Tagebuch Lisa Meffert. Good bye Angels Home. 07.06.2009



Heute ist mein letzter Tag im Angels Home und ich bin schon seit einer Woche wehmütig die Mädels, das Heim und die Leute zu verlassen. Nach fast drei Monaten in Marawila fühle ich mich hier schon fast zu hause. Es ist sicherlich Frank und Julia zu verdanken, dass das so ist. In Sri Lanka läuft doch so vieles anders als in Deutschland: Termine werden grundsätzlich nicht eingehalten, Pläne über den Haufen geworfen und alles kurzfristig ganz anders gemacht. Teils, weil es nicht anders geht, weil beispielsweise der Strom ausfällt oder ähnliches, teils weil man darauf auch nicht so viel Wert legt. So kann die Arbeit hier schon auch sehr anstrengend sein und ich kann gut verstehen, dass Frank manchmal sehr genervt ist. Er muss eben alles am laufen halten und manchmal auch sehr ungemütlich werden, dass alles im sinne der Mädels geschieht, auch wenn er sich damit unbeliebt macht. Auch wir beide sind ab und zu mal aneinander geraten, aber zum Glück hat Julia immer wieder vermittelnd eingegriffen. Julias Rolle im Angels Home ist nach Frank mit Abstand die wichtigste. Sie ist eine Konstante im Leben der Mädels, die unbedingt notwendig ist und ihnen so viel Halt gibt. Das unterscheidet das Angels Home auch maßgeblich von anderen Heimen. Als Praktikant ist man vielleicht einen Monat, im Idealfall natürlich ein paar Monate hier, die Mädels brauchen Zeit, sich an einen zu gewöhnen und man selbst braucht Zeit sich einzuleben. Dann fassen die Mädels Vertrauen und man selbst auch. Man bekommt mehr erzählt, auch Probleme und Sorgen und kann schon einige Erinnerungen teilen, aber die Zeit der Praktikanten hier ist auch begrenzt und das wissen die Mädels auch. Dass Julia immer hier ist und immer ansprechbar ist gerade deshalb ein so wichtiger Faktor. In einem Land wie Sri Lanka in dem die Familie so wichtig ist, fehlt dieser Faktor den Mädels besonders und Julia, Frank und die anderen Mitarbeiter im Heim geben ihr bestes das so gut wie möglich aufzuwiegen.

Ich bin eigentlich nach Sri Lanka gekommen, um ein studienrelevantes Praktikum beim Goethe Institut zu machen, weil das aber nur drei Monate geht, habe ich mich dann noch beim Angels Home beworben. Rückblickend kann ich sagen, dass es die beste Entscheidung war und ich die besten Erinnerungen an Sri Lanka an meine Zeit im Angels Home knüpfen werde. Bei den Mädels zählen keine materiellen Werte, sondern die Zeit, die man mit ihnen verbringt. Als ich anfing den Mädels die Nachhilfe zu geben, habe ich sie alle erst richtig kennengelernt. Die intensive Beschäftigung in kleinen Gruppen tut den Mädels so gut. Eigentlich geht es gar nicht darum, ihnen Englisch oder Mathe beizubringen, sondern einfach da zu sein und sich mit ihnen zu beschäftigen und zu reden, das Lernen geschieht dann ganz von selbst. Sicherlich war es auch nicht immer einfach, mal sind die Mädels überfordert oder schon von der Schule gereizt, dann muss man auch mal auf den Tisch hauen. Aber auch wenn man mal ungemütlich wurde, am nächsten Tag strahlen die Mädels wieder und freuen sich sogar auf die Nachhilfe. Es sind die ganz kleinen Dinge und Gesten, die mir in Erinnerung bleiben werden. Wie Chathumini in der Englischnachhilfe gesagt hat: „Everyday I Wash my moon." Wobei sie meinte, dass sie jeden Tag ihr Gesicht wäscht, das singhalesische Wort für Gesicht klingt ähnlich wie moon. Oder wie mir unser neues Mädchen Vianga schon nach zwei Tagen, die sie im Angels Home war ein selbst gemaltes Bild geschenkt hat. Oder wie Dinesha, der ich zusammen mit Chanchala und Chathumini zeitweise die Verantwortung für den Schlüssel des Spieleschranks übertragen habe, mir ganz stolz zeigte wie gut sie den Schrank aufgeräumt hat. Die Mädchen sind jede für sich ein ganz besondere und liebenswerter Charakter und ich erkenne mittlerweile jede an ihrer Stimme. Diese Mädchen haben einen wahnsinnigen Eindruck auf mich gemacht und ich werde sie nie vergessen.

Auch Marawila werde ich vermissen. Dieses verschlafene Fischerdorf mit seinen neugierigen und manchmal auch nervigen Bewohnern. Der Weg mit dem Fahrrad von unserer Wohnung zum Heim entlang der Beach Road mit den vielen Kindern, die Winken und „good morning" sagen. Abends bei dem Fischer Ranjith stoppen und 10 Minuten mit ihm vor seinem Haus mit anderen alten Fischern sitzen und plaudern. Ein morgendlicher Spaziergang am Meer und das Einkaufen im völlig überbesetzten Shashikalas. Eine Tuktukfahrt mit Christi, der immer aus Spaß so tut als würde er die Straßenhunde überfahren. Rukmal, der Frank, Julia und den Praktikanten in allen Lebenslagen zu Seite steht als Deutsch-Singhalesischer Kulturvermittler Winken Die Liebe Kumudu, die zum Putzen kommt und einem aus Angst man könnte Verhungern String Hoppers und Sambol mitbringt. Der Nachbar der morgens um 7 seine Bollywoodmusik voll aufdreht. Laxman, der kein Englisch versteht und einfach Singhalesisch mit einem redet. Die lustigen Kellner und den Besitzer vom Masha, die die besten Butter Prawns überhaupt machen. All diese Menschen und Situationen werde ich unheimlich vermissen. Ich danke Frank, Julia und den Mädels sehr für die wahnsinnig tolle Zeit im Angels Home. Auch den beiden anderen Praktikantinnen Sophie und Irene, die ich wenn auch nur kurz kennenlernen durfte.

Ich werde jetzt mit meinem Freund fast vier Wochen durch Sri Lanka und Indien reisen, worauf ich mich auch sehr freue, danach werde ich drei Monate im Goethe Institut in Colombo arbeiten. Eine Sache verlange ich jetzt noch vom Angels Home Team:

Lebenslanges Besuchsrecht! Winken Ich werde sicher öfter vorbei kommen, wenn ich in Colombo arbeite, davon wird mich keiner abhalten können.

Vielen Dank für alles,

Lisa

P.S. Hier meine Lieblingsbilder der letzten Wochen.

ankommenallmeineaufdermauer

nisansalabetenpodilaxman

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