlichkeit empfangen, die man so aus Deutschland nicht kennt und auch gar nicht so gut in Worte fassen kann.

Dazu kommen dann noch die alltäglichen Dinge des Lebens, die hier einfach anders sind: das Duschen: das Wasser ist kalt (das ist wegen der Wärme natürlich völlig O.k.), Wäsche waschen mit der Hand, die ganzen Insekten und Käfer und.... Naja so genau will ich gar nicht wissen, was hier sonst noch so rumkriecht. Das andere Klima, die Mentalität der Sri Lanker, ihr Umgang mit Frauen und Kindern. Das sind alles Dinge, an die ich mich erst gewöhnen muss. Die meisten davon sind nicht schlimm und da ich mich natürlich vorher mit meinem Aufenthalt hier beschäftigt habe, wusste ich was auf mich zukommt. Trotzdem ist es noch einmal was anderes, wenn man dann hier ist.

Am Samstag hab ich etwas sehr verrücktes erlebt: ich war in Colombo auf dem Oktoberfest. Um 5 Uhr wurde ich abgeholt, der Van war schon voll mit ein paar anderen deutschen Studenten, die hier in Marawila an einem anderen sozialen Projekt mitarbeiten. Wir fuhren dann also nach Colombo, dort angekommen erwartete uns ein riesiges Festzelt und jede Menge Europäer in Lederhosen oder Dirndl. Es war ein wirklich komisches Gefühl, da sitzt man mitten in Sri Lanka, nur umgeben von fremden Menschen und auf einmal ist ALLES so deutsch! Es gab deutsches Bier und deutsches Essen und mein persönlicher Höhepunkt: eine bayrische Band! Nach jedem Lied erklang: „Ein Prosit, ein Prosit der Gemütlichkeit ein Prosit, ein Prosit der Gemütlichkeit." Wirklich schön war das Ganze nicht, aber man macht ja jeden Spaß mit! Gut, da ich nichts dagegen tun konnte akzeptierte ich die Band und klatschte und schunkelte sogar ein paar Mal mit. Winken Ich konzentrierte mich aber die meiste Zeit auf die Menschen, mit denen ich dort war und freute mich sie kennenzulernen. So verging der Abend eigentlich auch ganz schnell und es war am Ende auch ein sehr schöner Abend, an dem ich mich über viele kleine, für mich absurd scheinende, Momente freute. Zum Beispiel lief auf dem Oktoberfest ein kleiner singalesischer Junge in Lederhosen rum. Wirklich bezaubernd. Oder der Gitarrist der Band, der 5 Stunden lang das gleiche Gesicht machte, was nicht besonders freundlich aussah, er aber mit der Einstellung der einzige im ganzen Festzelt war. Oder die deutsche Mutti, die irgendwann voller Elan mit Mann und Freundin auf dem Tisch tanzte. Ja das war wirklich schön und einfach nur weil alle um mich rum so viel Spaß hatten, hatte ich es auch, obwohl ich auf sowas nicht wirklich stehe.

Leider konnte ich an diesem Abend nur Fotos mit meinem Handy machen, weil ich meine Kamera vergessen hatte. Wirklich schade.

Ansonsten freue ich mich auf die nächste Woche und werde mich bald wieder zu Wort melden.

Liebe Grüße aus dem (heute) sonnigen Sri Lanka